sehen ist . Nun sei so gut und beantworte dir deine Frage selbst ! « Halef hatte vollständig recht . Wir beide ritten zur Seite , stiegen da , wo die Spur noch nicht ausgetreten war , von den Pferden und folgten ihr , um die Eindrücke zu betrachten , so weit , bis ich genug gesehen zu haben glaubte . Der Scheik war uns langsam gefolgt . Als ich mich jetzt wieder umwandte , fragte er : » Nun , was habt ihr gesehen ? Der Scheik der Haddedihn wird uns jetzt zeigen , wie gut er lesen kann ! « Das klang beinahe ironisch . Halef war sofort mit der richtigen Antwort da : » Wir haben nichts , gar nichts gefunden , o Scheik der Dinarun . Darum bitten wir dich , dein Pferd zu verlassen , um zu versuchen , ob du diese Schriftzeile besser lesen kannst als wir ! « » Was liegt daran , zu wissen wer hier war ? « entgegnete Nafar ausweichend . » Sehr viel liegt daran ! Wir befinden uns auf einem Kriegszuge . Es darf uns nicht gleichgültig sein , wer in derselben Gegend mit uns ist . Es kann uns Verrat und Gefahr von jeder Seite drohen . Ich hoffe , daß dir dies nicht unbegreiflich ist ! « Er gab seiner Stimme einen strengen Klang . Da stieg der Dinari53 vom Pferde und betrachtete die Fährte . Hierauf schüttelte er den Kopf und sagte : » Man sieht , daß zwei Reiter hier vorübergekommen sind , weiter nichts . « » Wirklich weiter nichts ? « » Nein . « Wahrscheinlich bemerkte Halef das Lächeln , welches ich um meine Lippen fühlte . Er hatte mehr gesehen als Nafar und nahm wohl an , daß die Schrift für mich trotzdem noch verständlicher gewesen sei , als für ihn selbst . Darum fuhr er fort : » Du sprichst von zwei Reitern , von weiter nichts . Was ritten sie für Tiere ? « » Pferde natürlich ! « » Was für Pferde waren es ? « » Wer kann das wissen ? Niemand ! « » So ! Dieser Niemand bin ich . Das eine Pferd war ein junger Hengst , das andere aber eine Stute , welche wenigstens schon fünf- oder sechsmal geboren hat . « Da machte der Dinari die Augen weit auf und fragte : » Woran siehst du das ? « » Das ist auch eines unserer Geheimnisse , welche nicht verraten werden . Es würde dir auch nichts nützen , wenn ich es dir sagte , denn es gehört viel Erfahrung und eine lange Uebung dazu , die Zahl der Geburten , also das ungefähre Alter einer Stute aus ihren Spuren zu erkennen . Wäre der Sand nicht so fein , so würde selbst ich vergeblich forschen . Glaubst du nun , daß der Scheik der Haddedihn eine Fährte lesen kann ? Und da steht Kara Ben Nemsi , der mein Lehrer in dieser Kunst gewesen ist . Ich sehe es ihm an , daß diese Spur ihm noch mehr gesagt hat als mir . Sprich , Sihdi , was hast du gesehen ? « » Die Stute ist allerreinsten Blutes « , antwortete ich . » Ja ; das weiß ich auch . « » Sie ist einmal infolge eines Fehltrittes lange Zeit fußkrank und unbrauchbar gewesen . « » Maschallah ! « rief da der Scheik der Dinarun . » Weißt du , an welchem Fuße ? « » Links vorn . Es war eine Flechsendehnung , welche nur langsam und durch die größte Ruhe zu heilen ist . « » Bist du allwissend ? « » Nein . Ich habe meine Augen geübt . Das ist es , weiter nichts . Du scheinst verwundert zu sein . Kennst du ein solches Pferd ? « » Ja . Es ist eine braune Stute . Ihre Haut bekommt in der Sonne dunklen Kupferglanz ; sie hat die drei berühmten Haarwirbel der Pferde des Propheten ; sie trinkt das Wasser mit der Zunge , wie ein Hund ; ihr Ohr ist schärfer als das Auge des Geiers , und wenn sie dich anschaut , glaubst du , dem sanften Blicke einer Huri zu begegnen . « Der Beduine wird stets poetisch , wenn er von einem edlen Pferde spricht . So auch hier . » Wem gehört dieses Pferd ? « erkundigte ich mich . » Diese wunderbar schnelle Stute heißt Sahm54 und gehört - - dem - - - Ustad 55. « Er zögerte so eigentümlich , dieses letzte Wort auszusprechen . Das hatte jedenfalls einen besonderen Grund , der nicht allein in ihm vorhanden war , denn als er diesen Namen aussprach , drängten sich die bei uns haltenden Dinarun sofort noch näher zu uns heran . » Wer ist das , der Ustad ? « fragte ich . » Ein Dschamiki , « antwortete er so kurz , daß ich annahm , er gebe nicht gerne Auskunft über diesen Mann . » Vielleicht der Scheik einer Unterabteilung der Dschamikun ? « » Nein . « » Also ein gewöhnlicher , wenn auch reicher Mann ? « » Auch nicht ! « » Weder Scheik noch einfacher Nomade ? Was aber denn ? « » Warum willst du das so durchaus wissen ? « sprach er ungeduldig . » Dieser Mann geht mich und auch dich nichts an ! « » Dich vielleicht nicht , aber mich ! Ich habe keinen Grund , mich vor irgend einem Menschen oder gar nur vor dem Namen eines Menschen zu scheuen . Wir verfolgen die Dschamikun ; zwei von ihnen sind hier an dieser Stelle gewesen . Das eine der Pferde ist die Stute des Ustad . Ich muß also unbedingt wissen , wer dieser Ustad ist und was es mit ihm für eine Bewandtnis hat . « » Ich spreche nicht von ihm ! « erklärte er in einem Tone , als