verdrängt durch erbitterten Kampf . Den Nachmittag um vier Uhr war der große Saal im Sternbräu dicht besetzt . In langen Reihen waren Tische und Bänke aufgestellt ; kein Platz war leer . Für die Honoratioren Nußbachs waren vor der Rednerbühne einige Tische reserviert ; hier saßen der Bürgermeister Huber und der alte Rentamtmann Zinkel . Neben ihnen der Amtsrichter Kroiß , welcher als eifriger Anhänger der ultramontanen Partei bekannt war . Er unterhielt sich lebhaft mit dem Abgeordneten , Dekan Metz , welcher heute nicht fehlen durfte . Man sah außer ihm noch manchen Herrn im geistlichen Habit ; meist behäbige Männer , deren Gesichtszüge mehr Gutmütigkeit als Fanatismus verrieten . Von den jüngeren hatte allerdings mancher die tiefliegenden Augen und blassen Wangen eines eifrigen Streiters . Der Pfarrer von Erlbach war nicht anwesend , und das wunderte viele . Neben Beamte und Geistliche hatten sich angesehene Bürger von Nußbach gesetzt , welche damit ihre Zugehörigkeit zum guten Publikum zeigen wollten . Weiter nach rückwärts drängten sich Mann an Mann die Bauern aus der Umgegend . Die Dorfschaften hielten sich zusammen ; die Giebinger , die Erlbacher , die Weblinger , die Leute von Schachach , Fahrenzhausen , Zillhofen , Aufhausen und Grubhof , die Prittlbacher , Arnbacher , Inzemooser und Vierkirchner . Und wie die Gemeinden sonst heißen mochten . Ein Kundiger bemerkte , daß auch die politische Meinung bei der Wahl der Plätze sich geltend gemacht hatte . Die schärfsten Feinde der bestehenden Ordnung hielten gute Nachbarschaft und saßen näher an der Tribüne . In den vordersten Reihen die Grubhofer und Arnbacher , mit dem Wanninger und Scheiblhuber in ihrer Mitte . Gleich hinter ihnen sah man das verwitterte Gesicht des alten Rädlmayer von Schachach und nebendran den breitschultrigen Stuhlberger und den Gottesleugner Meisinger von Giebing . Die argen Feinde des Dekans Metz , welcher den Einwurf seiner Fenster und andere üble Dinge nur diesen beiden zuschrieb . Unweit von ihnen saß der Hirner von Aufhausen . Er mußte durch fünf Dörfer wandern , ehedenn er nach Nußbach kam , und in jedem Dorfe gab er dem Wirte die Ehre und jedem Bescheid , der ihm zutrank . Deswegen glänzten seine Augen , und seine Stimme gellte durch den Saal , wenn er einen Bekannten grüßte . Von den Erlbachern war der Haberlschneider anwesend , auch der Zwerger , der Weßbrunner und der alte Florian Weiß . In den hinteren Bänken saßen die Leute , welche aus Neugierde gekommen waren , und keine Partei nehmen wollten . Auch wieder andere , die zu spät gekommen waren . Die meisten junge Burschen ; Kopf an Kopf standen sie in dichtem Gedränge , und immer polterten noch andere die hölzerne Stiege herauf und drückten sich mit groben Ellenbogen in den Saal . An zwei Wänden entlang lief eine hölzerne Galerie ; sie war so überfüllt , daß der Sternbräu ängstlich wurde und einen Teil der Leute herunterweisen ließ . Die vorne saßen und die Köpfe auf das Geländer stützten , hatten die besten Plätze . Darunter war einer , der seine schlauen Augen in alle Ecken schickte . Der Geitner von Erlbach . Im Saale war großes Lärmen . Die Leute unterhielten sich lebhaft miteinander ; einer schrie dem andern ein lustiges Wort zu , über drei Bänke hinüber , von unten zur Galerie hinauf und wieder herunter ; viele redeten zu gleicher Zeit , und keiner redete still . Aber durch alles Poltern und Lärmen und Schreien hindurch klang eine Stimme , so hell und scharf und in so hohen Tönen wie eine Trompete . Das war die Stimme des Hirner von Aufhausen . Auf der Rednerbühne saßen der überwachende Assessor Hartwig und die Einberufer , Schüchel , Wimmer und Prantl . Neben ihnen ein Bauer in grauer Lodenjoppe . Gesicht und Gestalt ließen sogleich erraten , daß er nicht aus dem Flachlande war . So hoch und gerade wachsen die Leute nicht , die hinter dem Pfluge hergehen . Er war aus den Chiemgauer Bergen , ein Ruhpoldinger , mit Namen Vachenauer . Seit einigen Jahren schon bekannt als rühriger Vertreter der Bauernsache , und wie man ihm nachrühmte , ein guter Redner . Viele betrachteten ihn mit großer Aufmerksamkeit , und der Rädlmayer sagte zu seinem Nachbarn : » Dös is der sell , über den die Geischtlichkeit so scharf eing ' ruckt is . Aber nachgeben tuat er gar it . Er versteht ' s glei besser , als wia ' r a Studierter . « Und der Hirner schrie über alle Köpfe weg : » Vachenauer , soll ' st scho glei leb ' n aa ! « Da schaute der Ruhpoldinger in den Saal hinein und lachte vergnügt . Der Assessor hatte schon mehrmals auf die Uhr gesehen , als sich nun endlich der Leiter der Versammlung , der Schuhmachermeister Prantl , erhob und mit einer Handschelle läutete . Der Lärm ging in ein Gemurmel über und verstummte allmählich . Man hörte noch , wie draußen auf dem Gange der Bierzapfen in ein Faß geschlagen wurde , und dann war es stille . Prantl räusperte sich und nahm ein Blatt Papier zur Hand . Er war kein geübter Redner , überdies ließen sich auch seine schön geformten Sätze nicht gut auswendig lernen . Und so las er sie ab : » Liebe Standesgenossen , Bauern und Bürger in Stadt und Land ! Allgemein herrscht das Bemühen , durch Vereinigung der gesammelten Kräfte aus dem Mittelstande der Allgemeinheit zu zeigen , daß sich der Zeiten Lauf geändert hat und nicht mehr mit Schweigen geduldet wird . Deshalb haben sich einige Männer aus dem Gewerbestande entschlossen , diese Versammlung einzuberufen , auf daß wir nach des Übels Quelle forschen können , welches den allgemeinen Wohlstand bedroht und gerade diejenigen Kreise in seinen Bereich zieht , welche bisher als die Säulen des Thrones in Betracht kamen . Daß Bauern und Gewerbe auf das regste zusammengehören , wird gewiß einer mit Menschenverstand nicht leugnen wollen . Geht