einer Laterne im Walde war , etwas suchte , was er nicht finden konnte und wie ein Verdammter fluchte . » Und derweil ich davongelaufen bin durch die Stauden , ist jählings ein Haufen Reiter dagewesen , ich weiß nit , wie ! Und Kienlichter Haben gebronnen . Die Latern im Wald , die ist ausgeloschen , der Bauer muß in der Finsternis versprungen sein . Aber das Vieh haben die Reiter gepfändet , und die junge Bäuerin müssen sie erwuschen haben . Jesus , Jesus , hat das Weib kreistet ! Lang ! Und allweil wieder ! « Heiter sah Malimmes gegen den Taubensee hinaus . » Bruder Mareiner ! Ich fürcht , nach der Fasnacht wirst du taufen müssen ! « Die beiden machten flinke Schritte , um die andern einzuholen . Und da sagte Traudi : » Du ! Der junge Bub da ? Das ist doch - « » Kennst du den Buben ? « Malimmes sah sie mit so strengen Augen an , daß sie weder ja noch nein zu sagen wagte . » Das ist ein Vetter des Bauern . Der Jul . Ist heut in der Nacht gekommen . Aus der Fremd . Wer ' s anders wissen wollt , dem wär ich feind . Ich tät kein Wörtl nimmer reden mit ihm . « » Jesus « , stammelte das Mädel , » auf Ehr und Seligkeit , das ist der Vetter , ich weiß es nit anders . « Als Malimmes den Bauern einholte , sagte er lustig : » Sechs Helm und drei Gäul ! Ein Troßweibl ist auch schon da . Jetzt sind wir schon bald ein Heer . Der Feind wird Angst kriegen vor uns ! « Müd sagte Runotter : » Tu nit scherzen ! Mir ist weh in tiefster Seel . « Der Zug ging weiter mit stummer Hast . Auf dem Hängmoos fanden sie die sieben Ochsen , die zum Runotterhof gehörten . Alles andre Vieh war abgetrieben . Nur die vielen braunen Schmetterlinge waren noch da , die über dem sonnigen Bruchboden gaukelten . Und immer wieder sah man auf den Wasserflächen ein kleines Blitzen - sooft ein Frosch nach einem der Schmetterlinge sprang . Das vierjährige Öchslein kam gelaufen . Runotter kraute ihm die Stirn . » So , Dunnerli ? Bist du noch da ? « Er sah die andern an . » Ein Vieh hat ' s gut ! « Sie standen vor dem Aschenhaufen des Käsers . Ein paar schwarze Balkenstrünke glühten und rauchten noch . Während die Gäule am Brunnen tranken , stiegen Jul und Runotter zu dem Waldstreif hinauf . Als der Bauer wieder herunterkam zum Aschenhaufen , streckte er die beiden Hände . » Schauet , Leut ! « Er hatte auf der einen Hand das kleine , krumme Schnitzmesser des Jakob liegen , auf der andern die schmutzigen Splitter eines hölzernen Vögelchens . Das alles barg er an seiner Brust wie eine Kostbarkeit . Seine Augen glitten langsam über die grünen Gehänge hin . » Leut ! - Da soll ' s nimmer Hängmoos heißen . Das ist die Mordau . « Die andern nickten und sprachen es nach : » Die Mordau ! « Nur der schlanke , junge Bub , der neben dem Bauer stand , blieb stumm . Das blasse , erschöpfte Gesicht mit den müden Augen war gegen den Bruchboden hingewendet , über dessen glänzenden Wassertümpeln die Schmetterlinge tanzten . Nun stiegen die sieben gegen das Lattentor hinauf . Malimmes und Traudi trieben die Ochsen hinter den Gäulen her . Als der mühsam kletternde Zug zur steinigen Grenze kam und die Leute unter Gefahr und Beschwer das Vieh und die Pferde durch die rauhe Felsenscharte führen mußten , wandte sich keines der sieben Gesichter nach dem Berchtesgadnischen Land zurück , das hinter ihnen versank . Vor ihren Augen , die nicht suchten , nur des harten Weges achteten , tat ein neues , fremdes Land sich auf . Vorgelagerte Berge und Waldkuppen verhüllten das Schutzgebiet des heiligen Zeno und das Reichenhaller Tal . Drüben stiegen die drei grünen Stufen in das dunstig gewordene Blau . An ihnen vorüber sah man weit hinaus in ein welliges Land . Seine Ferne war von schweren Wolken überzogen , unter denen die Erde ohne Sonne war , mit schwarzen Wäldern und grauem Feld . Doch alle Nähe glänzte noch im Schimmer des Mittags . Und wo die westlichen Waldgehänge des Untersberges sich niedersenkten gegen die blitzende Saalach , tief da drunten , saß die bayrische Plaienburg auf einem Buchenhügel , winzig wie ein kleiner roter Käfer auf einem grünen Blatt . 8 Die vierzig Reiter , die den andächtigen Bittgang der Ramsauer hindern sollten , kamen zu spät , um den heiligen Zeno vor Zulauf zu behüten . Bei der Haller Grenzverschanzung im Schwarzenbachtal war die Mautschranke hinter dem letzten Karren der Ramsauer schon gefallen . Drei Gadnische Hofleute setzten im Schuß des Rittes über den Grenzbaum hinüber . Dann rasselten die Torbalken herunter . Und während die ausgesperrten siebenunddreißig Reiter ein zorniges Geschrei erhoben , kam es innerhalb des Tores zwischen der Besatzung des Grenzwalles und den drei Abgeschnittenen zu einem Scharmützel , in dem der heilige Zeno Sieger blieb ; aber zwei von seinen Soldknechten mußten ins Gras beißen , was bei dieser mitternächtigen Finsternis kaum zu sehen war . Die siebenunddreißig hatten sich bis zum Berchtesgadnischen Grenzwall zurückgezogen , der ein paar hundert Schritte von der feindlichen Mauer entfernt lag . Sie waren in großer Sorge um die abgeschnittenen Genossen und hielten Kriegsrat . Der junge Hundswieben , der noch den Pulverdampf der Annasusanna in den Nasenlöchern hatte , wollte stürmen und gebärdete sich so berserkerisch , daß ihn seine besonnenen Stiftsbrüder nur mit Mühe von diesem sinnlosen Beginnen abhalten konnten . Jeder Angriff war aussichtslos . Wohl zählte die Besatzung des feindlichen Werkes kaum mehr als ein Dutzend Helme . Doch bei der Enge des Tales konnte dieses Dutzend den Wall so