alte Dame , von ihrem Sessel aufspringend und mit ihrer moiré-antique-Schleppe durch das Zimmer rauschend – sie war noch in festlicher Toilette . „ Hörst du , ich verbiete es dir ! “ „ Tante , “ war die bestimmte Antwort , „ wenn Heinz damit einverstanden ist , so kannst du doch wahrhaftig – – “ „ Heinz kann nicht Ja dazu gesagt haben , das glaube ich dir nicht ! “ „ Liebe Tante , dazu kann ich dich nicht zwingen – jedenfalls ist es so , ich lüge nie . “ „ Was soll Ihre Durchlaucht denken , wenn sie erfährt , daß die Schwester höchst ihres Hofmarschalls – Wirtschafterin bei dem Oberförster Günther geworden ist ? “ „ Ich halte Durchlaucht für eine sehr vorurteilsfreie Dame . “ „ Für eine Frau mit enormem Feingefühl , wäre richtiger . “ „ Aber , was geht sie denn meine Existenz an ? Barmherzigkeit ! “ rief das Mädchen verzweifelt . „ Du hättest bleiben sollen , wo du warst , bei deiner Porzellanmalerei . „ Aber ich fühle , daß das unmöglich ist – sie hätte mich tot gemacht , diese liebeleere , trostlose Einsamkeit und ich weiß , für Heinz ist es eine große Beruhigung , mich in der Nähe zu wissen . “ „ Heinz ist ein – – – “ Frau von Gruber verschluckte das Wort – „ wenn er so naiv ist , das in Ordnung zu finden ! Und was wird Toni dazu sagen ? “ „ Was geht mich Toni an ? “ rief Hedwig . „ Ich will nichts von ihr und sie nichts von mir ! Ich werde weder dir noch ihr jemals mit meiner Gegenwart lästig fallen , und wenn ich Heinz einmal sehen will , so hat er ja sein eignes Zimmer . Und wenn ich ihn auch wochenlang nicht sehen kann , ich habe doch wenigstens das Bewußtsein : einer , der dir nahe steht , weilt in deiner Nähe , und wenn du ’ mal ganz verzweifelt bist , dann hat er doch vielleicht ein paar freundliche Worte für dich übrig – ich meine , das kann mir doch wahrhaftig nicht verargt werden ! “ „ Von Stolz und Standesbewußtsein besitzest du keine Spur ! “ rief Frau von Gruber , sie unterbrechend . „ Ach Gott , in meiner Lage – das verlernt man , kam es leise von Hedwigs Lippen , und sie lachte kurz auf , während sich ihre Augen mit Thränen füllten . „ Das ist sehr schlimm ! In allen Lagen soll man sich seiner Abkunft bewußt bleiben . “ „ Das gedenke ich zu thun , Tante . Uebrigens , Ottilie war ja auch in einer Stellung wie die , die ich bei Günther inne haben werde . “ „ Da war eine Frau im Hause ! “ „ Ach so ! “ Hedwig lächelte wieder , es war ein trübes Lächeln , und sie warf einen Blick zu dem Spiegel hinüber auf ihr bleiches , verweintes Gesicht , ihre überschlanke Gestalt . „ Darf ich morgen früh dir noch Adieu sagen , Tante ? “ fragte sie dann , als ob es nicht der Mühe wert sei , auf den Einwurf zu antworten : „ Wenn du darauf bestehst , diesen Plan auszuführen – lieber nicht , “ lautete die kurze Erwiderung . Hede Kerkow war noch in dem einfachen weißen Kaschmirkleide , das sie zu der Festlichkeit getragen , die ihr zur Pein geworden war durch ihre Länge und die höfische Etikette . Sie kannte niemand und niemand hatte von ihr Notiz genommen außer den zwei Tischherren , dem Superintendenten und einem alten Onkel Ribbeneck . Letzterer war völlig taub , und der Superintendent unterhielt sich fast nur mit der Dame zu seiner Rechten . Als Heinz sich mit seiner jungen Frau zurückgezogen hatte , war es ihr gewesen , als sei die Sonne untergegangen . Dann hatte sie gehofft , noch ein trauliches Plauderstündchen bei Tante Gruber zu verleben , mit der sie über ihre Zukunft ausführlich sprechen wollte – da kam der Sturm , die völlige Ungnade . „ Wenn du so heulst , Tante , dann kann ich ja heute abend noch- “ – fügte sie hinzu . „ Genier ’ dich nicht ! “ klang es aus der Kaminecke , hart , verletzend . Hede Kerkow drehte sich auf den Hacken um . „ Adieu , Tante ! “ Sie erhielt keine Antwort . In ihrem Zimmer warf sie voller Hast eine Menge Sachen durcheinander in den Reisekorb und verschloß ihn , dann lief sie durch den Schnee nach der Oberförsterei . Günther war nicht daheim , er ahnte nichts von dem Ereignis , das sich während seiner Abwesenheit in seinem Hause vollzog . Er war in der Dämmerung mit Sr. Hoheit nach Harterode hinaufgefahren . Der Herzog wollte die schneehelle Mondnacht auf dem Anstand verbringen , um einen Fuchs zu schießen , ein Vergnügen , das er sich jedes Jahr einmal zu leisten pflegte , aber bevor noch der Mond kam , waren wieder dichte Schneewolken emporgezogen und hatten , dem Barometer zum Trotz , unseres Herrgotts Nachtlampe umschleiert . So hatte er den Plan aufgeben müssen und sehr schlecht gelaunt die Rückfahrt befohlen Im Schlosse angelangt , trat der Adjutant seinem Herrn mit einer leise gesprochenen Meldung entgegen . Günther stand , seiner Entlassung gewärtig , etwas zur Seite , der Herzog verabschiedete ihn kurz und begab sich eilig , begleitet von dem Adjutanten , quer über den Schloßhof nach dem von der alten Herzogin bewohnten Flügel . Günther hörte noch , wie er fragte . „ Ist May bei ihr ? Am Ausgange des Schlosses begegnete er dem Rentmeister , der aus seiner Dienstwohnung neben der Oberförsterei herausgehastet war . „ Wissen Sie , wie es steht , Herr Oberförster ? “ fragte der Mann ängstlich . „ Ich komme eben von Harterode zurück , weiß gar nichts – ist