eigentlich nur der Dom mit den beiden hohen Türmen : das Rathaus war ihm viel zu alt und zu voll von Grünspan ; das könnten sie auch mal abschrubben , meinte er vorwurfsvoll . Der Roland aber war ihm nicht bunt genug und machte ein zu dummes Gesicht : als wenn er nicht bis fünf zählen könne , lachte er . Er verstummte aber , als sie dann am Denkmal des Heidenbekehrers Wilhadi vorbei in den halbdunkeln , riesengroßen Dom traten , mit den leuchtenden Glasmalereien und der reichen Pracht der Wände , die dem nordischen Gotteshaus etwas Südlich-Katholisches gaben ; - denn da gingen sie unhörbar auf weichen Teppichen , und alles war so still und so feierlich , wie es den Morgen gewesen war , als sie hinter Langeoog gelegen hatten und das Läuten der Glocken zu hören gewesen war . » Hier in Bremen hett de lebe Gott dat doch beter as in Finkwarder « , flüsterte er seinem Vater zu , der leise lachen mußte . Sie besahen den Bleikeller unter dem Dom , in dem keine Leichen verwesen , und in dem die Särge reihenweise stehen . Schwedische Gräfinnen , englische Majore , bremische Bürger lagen da gelb und lederartig in offenen Steinsärgen , und die Ecken waren mit Totenschädeln ausgefüllt . Um die fortwirkende Kraft des Gewölbes zu beweisen , hingen auch frische Ratten , Hühner und andres Getier an den Pfeilern . Die trockne Luft des Raumes benahm den Seefischern fast den Atem , weshalb sie sich dort nicht lange im Schnack aufhielten . Als sie wieder vor dem Dom standen , sagte Kap Horn , er könne den bösen Geschmack nicht wieder aus dem Munde los werden . » De mütt dolspeult wardn « , sagte Klaus , » lot uns man eenen genehmigen ! Kumm , de Rotskiller is jo bi de Hand ! « » Rotskeller ? Büst nich klok , Klaus ? Dat is bloß wat for de Groten , for Reeders un Käppens , dor gift bloß Wien , Minsch ! « rief Janmaat , aber Klaus Mewes nahm ihn unter den Arm und bugsierte ihn in den von Hauff und Heine besungenen Bremer Ratskeller hinein . » Een van de Groten bün ik ok « , sagte er stolz , » ik bün Reeder un Käppen , und Wien mag ik ok , un op de scheune Reis kann sowieso een up stohn ! Kumm , Störtebeker ! « Da gingen die drei getrost nach dem Ratskeller hinunter , setzten sich mitten zwischen die Pfeiler und besahen die Hausgelegenheit . » Finkwarder Fischermann kann allerwärts to Anker gohn « , lachte Klaus , » büst ok bang , Störtebeker ? « » Ne , bang bün ik ne , Vadder . « Mißtrauisch kam einer der Kellner näher , denn die Jan vom Moor konnten wohl nur versehentlich die Treppe heruntergefallen sein , die wollten gewiß zu Heini Holtentüffel und bei dem eine kleine Lage trinken : als Klaus Mewes , der es merkte , ihn groß und frei ansah , und mit lauter Stimme zwei Flaschen Rheinweins zu einem Taler den Buddel und ein Glas süßen Weins für den Jungen bestellte , da nickte er höflich und brachte das Verlangte . Es schien allgemein aufzufallen , entweder , daß der Finkenwärder so laut oder daß und er plattdeutsch sprach , denn an allen Tischen drehten sich die bedächtigen , geruhigen Bremer nach ihnen um , aber Klaus Mewes ließ sich dadurch in keiner Weise stören . Er rief den Kellner , und sie ließen sich durch alle Räume führen : sie sahen die Rose an der Decke , die ein italienischer Maler gemalt hatte , weil er seine Zeche nicht bezahlen konnte , sie sahen Fässer , die so groß waren , wie ein kleines Haus , sie kamen durch den Apostelkeller , in dem zwölf nach den Jüngern benannte Fässer lagen , von denen der Judas sauer war , sie hörten von Wein , von dem jeder Tropfen dreitausend Mark kostete . Endlich hievten sie den Draggen und stiegen wieder ans Tageslicht . Die Bremer Stadtmusikanten , die Störtebeker noch durchaus sehen wollte , waren nicht auszumachen , so gingen sie durch die Langenstraße an dem schnörkelgesegneten Essighaus vorüber nach dem Ewer zurück . Nicht so gut lief die Fahrt ab , die Hein Mück abends unternahm , um sich etwas vorsingen zu lassen : er konnte das Bremer Bier so wenig vertragen , daß er allerhand Havareien machte und schließlich von einem Schutzmann an Bord gebracht werden mußte . Als er da noch weisen Wind hatte und sich nicht geben wollte , goß Klaus Mewes ihm einfach eine Pütze Weserwassers über den Kopf , um den großen Brand zu löschen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Keine Luft von keiner Seite ... Dwars von Spiekeroog , aber ohne Sicht von Land , steht der Ewer totenstiller auf dem spiegelglatten Meer . Drei Tage haben sie schon keinen Wind mehr gehabt ; zwei Tage hat die Dünung geknarrt und gelärmt , nun am dritten Tag ist das Meer glatt geworden , wie es osterselten vorkommt . Drei Tage schon ruht die Fischerei , hängt die Kurre am Mast , ist das Ruder mittschiffs festgestroppt . Die Sonne brennt steil auf das Deck nieder , das so heiß ist , daß sie Schollen darauf braten könnten , und daß das Pech in den Nähten weich ist . Von den Wanten leckt der Teer . Plackentodstill ist es , wie Störtebeker , der munterste an Bord , immer wieder versichert . Ein Brett , das er ins Wasser geworfen hat , um die Strömung zu erkunden , bleibt stundenlang neben dem Ewer liegen . Das große Schiff ist tot , und tot ist die See . Nicht einmal eine Möwe läßt sich sehen .