Sidon gekauft , die er hätte kaufen können , d.h. wenn er gewußt , daß man Friedrich Barbarossa wirklich dort hätte finden können . Nach seiner Behauptung nun wäre er gefunden ; und so kann denn Bismarck sein Barbarossadrama noch prächtiger und unter direkter Anlehnung in Szene setzen . Meinen Freund Bocklund habe ich in der Akademie getroffen ; er ist Direktor derselben geworden , ebenso Direktor des Museums , das übrigens genug des Interessanten bietet . – Es ist schauderhaftes Regenwetter . Da erscheint Stockholm nicht wie Neapel ; Du weißt , man nennt es das Neapel , wie Kopenhagen das Venedig des Nordens . Der Graf Noer ließ mich Sonntagabend sehr schnell und bequem an den Kieler Landungsplatz fahren , läßt Dich grüßen und Dich einladen , dort zu baden . Es würde Dir zwar sehr gut , der Stille wegen , gefallen , ich habe ihm aber doch geantwortet , er solle erst uns mit seiner Frau einmal besuchen . In seiner Bibliothek steckt ein kleines Vermögen ; er möchte gern , daß ich auf der Rückreise wieder mit herankäme und Virchow mitbrächte . Ich glaube nicht , daß dieser sich dazu bewegen lassen wird , obgleich Virchows Busenfreund , Professor Goldstücker , Sanskritist in London , dort war . Die Seereise habe ich vollständig verschlafen ; ich kam um zehn Uhr an Bord , Ankunft in Malmö morgens zehneinhalb Uhr . In Kiel sah ich beim Soupieren Frau von Saldern mit ihren Kindern und einem fremden Herrn . Die Fahrt von Malmö bis Stockholm dauerte achtzehn Stunden . Gute Gesellschaft im Coupé . Ein belgischer Gesandter , ein Däne , dann Capellini , der Präsident des Kongresses in Bologna vor zwei Jahren , und noch ein anderer Italiener , – alles Kongressisten . Der Name Virchow wirkt hier wie ein Zaubername , selbst bei den Franzosen , die zwar – nachdem sie mich an der Sprache nicht als einen verhaßten Preußen erkannt hatten – in Schreck gerieten , als ich mich als einen solchen deklarierte , nach ihrem Schrecken jedoch mich gleich nach Virchow fragten . Die Hotels hier und in Kopenhagen sind überfüllt , auch alle Kommissionäre in Anspruch genommen , so daß ich wenig während meines bisherigen kurzen Aufenthaltes im Norden sehen konnte . Wie schön kam mir Kopenhagen vor so und so viel Jahren vor ; der Mensch aber ändert sich mit den Zeiten . In der Nähe von Malmö sieht es aus wie bei Lichterfelde , denn viele Wiesen , Massen von Kühen und Pferden weiden auf ihnen ; grau bleibt die Landschaft immer . Das ganze Land ist wie besäet mit erratischen Granitblöcken , je größer , je mehr man sich der Hauptstadt nähert . Die vielen Seen erscheinen blauer wie bei uns , Birken fast die durchgängige Vegetation , lila die Farbe der Wiesenblumen . Die Holzhäuser sind ganz rot angestrichen , die Leute sehr artig und honett , die Verpflegung auf den Eisenbahnhöfen idealisch . Man bezahlt eine verhältnismäßig geringe Summe und ißt und trinkt dann kalt oder warm , soviel man will und kann . Das Büfett ist so variiert wie in den feinsten Gesellschaften ... Sollte das Wetter hier immer so schlecht bleiben , würde ich nicht bis Schluß des Kongresses aushalten , sondern spätestens am 14. abreisen . Geht die Kur gut von statten ? Wie geht es den Kindern ? Wie immer Dein W. G. Stockholm , 6. August 1874 In Schweden blühen die Linden spät und spärlich . Ich schicke Dir ein Specimen , wie es eben hier vorkommt , im Stockholmer Tiergarten gepflückt , von wo ich soeben zurückkomme . Man fährt hier viel auf Dampfschiffen , die , omnibusartig , fortwährend herüber und hinüber fahren , und zwar für einen sehr geringen Preis . Das Wetter ist heute weniger schlecht , obgleich ich den ganzen Spaziergang mit aufgespanntem Regenschirm gemacht habe . Da ich mit Hilfe eines von mir aufgetriebenen Kommissionärs mehr habe sehen können , bin ich heute auch zufriedener gewesen als gestern . Ich war im Schloß , wo sich vorzügliche Gobelins befinden ; eine bessere Dekoration als selbst Bilder , wenn sie von solcher Schönheit sind wie hier . Natürlich alle französisch . Danach die Synagoge gesehen ; maurisch , sehr originell . Alle hier befindliche Statuen , die Gustav Wasas , Gustav Adolfs , Karls XII. usw. ( einige davon von Molin und Byström ) sind gut . Das skandinavische Museum genau betrachtet . Ein Konservator führte verschiedene Kongreßmitglieder , denen ich mich anschloß ; das Waffenmuseum , die Kostüme der schwedischen Könige und Königinnen , das Antikenkabinett , – in allen sehr interessante Sachen . Im » Tiergarten « das Schloß Rosendal gesehen . Sehr alt ist hier nichts , jedoch finden sich immer Einzelheiten , an denen man lernen kann . Die Vergnügungslokale sind teilweise im Alhambrastil ; dasselbe gilt vom Tivoli in Kopenhagen , in dem sich sogar ein sehr schönes chinesisches Theater befindet . Den Vorhang desselben bildet ein chinesischer Pfau , mit ausgebreitetem Schweif . Das Thorwaldsen-Museum , außen bemalt , hat Anklänge ans Altägyptische ; der gemalte Fries aber befindet sich unten , parterre , auf schwarzem Grunde . Drinnen auch viel schwarze Farbe . Drei Indianer fuhren auf dem Schiff von Kopenhagen nach Malmö mit uns ; sie wurden viel angestaunt . Virchow und Kuhn getroffen . Virchow hatte für mich ein Zimmer im Kung Karl bestellt , was ich leider nicht wußte . Tut mir jetzt leid , ihn nicht vorher in Berlin aufgesucht zu haben . Zur feierlichen , auf morgen angesetzten Eröffnung des Kongresses weiße Krawatte gekauft , die ich ohnehin nötig hatte , weil uns die Stadt Stockholm morgen abend ein Bankett gibt . Meine Einladung trägt die Nummer achthundertneunundachtzig . Übersicht über Stockholm heute morgen vom höchsten Punkt aus genossen . Zum Seebaden hier keine Gelegenheit . Die Bäder befinden sich im Mälarsee . Ich hoffe , es geht Euch wohl . Wie immer Dein W.