Tale lenkte . Renetta Veit paßte nicht hierher . Ihre Grazie versagte , wenn es galt , sie mit Kraft und Mut zu paaren . Und wenn sie im strahlenden Wintermorgen , der grausam aller künstlichen Schönheitsmittel spottet , hilflos mitten im Schnee auf Skiern stand , das Gesicht unter den Goldhaaren blau gefroren , dann konnte sie sogar häßlich sein . Sie fühlte das bald und gab alle weiteren Versuche , es den anderen gleich zu tun , auf ; es hätte sie ja auch nur eins gereizt : sie zu übertreffen . Konrad fuhr allein , befreit , voll starkem Kraftbewußtsein zu den Höhen empor und wieder hinab in die Tiefen . Renetta sah ihm nach , mit verschleiertem Blick und geneigtem Nacken , wieder ganz das lauernde Tier . Drohte er ihr zu entgleiten ? ! Und sie ballte im Bewußtsein ihrer Kraft die weißen Hände . Es kamen Tage , wo Konrad , heimkehrend , sie nicht wie sonst , seiner wartend , im Hotel fand . Statt ihrer begegnete ihm Nana , die Tochter , in der Halle . » Mama ist mit Mr. Morton « - einem schwerreichen Amerikaner - » fortgefahren , « sagte sie das eine Mal mit spöttisch verzogenem Munde . » Graf Pechlarn « - der Typus eines flotten österreichischen Offiziers - » hat sie im Schlitten abgeholt , « erklärte sie , von grausamer Freude strahlend , das andere Mal und fügte halb frech , halb altklug leise hinzu : » Sie sollten doch wissen , Herr Baron , Mama ist aus Prinzip untreu . « Von wütender Eifersucht gequält , gab er seine einsamen Fahrten auf und wich kaum noch von ihrer Seite . Und mit der Freude eines Vogelstellers , der mit girrendem Pfeifen und Trillern und mit grausamen Leimruten seine Opfer ins Netz lockt , peitschte sie seine Leidenschaft mit heimlichen Händedrücken und gewährenden Blicken und reizte ihn durch raffinierte Koketterie mit anderen Männern . Zähneknirschend und doch von der Angst gefoltert , sie an einen der vielen anderen verlieren zu können , unterwarf er sich täglich mehr ihren Launen . Daß etwas in ihr , das Beste , der Rest unverdorbenen Weibtums , sich danach sehnte , ihrer selbst fast unbewußt , unterworfen zu werden , daß ihre Seele , je mehr sein Widerstand schwand , um so verzweifelter am Totenbett ihrer sterbenden Liebe weinte , das sah er nicht . Um das Wissen von ihren Seelen hatten sie nie Zeit gehabt , sich zu kümmern . Abends , wenn er mit ihr allein zu sein hoffte , hatte sie stets einen Hofstaat um sich , und am Tage mehrten sich die Sportsleute , die Skier und Bobsleigh um ihretwillen vergaßen . Einmal gelang es ihm , sie im Schlitten der Schar ihrer Bewunderer zu entführen . » Ich ertrag ' s nicht länger , « sagte er , ihr Handgelenk umklammernd , wie an jenem ersten Abend , » willst du mich wahnsinnig machen ? « » Warum wahnsinnig ? « entgegnete sie mit einem dankbaren , fast demütigen Aufblick . » Sagte ich es dir nicht gleich : ich liebe die Liebe , « und als er sich mit finsterer Miene von ihr wandte , fügte sie , den Kopf an seine Schulter legend , so daß ihre Haare seine Wangen streichelten , leise und schmachtend hinzu : » Bin ich nicht dein - nur dein ? ! Sind die anderen mir mehr als ein Spielzeug ? « Er erzählte ihr , noch immer voll Mißtrauen , von dem kecken Ausspruch ihrer Tochter . Sie lachte hell auf : » Das Mädchen ersetzt durch Verstand , was ihr an Schönheit abgeht ! Sie bestätigt nur , was ich vorhin sagte : Spielzeug zerbricht man oder wirft ' s weg , wenn es langweilt . « » Und - ich ? ! « frug er bebend , mit seinem brennenden Blick die Rätsel ihres Gesichts durchforschend . » Du ? ! « sagte sie verwundert , den Arm zärtlich um seine Schultern schlingend . » Du bist mein Geliebter . « Und sie zog seinen Kopf heran , um ihn zu küssen . » Was hat Liebe mit Treue zu tun ? « fuhr sie dann fort . » Wer liebt , ist treu - ohne weiteres . Treue aber ohne Liebe ist eine hündische Tugend . « An jenem Tage fuhren sie weit und blieben bis tief in die Nacht in einem kleinen Dorfwirtshaus , dessen lustige Wirtin das » junge Paar « mit freundlich-derben Witzen empfing , und sie in der Gaststube , wo der große , grüne Kachelofen glühte , im Glasschrank neben dem Myrtenkranz gemalte Tassen und bunte Gnadenbilder glänzten und das hochaufgetürmte Bett in getäfelter Nische stand , ihre Mützen und Mäntel ablegen ließ . Als die Kunde von den leutseligen Fremden , die ein Fäßchen Tiroler hatten anstechen lassen , sich im Dorf verbreitete , füllte sich das Wirtshaus mit Burschen und Mädchen ; und sie jodelten und tanzten um die Wette und sangen ihre neckenden Liebeslieder im Weggehen zu den Fenstern der Gaststube hinauf , die noch lange glänzend in die Schneenacht sahen . Von da an wurden die Stunden unvergifteten Glücks immer seltener . Die Leidenschaft , die sie jetzt zueinander riß , hatte etwas von der feindseligen Gewalt des Hasses . Als sie nach Berlin zurückkehrten , fegte der Märzwind durch die Straßen , und an den Büschen im Tiergarten streckten schon vorwitzige Frühlingstriebe ihre grünen Fingerchen aus . Müde und abgespannt , mehr einer Gewohnheit als einem Wunsche folgend , ging Konrad noch am Abend seiner Ankunft in das Stammcafé seines Freundeskreises . Als er eintrat und durch Wolken Zigarettenrauchs die bekannten Gesichter auftauchen sah , erschrak er . War er verwöhnt durch den Anblick luftgebräunter , sonnengeröteter Haut , oder waren es wirklich Gespenster , die ihm aus tiefliegenden übernächtigen Augen entgegensahen ? Leonie war die erste , die ihm sichtlich erstaunt eine