nichts bekennen , aber was sein Mund verschweigt , das wird mir sein Auge sagen . « Raimar blickte sie mit unverhehlter Besorgnis an . » Sie haben recht , ich kann nicht erwarten , daß Sie mir blindlings glauben , aber – das wird eine furchtbare Stunde für Sie ! « » Ja , « sagte Edith mit zuckenden Lippen . » Leben Sie wohl ! « Sie ging , und Ernst versuchte nicht , sie zurückzuhalten . Er trat nur an das Fenster und sah , wie sie in ihren draußen harrenden Wagen stieg und fortfuhr . Da schlug es vier Uhr vom Turme der gegenüberliegenden Kirche . Arnold mußte gleich zurückkommen , aber Raimar fühlte , daß er in seiner jetzigen Stimmung dem Uebermut des glücklichen Bräutigams , dem frohen Lachen Wilmas nicht werde standhalten können . Nur jetzt allein sein ! Er ging hinunter , ließ dem Portier eine Bestellung zurück und verließ das Hotel . Fünf Minuten später kam der Major mit Frau von Maiendorf angefahren und hörte zu seinem Aerger , daß sein Freund allerdings dagewesen , aber wieder fortgegangen sei . Der etwas unklare Bericht des Portiers ließ ihn an ein Mißverständnis glauben , aber vielleicht war Ernst bei seinem Onkel gewesen und hatte dort eine Nachricht zurückgelassen . Hartmut stieg die Treppe zum zweiten Stock hinauf , wo der Notar wohnte . Auf sein Anklopfen ertönte ein merkwürdig düster klingendes Herein . Treumann saß am Tische und schrieb so eifrig , daß er sich kaum Zeit nahm , den Gruß zu erwidern . » Ich wollte nur fragen , ob Ernst bei Ihnen gewesen ist , « sagte der Major . » Bitte um Entschuldigung , wenn ich störe . « » Nein , Ernst war nicht hier , « versetzte der Notar aufblickend . » Sie stören mich durchaus nicht , ich bin sogleich fertig , nur noch zwei Minuten . « » Vermutlich der gestrige Bericht für die › Burgwarte ‹ , « bemerkte Arnold , aber der alte Herr schüttelte den Kopf und antwortete in einem wahren Grabestone : » Nein – mein Testament ! « » Was ? Ich denke , das ist längst gemacht , und wenn Sie wirklich ein Kodizill beabsichtigen , so hat das doch Zeit , bis Sie wieder in Heilsberg sind . « » Nein , das hat nicht Zeit . Ich kann heut oder morgen sterben , ich habe gestern abend schon geglaubt , daß mich der Schlag treffen wird , und ich will wenigstens meine Ruhe im Grabe haben ! « Treumann schaute den Major dabei so grimmig an , daß dieser das Bedürfnis fühlte , sich zu verteidigen . » Nun , ich störe Sie doch gewiß nicht darin , « sagte er . » Aber was ist denn eigentlich passiert ? Gestern waren Sie in einem fortwährenden Zustande der Verklärung über Ernsts Sieg und seine Erfolge , und heut haben Sie Todesgedanken und machen ein Testament ! « » Franz Philipp Treumann – Punktum ! « Der Notar setzte einen dicken Punkt hinter die eben vollzogene Unterschrift und betrachtete dann mit höchster Befriedigung sein Werk . » Warum ich testiere , wollen Sie wissen ? Weil ich einen anständigen Erben haben will , und das ist der Maxl nicht . Der Maxl ist ein Lump ! Ein ausgemachter Lump ! « » Das stimmt , « versetzte Hartmut mit Seelenruhe . » Ernst und ich haben diese betrübende Entdeckung schon längst gemacht , aber wie sind Sie denn dahinter gekommen ? « Der alte Herr schluckte ein paarmal heftig , wie das seine Gewohnheit war , wenn er sich in äußerster Erregung befand , dann aber brach er los . » Ich bin schon hinter manches gekommen , denn ich habe Maxls Wirtin ausgefragt , und da bekam ich erbauliche Dinge zu hören . Aber ich glaubte , er sei nur leichtsinnig geworden hier in der großen Stadt , und wenn er auf einige Zeit nach Hause käme , würde er wieder solid und vernünftig werden . Ich wollte ihn mitnehmen in die historische Rumpelkammer , wo die Menschen verschimmeln – das ist nämlich Heilsberg ! Und zu dem alten Fossil – das bin ich ! « Jetzt wurde dem Major doch bange um den Verstand des Testators , er wollte ihm eben nach dem Puls greifen , als ihn die nächsten Worte glücklicherweise beruhigten . » So sagt nämlich der Maxl ! So spricht er von seiner Heimat und seinem Onkel ! Ich wollte ihn gestern abend noch sprechen und traf ihn nicht zu Hause ; aber ich kenne das Lokal , wo er gewöhnlich verkehrt , und da fand ich ihn denn auch mit seinem Busenfreunde , dem Neustädter Redakteur . In einem Separatzimmer saßen sie , und Champagner tranken sie . « » Dieser Redakteur scheint doch ein sehr leichtsinniger Mensch zu sein , « meinte Hartmut . » Gestern , am Tage der schmählichen Niederlage seines Chefs , durfte er doch höchstens Selterwasser trinken , und nun feiert er das mit Champagner ! « » Der Maxi bezahlt ja alles – von meinem Gelde ! « rief Treumann mit einem krampfhaften Auflachen . » › Trinke nur , mein Junge ! ‹ sagte er . › Das geht schon auf die Erbschaft vom alten Fossil , darauf habe ich mir einen Wechsel verschafft , hoffentlich fährt er bald ab , der Alte ‹ – und darauf haben sie angestoßen ! « » Schändlich ! « fuhr Arnold diesmal mit wirklicher Entrüstung auf , während der alte Herr weiter berichtete : » Sie waren beide schon so bekneipt , daß sie es gar nicht merkten , wie ich an der Thür stand und zuhörte . Maxl wußte überhaupt nicht mehr , was er sprach , aber im Wein ist Wahrheit ! Das alte Sprichwort bewährte sich wieder einmal . › Dann ziehst du am Ende ganz nach Heilsberg ? ‹ sagte der Busenfreund . Das sollte