. Der Ärger schadet mir allemal , du weißt ' s. Ich habe nun wieder genug auf vier Wochen . Adieu , Trudchen . « » Adieu , Onkel , ich danke dir . « Er war schon ein paar Schritte gegangen , da sah der alte Egoist sich noch einmal um . Sie lehnte an dem Stamm einer Buche , wie gebrochen , die Blicke zur Erde gesenkt , ein unheimliches Lächeln um den Mund . » Ei du Grundgütiger ! « stammelte er , nahm den 221 Hut von der heißen Stirn und ging mit schwerem Herzen noch einmal zu ihr . » Na , nun den Kopf hoch « , sprach er freundlicher . » Da drüben in Niendorf macht der kleine , schwarze Satan eine Erdbeerbowle , der Amtsrichter will abreisen . Wie wär ' s , Trudchen , wollen wir mittrinken ? Komm , komm , ich bringe dich hinüber ! Siehst du , wir treten hinein in den Saal , ganz leise – ich will nicht der Egoist sein , der ich bin , wenn ihr euch nicht eins – zwei – drei in den Armen habt , du rufst : › Franz ! ‹ er : › Trudchen ! ‹ und alles ist vergessen . – Trudchen , alte kleine Trude , sei vernünftig ! Ist das Leben denn gar so herrlich , daß man sich die paar goldenen Tage der Jugend und der Freude noch mutwillig verkümmern muß ? Komm , komm , folge mir dies eine einzige Mal ! « Er hatte sie an das feine Handgelenk gefaßt ; aber hastig wand sie sich los , eine förmliche Erstarrung lag über ihrem Antlitz . » Nein , nein , das ist vorbei « , sagte sie laut und hart . Mit leisen Schritten wandelte der Sommer über das Land . Gelb bogen sich die Ährenfelder unter dem warmen Winde , und leergepflückt standen die Kirschbäume auf dem Anger und längs der Chausseen . Wolkenlos blaute der Himmel , und in Niendorf wurde das erste Korn eingefahren . Aus der Stadt war man in die Bäder geflüchtet 222 oder in die kühlen Bergtäler . Das Erkerhaus am Markte zeigte von oben bis unten verhangene Fenster . Frau Baumhagen weilte in der Schweiz , Herr und Frau Fredrich in Baden-Baden , Onkel Heinrich war nach Helgoland ausgewandert , weil doch nirgends das Frühstück so gut schmeckt , wie auf der Badedüne der Felseninsel . Nur jene beiden saßen still in ihren Nestern . Ein kleines Stückchen Wald und Feld trennte sie , aber sie konnten sich nicht ferner sein , hätte zwischen ihnen der Ozean gewogt . Es gab kein Hinüber ! In Niendorf ging es laut her , ungeordnet und unregelmäßig . Woher auch sollte Fräulein Adelheid das Getriebe einer Landwirtschaft verstehen ? Sie war den ganzen Tag auf den Füßen , sie machte hundert unnütze Wege und abends klagte sie , daß die zwei zierlichen Dingerchen in den spitzen Hackenschuhen ihr so weh täten , und daß die Mädchen keinen Respekt vor ihr hätten . – Tante Rosa war schlechter Laune , sie sah sich auf ihre alten Tage dazu verurteilt , das Amt einer Ehrendame zu üben . Fräulein Adelheid konnte doch unmöglich mit Linden allein zu Mittag und zu Abend speisen , und sie durfte auch nicht fehlen bei Tische . Also stülpte sich die alte Dame jeden Tag um die zwölfte Stunde ihre Sonntagshaube auf und saß , wie ein Häufchen Unglück , neben Linden auf Trudchens leerem Platz . Es waren verzweifelt traurige Mahlzeiten . Nach und nach verstummte auch Heidchen , eine Antwort 223 bekam sie ja nur in den seltensten Fällen auf ihr Geplauder . So aß man schweigend und trennte sich so rasch wie möglich , nachdem » Gesegnete Mahlzeit ! « gesprochen war . Aber Franz hatte doch wenigstens noch Arbeit , er konnte nicht immer denken und grübeln , das kam abends erst im stillen Zimmer , wenn er auf die festgeschlossene Tür blickte , die in Trudchens Stübchen führte , das kam , wenn unten die Stimme der kleinen , schwarzen Adelheid allerlei schwermütige Lieder sang , von Liebe und Sehnsucht . Und wenn es um Mitternacht ganz still wurde , wenn alles schlief in Haus und Hof und nur noch ein verlorener Hundeblaff vom Dorf herüberschallte , da wanderte er im Zimmer auf und ab , bis die Lampe trübe wurde und erlosch , und selbst dann noch . Er wartete nicht mehr auf ihr Kommen . Tage- , wochenlang hatte er es getan . Anfangs war er in verzehrender Sehnsucht bis an die Mauern ihres Gartens geschritten . Er wollte da sein , wenn sie hinaustrat aus der Pforte , beim ersten Schritt schon wollte er ihr entgegentreten . Es war umsonst , sie kam nicht . Einmal hatte ihn das Gesinde mit seltsam geröteten Augen gesehen . » Der Herr weint nach der Frau « , war scheu die Rede gegangen in der Küche . » Warum holt er sie sich nicht ? « meinte der Kutscher , » ich würde keine Träne vergießen , wüßte schon , wie ich solch hübschen Trotzkopf kriegen tät ! « und er 224 machte eine nicht mißzuverstehende Gebärde . » Grobian ! « erklärte das Hausmädchen wegwerfend , und das ganze weibliche Personal wandte ihm den Rücken . Ach , und es war ein Erntejahr , wie seit langer Zeit nicht , die Scheuern faßten kaum den Gottessegen . Von den Wiesen kam der Duft des Heues herüber und vermischte sich mit den tausend Zentifolien im Garten . Auf dem Hofe blühte die große Linde , und eine Legion kleiner , goldgelber Kücken ließ sich von der Frau Mutter spazierenführen . Droben im Storchnest auf der Scheune wuchsen die Jungen heran . Wie eingesponnen lag das alte , traute Haus im üppigen Grün . Die Waldreben krochen hinauf zu den Fenstern und sahen ins leere Zimmer , und die Schwalben ,