glücklich leben kannst und daß wir von deinen dummen , heißen Sachen verschont bleiben . « Gertrud lächelte überlegen . » Ich sage ja nichts , « versetzte sie , » aber ich kann mich doch darüber freuen , daß es da draußen ein Leben gibt , in dem Interessanteres sich ereignet , als daß das Heu gut hereinkommt . « Die Baronin zuckte die Achseln und suchte in ihrem Wollkorbe nach einem passenden Faden . » Draußen , draußen , « murrte sie , » du warst ja draußen und die Fastrade auch , was hat es geholfen ? Ihr kommt ja doch zurück , ihr könnt dort ja doch nicht leben . « » Vielleicht können wir es nicht , « erwiderte Gertrud gereizt , » aber ich kann mich doch darüber freuen , daß es Menschen gibt , die das können . « Unterdessen ritt der Baron Port auf seiner alten Schimmelstute gemächlich zwischen seinen Feldern hin . Der Tag war sehr heiß gewesen ; von der Abendsonne angeleuchtet , schwebte der Staub wie ein rötlicher Dunst über der Landstraße , das Korn war schon in Ähren , die Wiesen in ihrem vollen Blühen hatten einen schönen Kupferglanz . Die Arbeiter kamen von ihrer Arbeit und grüßten den Baron , und er nickte wohlwollend , rief dem einen oder anderen etwas zu : » Heiß gewesen heute , was ? « und als sie schon vorüber waren , behielt sein Gesicht noch eine Weile das leutselige Lächeln . Er liebte es , auf seinen abendlichen Ritten nicht nur seine eigenen Felder , sondern auch die Felder der Nachbargüter zu besichtigen . So schlug er den Weg nach Barnewitz ein . Als er am Hause vorüberkam , sah er die Baronin Dachhausen und Adine in ihren Trauerkleidern auf der Hofestreppe stehen und zum Stall hinüberschauen , in den gerade das Vieh eingetrieben wurde , eine lange Reihe schöner , schwarz und weiß gefleckter Tiere , die langsam vorüberzogen und eine Atmosphäre von Gemächlichkeit und Sattheit um sich her verbreiteten . Der Baron grüßte hinauf , und die Damen winkten . Von Barnewitz machte er einen Umweg über Sirow . Die Felder standen auch dort gut . Durch das Gartengitter sah er die beiden Frauen mit wehenden Trauerschleiern in der kleinen Wandelhalle auf- und abgehen . Das kannte er , das hatte er oft schon gesehen , wenn er vorüberritt , nur fiel es ihm heute auf , daß die Baronin Fräulein von Dussa den Arm gab und langsam zu gehen schien . Um Sonnenuntergang langte er in Paduren an . » Die Herrschaften sind unten im Park « , meldete der Diener . » Ich weiß , ich weiß « , sagte der Baron Port und ging zum kleinen See hinunter . Dort fand er den Baron Warthe in seinem Rollstuhle , die Baronesse Arabella und Fastrade . Sie saßen still beisammen und warteten auf den Einfall der Enten . » Kommen sie schon ? « fragte Baron Port . - » Die kommen schon , « erwiderte Baron Warthe und lachte , » nach dem heißen Tage haben sie es eilig . « » So , so « , meinte Baron Port und setzte sich zu seinem alten Freunde . » Ja , ein Wetterchen , wenn das so fortgeht , so kriegen wir alle Arbeit zugleich auf den Hals « , und er erzählte von den Witzowschen Feldern und von den Barnewitzschen und Sirowschen Feldern , und sie sprachen von den früheren Ernten . Wenn eine Schar Enten herangeflogen kam und sich rauschend in das Schilf niederließ , dann hielten die alten Herren in ihrem Gespräch inne und lachten . » Nichts Neues in der Gegend ? « fragte der Baron Warthe . » Nein , nichts , « erwiderte der Baron Port , » Gott sei Dank ist hier alles wieder ruhig . « » Das ist gut , « meinte der Baron Warthe in belehrendem Stimmtone , » man hat im Leben ja auch seine Unruhe gehabt , man hat seine Tätigkeit und seinen Wirkungskreis gehabt , nun will man Ruhe im windstillen Winkel . « » Da hast du ganz recht , Bruder « , bestätigte Baron Port . Fastrade saß schweigend da und schaute auf den See hinaus . Die behaglich plaudernden Stimmen der Alten drangen zu ihr wie etwas , gegen das sie sich wehrte . Alles wieder ruhig . War diese Ruhe nicht etwas Drohendes und Feindliches ? Sie hatte Angst um ihren Schmerz , der jetzt ihr heiligstes Erlebnis war . Würde er in dem windstillen Winkel stille werden , schläfrig werden , untergehen ? Die Dämmerung nahm zu , Enten kamen nicht mehr , der See wurde still , nur zuweilen rauschte ein Flügel im Schilf , eine Ente schnatterte im Traum oder eine Unke plätscherte leise auf ihrem Wege durch das seichte Wasser am Ufer . Irgendwo im Rasen begann ein Erdkrebs seinen einsamen Liebesgesang . - In der Finsternis still vor sich hinzuweinen tat Fastrade wohl , es tat ihr wohl , in sich hineinzuhorchen auf das Schlagen ihres Herzens und das Fiebern ihres Blutes , sie fühlte sich dann wunderbar eins mit dem verstohlenen Schluchzen , Liebkosen und Seufzen , mit dem ganzen geheimnisvollen Leben , das durch die Junidämmerung atmete . - » Es wird dunkel « , sagte der Baron Warthe , und man machte sich auf den Heimweg . Am Parkgitter ließ der Baron halten . » Sieh , Port , « meinte er , » drüben bei dir haben sie schon Licht gemacht . « » Ja , « erwiderte der Baron Port , » und dort in Sirow auch . Und das dort ganz weit sind die Lichter von Barnewitz . « Die goldenen Lichtpünktchen blinzelten friedlich über die Ebene hin , auf deren Felder , fette Wiesen und stille Wege flüsternd die Sommernacht herabsank . » Aber kühl wird es doch abends « , bemerkte Baron Port . »