geräuschvoll ihr Sonnenschirmchen zu , als sie sich näherte , und blieb dann mit einer schmollenden Miene stehen . » Verzeihung , Hoheit , wenn ich störe – « Die Herzogin blickte auf und lachte . » Wo kommst du her , Wildfang ? « Und sie streckte ihr die Hand entgegen . » Bist du über die Mauer geflogen , oder – ? « » Mit dem Neuhäuser Wagen gekommen . Mama , Baron Gerold und die anderen sind dort hinten und bitten um den Vorzug , Hoheit begrüßen zu dürfen . « Sie verneigte sich anmutig vor dem Herzog und küßte die Hand der Herzogin . Klaudine , die neben dieser stand , schien Ihre Durchlaucht nicht zu bemerken . Der Herzog schritt der alten Prinzessin entgegen und führte sie seiner Gemahlin zu , Lothar kam bei der Begrüßungsszene neben Klaudine zu stehen , aber vergeblich wartete sie auf ein Wort , sie erhielt nur eine stumme Verbeugung . Man nahm Platz , ein lebhaftes Gespräch entspann sich zwischen den fürstlichen Damen . Prinzeß Thekla bat um Entschuldigung , daß sie sich so unverantwortlich spät nach dem Befinden Ihrer Hoheit erkundigt habe , aber sie habe einen Unfall auf der Neuhäuser Schloßtreppe erlitten und sechs Tage lang Arnikaumschläge auf dem Fuße gehabt , auch wären Prinzeß Helenes Besuche so flüchtig gewesen , sie sei aus der Kinderstube und aus dem Neuhäuser Schlosse gar nicht wegzubringen , sie habe sich sogar von Fräulein Beate eine leinene Schürze geborgt und sei mit ihr in allen Wirtschaftsräumen umhergelaufen , auf dem Boden und in Keller und Speisekammer . » Gestern ertappte ich sie in der Küche beim Himbeereinkochen ! Ja , ja , verstecke nur deine Arbeitsfingerchen ! « Die Herzogin wandte sich lächelnd an Prinzeß Thekla . » Wie befindet sich das Enkelkindchen ? « fragte sie . » Nun , es erholt sich ja « , antwortete die alte Dame widerwillig , » aber noch lange nicht genügend . Die gute Berg hat wohl die Vorschriften des Arztes etwas allzustreng befolgt – niemals Medizin , aber dafür kühle Abwaschungen und frische Luft von früh bis abends . Das Kind ist dafür viel zu zart . « » Mein Töchterchen läuft bereits ein wenig , wenn auch noch schwankend « , fügte der Baron gelassen hinzu , » und da sie die normale Größe einer zweijährigen jungen Dame hat , klettert sie auf Sofas und Stühlen umher . « » Noch lange nicht genug « , wiederholte Prinzeß Thekla . » Ich bin mit diesem wenigen schon sehr zufrieden « , erwiderte er . Klaudine hatte sich inzwischen freundlich zu Komtesse Moorsleben gewandt und fragte sie irgend etwas . Wenige Worte , wobei die lustigen braunen Augen der jungen Dame nach einer ganz anderen Richtung schauten , waren die Erwiderung . Befremdet schwieg Klaudine . Die kleine Prinzessin ihr gegenüber im Schaukelstuhl sah sie schon eine ganze Weile mit herausfordernden Blicken an . Klaudine richtete ihre schönen blauen Augen ruhig und wie fragend auf diese dreisten schwarzen Sterne , da wandte sich der dunkle Lockenkopf und ein verächtlicher Zug flog um den fast zu vollen kleinen Mund . » Die jungen Damen sollten eine Partie Krocket spielen « , schlug die Herzogin vor . » Die Herren dort drüben werden sich gern beteiligen . Meine liebe Klaudine , geleiten Sie die Prinzessin und Komtesse Moorsleben hinüber und geben Sie den Befehl die Reifen aufzustellen . « Klaudine erhob sich . » Verzeihung , Hoheit , – ich danke ! « sagte Prinzeß Helene , » ich bin etwas ermüdet . « Sie legte den Kopf an die Lehne des Schaukelstuhles und wiegte sich langsam . Komtesse Moorsleben setzte sich auf die abschlägige Antwort ihrer Gebieterin sofort wieder hin . Auch Klaudine nahm ruhig Platz . Es wurde Eis gereicht und Tee und Kaffee in kleinen Porzellantassen . Die Herren kamen jetzt vom Spielplatz herüber und gesellten sich zu den Herrschaften . Klaudine sah plötzlich zwei Herren hinter ihrem Stuhl , Herrn von Palmer und den Rittmeister von Rinkleben . Sie wandte sich zu letzterem und war bald mit ihm im Gespräch . Da sie seine jüngere Schwester aus der Pension kannte , fragte sie nach ihrem Ergehen . Er gab einen langen Bericht über ihre Heirat und das Glück , das sie gegen alle Erwartung darin gefunden . Enge Verhältnisse , schmales Auskommen , und doch sei sie heiter und zufrieden . » O ja « , stimmte die junge Dame bei , » es läßt sich mit ein wenig Zufriedenheit das engste kleine Heim ganz köstlich ausschmücken . « » Ein sprechendes Beispiel gibt gnädiges Fräulein selbst ; Eulenhaus ist ein Idyll , ein Traum , wo Sie walten wie eine Fee des Behagens « , fiel Palmer ein . » Das Bewußtsein freilich , daß dies nur eine Episode ist , hilft wohl diesen Zauber vollenden . Es ist leicht , zufrieden zu sein , schaut man in der Ferne einen Tempel des Glückes . « Klaudine sah ihn fragend an . » Etwas dunkel , Herr von Palmer , ich verstehe Sie nicht « , sagte Klaudine . » Wirklich nicht ? Ah , meine Gnädige , bei Ihrer glänzenden Fassungsgabe . Es muß Ihnen doch sehr heimisch hier vorkommen « , fuhr er ablenkend fort , » hoffentlich ist die Zeit nicht mehr fern , wo Sie endgültig den Sitz Ihrer Väter wieder beziehen . Die ewigen Fahrten von und nach dem Eulenhause sind doch lästig , meine ich , und noch dazu in nächster Zeit , wo die Festlichkeiten in Altenstein und Neuhaus sich jagen werden . « » Ich habe heute Unglück , Herr von Palmer , schon wieder will mir der Sinn Ihrer Rede nicht klar werden . « » So betrachten Sie doch die Worte prophetisch , Fräulein von Gerold ! « sagte eine helle Stimme , und der Erbprinz , ein bildschöner Junge von zwölf Jahren mit den großen schwärmerischen Augen