nein ! nicht etwa wegschicken ! « rief sie hinaus . Daß man Einhart zurückrief , den man schon abgewiesen , und daß er im nächsten Augenblick auch schon in der Tür erschien . Frau Rehorst hatte sich in ihrem Lehnsessel zurückgeworfen , und ehe er in ihr Zimmer eintrat , die Arme ausgereckt und den Kopf krampfhaft nach hinten geworfen , nur um noch einmal sich zu fühlen und sich zu erraffen . Einhart war es ziemlich unangenehm . Er kam in großem Zwiespalt . Er sah in dem Augenblick , als er eintrat , durchaus wie jemand aus , der sich nach allen möglichen Gefahren umsieht , die ihn hier umdrohten , und dem die tiefe Ruhe rings wie Unheil verkündete . Er wagte auch garnicht laut zu reden . Er versuchte » Guten Abend « zu sagen . Aber das Wort war ganz in der Kehle sitzen geblieben , daß es nur wie ein heiseres Geräusch klang . Frau Rehorst saß ewig und hatte sich nur jetzt die Augen mit den Händen bedeckt , ohne zu erwidern . Und Einhart stand noch immer im Türrahmen . Aber er schloß dann leise die Tür hinter sich . Es war eine dumpfe Stille , in die eine kleine , feine Uhr leise ein Schnarren trug und dann ein scharfes , verhallendes Pinken . Frau Rehorst mußte einfach hinauslachen . Einhart kam sich unglaublich dumm vor . Er fühlte , daß sich etwas in seinem Blute zusammenkrampfte , was mit diesem Raum , mit dieser Stille , mit dieser Frau in ihn hineinwuchs . Er sah so demütig aus , daß er an sich halten mußte , um nicht Frau Rehorst vor die Füße zu knieen , und ihr Ungeheuerliches an Worten und Preisungen einfach leidenschaftlich jetzt erregt zuzuflüstern . Es war eine solche heiße Luft um ihn , wie in einem Brande . Er sah diese sanfte , hoheitsvolle , brütende Schwermut aus den tiefen Frageaugen sich zu ihm stehlen , und begriff nicht , daß er noch stand und stand , wie gebunden und in unsagbarer Erniedrigung . Er hatte alles vergessen , was sonst und gestern und ehegestern gewesen . Das Lachen von Frau Rehorst hatte ihn geschlagen , wie eine Peitsche . Das Lachen schien ihm ein Weinen zu sein . » Nicht doch , « sagte er zu ihr mit fast stechenden Augen und ging wie ein Schlafwandler näher . » Nein , nein , nein , nein ! bleiben Sie , Einhart ! bleiben Sie , Einhart ! « Fast in Angst geschrieen von Frau Rehorst , fast in furchtbarer Angstwallung . Einhart war innerlich durch diese Abwehr und den Schrei so matt , er fühlte sich so zusammenbrechend , daß er an sich halten mußte , um nicht einfach zusammenzusinken . Aber Frau Rehorst war in ihrer Haltung geblieben . Sie saß im Lehnstuhl und hielt die Hände wieder vor die Augen . Da überkam es Einhart wie ein Wahnsinn . Daß er nicht mehr an sich hielt . Und Schwäche und Leidenschaft in gleichem Sinne rissen ihn nieder zu Frau Rehorsts Füßen , Schwäche und Leidenschaft griffen bittend nach ihren schönen , weißen Händen . Schwäche barg sich mit seinen schwarzen Haarsträhnen in ihrem Schoß , und machte ihre Hände in seinen Haaren wühlen . Und Einhart zog ihre Arme nieder und ihren Mund an seine Lippen und redete nicht und versank in ewiges stummes Leuchten und Blicken von Auge zu Auge . Zwei Augenpaare voll scheuen , seligen Feuers in sanftschwarzen Lichtern glommen , unausgesungenen Glanzes . Die Stunde war stumm . Ihr Sinn war unendlich . Die Lippen brannten aufeinander und sprachen die stumme Sprache unerhörter Wonnen , die auch Einhart jetzt zum ersten Male eintrank , längst begreifend , längst lächelnd , und nach keinem Sinne begehrend . Es war ruhig geblieben . Es war der Feiertagsfriede im Hause . Als die Kinder mit Grottfuß heimkamen und über Einhart herfielen , wegen gestern , tat er wie ein Einfältiger und gab lächelnd Erklärungen , ohne zurückzudenken . Er sah nur Frau Rehorst manchmal sorglich an . Und Frau Rehorst war seltsam fern und fremd mit den Ihrigen , als man sich zum Abendbrot zusammenfand . Wie wenn sie erhaben aufgerichtet wäre in strenger Bleiche , tonlos und wortlos , und im Raume für sich , und immer erst sich besinnen müßte , daß Herr Rehorst , ihr Mann , und die Kinder und Grottfuß um sie wären . Einhart saß in seinem Festrocke . Er fand sich zu einem blitzenden Blicke manchmal nur zufällig . Grottfuß hatte sich mit den Kindern und Margit im Schnee draußen in der Heide vergnügt . Die Kinder beschrieben mit eiliger Aufregung ihrer Atemgänge das große Schneeballen , das sie draußen getrieben . So verging der Abend , indem Margit heimlich verliebte Blicke auf Grottfuß warf und die Stelle am Busen fühlte , wo seine Hand lange bei der Fahrt gelegen , und Einhart und alle , auch Herr Rehorst sahen manchmal heimlich auf Frau Rehorst , die wie eine Königin dasaß , bleich und von der Gewißheit gezeichnet . 15 Frau Rehorst lebte nun ein völlig verwandeltes Leben . Sie empfand sich und war erfüllt und konnte die Stunden nicht erwarten , die Einhart kam , oder die nicht , die sie in die enge Dachwohnung eintreten und in Betrachtung von Kunst und Leben versunken in Einharts liebender Hingabe verleben würde . Sie liebte Einhart bis zum Wahnsinn . Die Welt um sie war ihr zu einer gänzlich anderen geworden . Alles , was sie bisher umgeben hatte mit Liebe , begann schnell alle Kraft zu verlieren , derart , daß sie viele Male wie ratlos nach den einstigen Schätzen suchte , die sich in dürre Blätter verwandelt , die sie allein noch in der Hand hielt . Ihre Familie konnte gar nicht mehr an ihr Herz . Sie war sehr verschlossen und förmlich . Herr Rehorst , der ihre seltsamen Schwankungen von