auf die Matratze , die als Sofa diente . Zarek saß am Kopfende neben ihr und der Fritz zu ihren Füßen . Später kam noch die Dalwendt mit einer Flasche Wein unter dem Mantel ; sie war zuerst in Ellens Wohnung gewesen und hatte sie dort nicht gefunden . » Sagen Sie , Fräulein , was ist mit dem Kind ? « sagte Zarek , während er die Gläser füllte . » Geht sie herum wie Geist , lacht nicht mehr und fällt um jeden Augenblick . « Der Fritz streichelte ihre Füße und beugte sich etwas vor : » Ja , du bist ganz verändert - wir haben schon oft davon gesprochen die letzte Zeit . Du mußt krank sein , Ellen , und ich glaube , es wird dir auch arg schwer fortzugehen ? « Zarek hatte sich wieder auf seinen Platz gesetzt : » Darfst du ihr nicht mehr streicheln , Fritzl , ist sie bald verheiratete Frau mit Baby auf dem Arm und Kochlöffel in der Hand . - Fräulein , sagen Sie ihr , ist Blödsinn heiraten für solche Ellen . - Kommt sie nie wieder und vergißt uns alle . « Ellen begegnete dem Blick ihrer Freundin - sie war die einzige , die von ihrem Verhältnis zu Henryk wußte , und die wohl jetzt auch den ganzen Zusammenhang ahnte . Sie hatte ein seltenes Vermögen , mitzuwissen und mitzufühlen , auch das , was man ihr nicht mit Worten sagte , weil Worte zu wehe taten . » Ich glaube doch , daß Ellen wiederkommt « , meinte sie in ihrer langsamsten Weise , » und warum soll sie nicht heiraten , wenn ihr Mann sie weitermalen läßt . « Zarek hob feierlich sein Glas : » Prost , Fräulein , stoßen wieder an auf Kunst . - Braucht man nicht treu sein Männern , wenn man nur treu bleibt in Kunst . Seid ihr tapfre Weiber und gute Kameraden . - Mach nicht so traurige Augen , Ellen - sehen wir uns alle wieder . « Nein , sie war nicht traurig , - ihr war nur , als ob nichts wieder ein Gefühl in ihr zu lösen vermöchte . - Da saßen sie , die Freunde , die Kameraden , mit denen sie das Leben so froh geteilt hatte , und sie begriff es selber kaum , daß sie es über sich gewann , ihnen nicht ihr ganzes Elend ins Gesicht zu schreien . Aber was bedeutete es jetzt noch , daß sie auch die alle verlieren sollte - mochten die Räder über sie hingehen und alles zermalmen , daß nichts mehr übrig blieb . Ihr Schmerz war keiner , den man ausrasen oder ausweinen konnte , mit eiserner Wucht lag es auf ihr , drängte sich mit tausend glühenden Fangarmen in ihre Seele hinein und preßte sie zu einem fühllosen Etwas zusammen . - Das einzige , was noch in ihr lebte , war der Gedanke an das Kind - ihr Kind und Henryks - das mußte geborgen werden - dafür geschah ja das alles . Ihr war wie einem Menschen , der sein Haus brennen sieht und hineinstürzt , um ein Kleinod zu retten , an das er bis dahin kaum gedacht hat . Aber jetzt in diesem Augenblick weiß er nichts mehr , als daß dies Eine geborgen werden muß , - alles übrige mögen die Flammen verschlingen , mag einstürzen , ihn selbst mitbegraben , darauf kommt es nicht mehr an . - Ellen wollte jetzt so rasch wie möglich fort von München , - aber jeden Tag , der ihr noch blieb , trank sie in sich ein wie einen Becher mit schwerem Wein - die letzte Wollust und die letzte unergründliche Qual ihrer Liebe - das dunkle Weh ihrer Mutterschaft von diesem Mann , den sie liebte . Das wenigstens durfte sie mit sich nehmen , wenn sie alles andere hinter sich zurückließ . Am letzten Tage war Henryk bei ihr - Ellen ging im Zimmer herum und ordnete ihre Sachen - er folgte ihr mit den Augen , bis sie kam und sich neben ihn setzte . Nun ging eine plötzliche Erschütterung durch ihn und er umschlang sie fast gewaltsam . » Wirst du mich auch nicht hassen , wenn du fort bist ? « » Nein , nein « , sagte Ellen und lächelte mit einem starren Blick , der weit in die Ferne ging . Henryk legte den Kopf an ihre Schulter und weinte . - Die ganze Unseligkeit ihres Opfers kam über sie , sie fürchtete jetzt , noch ihre Kraft zu verlieren . » Ellen - Kind - ich glaube , du tust das Ganze nur für mich , und ich wollte , du solltest es für dich selber tun . « Sie hatte nicht gewollt , daß er das fühlen sollte , es war , als ob sie ihn dadurch beschämen , zu ihrem Schuldner machen würde - das war unerträglich , wo man so liebte . » Ellen , du wirst mich doch einmal hassen . « » Nein « , sagte sie noch einmal , » du hast mir zu viel gegeben , Henryk - das vergesse ich nie . Von dir hab ' ich erst die Seele bekommen , vorher hatte ich keine . - Das andere ist Unglück , Schicksal - dagegen kann man nichts machen . Du hast mir doch oft gesagt , daß es auf das Leben nicht ankommt , ich meine darauf , wie man äußerlich lebt - wenn man nur die Kunst hat und darin - das hätte ich ohne dich vielleicht nie so gefunden . Das bleibt mir ja - ich werde niemals loslassen . « » Und das Kind ? « » Nein , Henryk , ich habe nur Dank für dich - glaub ' es mir . « » Ja , wenn wir hätten beisammen bleiben können . - Denn das will ich dir jetzt noch einmal sagen