Amerikaner seien , denen nur die Unmöglichkeit , im Dorfe ein Unterkommen zu finden , das Nachtlager im Schlosse verschafft hatte ; waren sie auch Gäste des Feindes , sie gehörten doch wenigstens nicht der verhaßten Nation an , und die finstere Zurückhaltung , die Alison heute Nachmittag im Kreise der Officiere gezeigt , und die der Franzose zu beobachten . Gelegenheit gehabt , gereichte ihm bei diesem noch besonders zum Vortheil . Er stand auf und ging ihm höflich , aber dennoch mit einer gewissen kalten Zurückhaltung entgegen . „ Womit kann ich dienen , Monsieur ? “ Henry schloß vorsichtig die Thür hinter sich und warf einen Blick durch das Zimmer . Hätte Walther jetzt dies Gesicht beobachten können , wo jede Muskel sich spannte in eiserner Willenskraft , vielleicht hätte er die Warnungen Atkins ’ doch mehr beachtet . „ Ich habe Wichtiges mit Ihnen zu sprechen . Sind wir hier unbelauscht ? “ Der Franzose wurde aufmerksam . „ Vollkommen ! Das Zimmer hat , wie Sie sehen , nur diesen einen Ausgang . “ Henry trat näher zum Tische und winkte dem Alten , ihm zu folgen , er dämpfte seine Stimme bis zum Flüstern . „ Sie wissen vermuthlich , daß man uns die Weiterreise versagt . Meine Gefährten haben sich darein ergeben , die Nacht hier zu bleiben , ich aber muß jedenfalls heut ’ Abend noch in ’ s Gebirge . “ „ Das ist unmöglich , Monsieur ! “ sagte der Franzose artig , aber kalt . „ Die Preußen hatten die sämtlichen Eingänge besetzt , ohne ihre Erlaubniß gelangt Niemand auf die Bergstraße . “ Henry fixirte ihn scharf und prüfend . „ Und wüßten Sie nicht dorthin zu gelangen , trotz der Posten , wenn Ihnen daran läge , wenn es etwa irgend eine Nachricht an die Franctireurs im Gebirge gälte ? “ Der Franzose streifte ihn mit einem scheuen forschenden Seitenblick . „ Ich sage Ihnen ja , Monsieur , daß alle Eingänge besetzt sind ! “ „ Es giebt immer Schleichwege in ’ s Gebirge , “ sagte Henry mit Bestimmtheit , „ die dem Feinde nicht bekannt sind , und die die Einwohner um so besser kennen und benutzen . Erst am Nachmittage hörte ich von den Officieren die Vermuthung aussprechen , daß trotz der schärfsten Bewachung doch eine geheime Verbindung zwischen dem Dorfe und den Bergen bestände , es wird also auch hier einen solchen Weg geben . “ „ Möglich ! Ich kenne keinen . “ Statt aller Antwort zog Henry seine Brieftasche hervor , nahm eine Banknote heraus und hielt sie schweigend dem Alten hin . Dieser mußte den Werth des Papiers kennen , und es mußte ein ungeheurer sein , denn er blickte erschrocken zu dem Amerikaner empor . „ Der Preis des Weges ! “ sagte dieser kurz . Der Franzose trat mit vollster Entschiedenheit zurück . „ Ich lasse mich nicht erkaufen , Monsieur . “ Henry legte ruhig die Banknote auf den Tisch . „ Von den Deutschen nicht ! das nehme ich von vornherein an ! Sie könnten Ihnen das Zehnfache dieser Summe bieten , es wäre vergebens . Ich gehöre aber nicht zu ihnen und bin auch ihr Freund nicht . Wäre das , was ich vorhabe , für sie , ich würde Erlaubnis haben , durch ihre Posten zu gehen . Daß ich gezwungen bin , Ihre Hülfe zu suchen , mag Ihnen beweisen , daß Sie als Franzose diesen Verrath auf sich nehmen können . Mir dürfen Sie den Weg nennen . “ Das Argument war richtig , und die herrische Bestimmtheit , mit der der Amerikaner auftrat , verfehlte ihren Eindruck nicht auf den Alten , dennoch gab er seine vorsichtige Zurückhaltung noch nicht auf . „ Monsieur wollen allein in ’ s Gebirge ? “ „ Gewiß . “ „ Und gerade heute Nacht ? So wissen Sie vielleicht auch , was – Sie dort finden werden . “ ( Fortsetzung folgt . ) Heft 24 „ Allerdings ! “ erklärte Henry , der es für gut fand , seine völlige Unkenntnis der Sache zu verbergen und den Eingeweihten zu spielen , er erreichte auch in der That seinen Zweck . Es war ihm gelungen , in dem Alten den Franzosen aufzustacheln , sich seinen Haß gegen den Feind dienstbar zu machen . Der Hausmeister wußte am besten , was heute Nacht im Gebirge drohte , und der Umstand , daß der Fremde ohne Wissen der Deutschen und allein dorthin wollte , überzeugte ihn , daß er es mit einem Verbündeten zu thun habe . Ein Anderer war verloren bei diesem Gange , also – der Hausmeister ließ seinen Widerstand fahren . „ Es giebt einen solchen Weg , " sagte er , die ohnehin schon leise geführte Unterhaltung noch mehr dämpfend . „ Er führt über die Berge nach L. Die Deutschen kennen ihn nicht , hätten sie ihn aber auch durch Zufall entdeckt , für sie endigt er in der ersten Schlucht zur Rechten . Daß er sich jenseits derselben fortsetzt und durch den Wald mit unserem Park zusammenhängt , können sie unmöglich wissen . Aus- und Eingang sind zu sehr in Felsspalten und Gebüsch verborgen , es ist die Verbindung mit den Unsrigen . ” In Henry ' s Augen blitzte eine wilde Befriedigung auf . „ Gut ! Und wie finde ich den Weg ? “ „ Sie gehen in den Park , die große Hauptallee hinauf — er ist nicht besetzt , die Posten stehen in weiterem Umkreise — zur Linken werden Sie eine Statue der Flora erblichen . An ihr vorüber und in die dicht dabei befindliche Grotte ! Sie schließt sich nicht so eng an die Felswand , als es scheint , es ist ein Ausgang da nach dem Walde hinaus , dort folgen Sie dem engen Pfad durchs Gebüsch , es ist nur einer , Sie können nicht irren , und in zehn Minuten haben