mir die Laute , welche sie von sich gab , ganz unerklärlich schienen . Zuweilen sah ich sie ; dann pflegte sie mit einem Teller oder einer Schüssel oder einer Schale aus ihrem Zimmer zu kommen , in die Küche hinterzugehen und gewöhnlich – o , verzeihe mir , romantische Leserin , wenn ich die Wahrheit sage – mit einem Topf voll Porter zurückzukommen . Ihre Erscheinung dämpfte stets die Neugierde , welche ihre rednerischen und stimmlichen Seltsamkeiten erregt hatten ; sie war ein starkknochiges Weib mit harten Zügen , welches in keiner Weise Interesse zu wecken vermochte . Ich machte einige Versuche , sie in ein Gespräch zu verwickeln , aber sie schien eine wortkarge Person ; eine einsilbige Antwort machte gewöhnlich all meinen Bemühungen dieser Art ein Ende . Die andern Mitglieder des Haushalts , wie John und seine Frau , Leah das Hausmädchen und Sophie , die französische Bonne , waren sehr anständige Leute , aber in keiner Weise erhoben sie sich über das Gewöhnliche . Mit Sophie pflegte ich französisch zu sprechen und zuweilen richtete ich auch Fragen über ihr Vaterland an sie ; sie besaß aber weder die Gabe erzählen noch beschreiben zu können und gab meistens so verwirrte und nichtssagende Antworten , daß sie meine Fragelust eher dämpften als ermutigten . Oktober , November und Dezember gingen hin . Eines Nachmittags im Januar hatte Mrs. Fairfax um einen Ferientag für Adele gebeten , weil diese sich eine heftige Erkältung zugezogen hatte ; und da Adele diese Bitte mit einer Innigkeit und Eindringlichkeit unterstützte , welche mich daran erinnerten , wie kostbar solch ein gelegentlicher Ferialtag mir selbst in meiner Kindheit gewesen , gewährte ich denselben ; es schien mir geraten , in diesem Punkte Nachgiebigkeit zu zeigen . Obgleich sehr kalt , war es ein schöner , windstiller Tag ; den ganzen Morgen hatte ich ruhig sitzend in der Bibliothek zugebracht , jetzt war ich dessen müde ; Mrs. Fairfax hatte gerade einen Brief beendigt , welcher darauf harrte , zur Post getragen zu werden , und so nahm ich Hut und Mantel und erbot mich freiwillig , denselben auf das Postamt nach Hay zu bringen ; die Entfernung , welche ungefähr zwei Meilen betrug , sollte ein angenehmer Nachmittagsspaziergang für mich sein . Nachdem ich Adele gemütlich in ihrem kleinen Lehnstuhl vor Mrs. Fairfax ' Kaminfeuer installiert und ihr die schönste Wachspuppe , welche ich gewöhnlich in Silberpapier gewickelt in einer Schublade verwahrt hielt , zum Spielen gegeben hatte und dazu noch ein Geschichtenbuch der Abwechselung wegen , machte ich mich auf den Weg , nachdem ich Adelens › Revenez bientôt ma bonne amie , ma chère Mademoiselle Jeanette « [ Fußnote ] noch mit einem herzlichen Kuß beantwortet hatte . Der Boden war hart gefroren , die Luft war still , meine Straße einsam ; ich ging sehr schnell bis ich mich erwärmt hatte , dann ging ich langsam , um das Vergnügen , welches Zeit und Umstände für mich in sich bargen , zu genießen und zu analysieren . Es war drei Uhr ; die Kirchenuhr schlug , als ich an dem Glockenturm vorüber ging ; der Reiz der Stunde lag in der herannahenden Dämmerung in der niedersinkenden und mattstrahlenden Sonne . Ich war eine Meile von Thornfield entfernt , in einem engen Heckenwege , welcher im Sommer seiner wilden Rosen , im Herbst seiner Nüsse und Brombeeren wegen bekannt war und sogar jetzt noch einige korallenfarbige Schätze in Gestalt von Hagebutten und Mehlbeeren aufzuweisen hatte ; seine herrlichste Winterfreude lag jedoch in seiner vollständigen Vereinsamung und laublosen , starren Ruhe . Selbst wenn ein Lüftchen wehte , weckte es hier keinen Laut , denn hier war kein Stechpalmengesträuch , kein Immergrün , welches hätte rauschen können , und die entblätterten Weißdorn- und Haselnußbüsche lagen ebenso still da , wie die weißen , ausgetretenen Steine , mit welchen der Fußpfad in der Mitte gepflastert war . Weit und breit lagen zu jeder Seite nur Felder , auf denen jetzt kein Vieh mehr weidete ; und die kleinen , braunen Vögel , welche sich dann und wann in der Hecke rührten , sahen aus wie einzelne welke Blätter , die vergessen hatten abzufallen . Dieser Weg zog sich hügelaufwärts nach Hay ; als ich die Mitte erreicht hatte , setzte ich mich an einem Zaun nieder , welcher sich von dort quer über ein Feld zog . Ich hüllte mich dicht in meinen Mantel , verbarg die Hände in meinem Muff und fühlte auf diese Weise die Kälte nicht , obgleich es scharf fror ; dies bewies eine dünne Eisschicht , welche den Fußpfad , wo ein kleines jetzt gefrorenes Bächlein noch vor wenigen Tagen nach starkem Thauwetter dahin gerieselt war , bedeckte . Von meinem Platze aus konnte ich auf Thornfield hinunterblicken ; das graue mit Zinnen gekrönte Herrenhaus bildete den hervorragendsten Punkt in dem Thal zu meinen Füßen , die Wälder und das dunkle Krähengeniste erhoben sich gegen Westen . Ich verweilte , bis die Sonne hinter den Bäumen versank und feurig und klar zur Ruhe ging . Dann wandte ich mich ostwärts . Über der Spitze des Hügels oberhalb des Weges stand der aufgehende Mond ; jetzt noch bleich aber mit jedem Augenblick strahlender werdend . Er blickte auf Hay hinab , das halb in Bäumen versteckt , aus seinen wenigen Schornsteinen einen bläulichen Rauch gen Himmel sandte ; es lag noch eine Meile entfernt , aber in der tiefen Stille , welche herrschte , drangen die Töne des schwachen Lebens , welches in dem Orte pulsierte , bis zu mir herauf . Mein Ohr vernahm auch das Rauschen von Strömen ; in welchen Tiefen und Thälern vermochte ich aber nicht zu sagen ; jenseits Hay waren aber viele Hügel , und zweifellos auch viele Bäche , welche von ihren Höhen herabrauschten . In der Ruhe dieses Abends verriet sich sowohl das Nieseln der nächsten Bäche wie das Rauschen der weit entferntesten . Plötzlich unterbrach ein brutales Geräusch dies