behaglichen Lyriker « nannte . Dazu dröhnten von unten her die Dampframmen . - Der Bärenführer ist der glücklichste aller Menschen . Zwar hat er kein Portemonnaie , aber er hat Weisheit . Zwar liebt er die Weiber nicht , aber er liebt seinen lieben Gott , der ihm täglich von 10-12 Uhr zwanzig Quartseiten Phantasien schenkt . Hat er die niedergelegt , und hat ihm sein Kochbär ein tüchtiges Mittagessen mit Grobheiten gewürzt , so wandert er los wie ein tanzender Derwisch , und die Welt ist ihm eine Crêmestange mit Cognacfüllung . Er macht sich selbst zum Narren und lacht doch Alle aus , denn seine Narrheit ist ihm sein Spiel . Er will nichts ; das ist sein Geheimnis und seine Heiterkeit . Stilpe dachte das nicht ohne Neid . Der » Bärenführer « war der » Erste der Eigentlichen « , ein wunderlicher Mensch , der mitten in Berlin mit dem Gleichmut eines orientalischen Weisen lebte und , arm wie ein persischer Bettelmönch , sich mit einer köstlichen Grazie des Geistes aushalten ließ . Sein Reich war nicht von dieser Welt , aber wer sein Reich kannte , diese weiten kosmischen Räume voll unerhörter Phantasien und diese bunten Fabelstädte mit den intimsten Winkeln genießender Ruhe nach rasenden Räuschen , der wußte , daß seine Welt beträchtlich schöner war , als unsere . Ein Fakir mit Humor . In der Heimat seines Geistes , in Indien , wäre er wohl auch ohne Alkohol weise und heiter gewesen ; in Berlin aber mußte er sehr viel trinken . Doch selbst im Alkohol blieb er harmonisch . Es schien , als ob er wirklich die Fakirkunst besäße , sich durch seelische Kräfte gegen alles Giftige immun zu machen . Besonders darum beneidete ihn Stilpe , der zuweilen selber merkte , wie der Alkohol an ihm zehrte , und wie er immer abhängiger von ihm wurde . Der zweite der Eigentlichen war der » Peripathetiker « . Auch er repräsentierte Weisheit in einem ganz unmodernen Sinne . Stilpe behauptete , er sei die Reincarnation des alten Diogenes , und diese Meinung traf das Wesen des Peripathetikers im Ganzen wohl . Nur kam ein gut Teil weicher Verträumtheit hinzu . Er übertraf den Bärenführer noch an sozialer Untergrundslosigkeit , denn er besaß keinen weiblichen Bären , der ihm kochte . Es kam vor , daß er im Tiergarten übernachtete . Sonst wohnte er bei Freunden herum . Dabei war er von sehr edlem Anstande und fühlte die Würde seines Geistes . Traf es sich , daß er in » bürgerlicher Gesellschaft « war , so trug er sofort , doch ohne Pose , ganz aus einem inneren Überlegenheitsgefühl , den Propheten zur Schau , der die Gewöhnlichen milde zum Handkuß zuläßt . Er hätte einen guten , feinen Mönch abgegeben , wenn er nicht etwas Vagantenhaftes gehabt hätte . Sein ganzes Leben war ein unausgesetztes Denken und Dichten . Wo auch immer er war : Er schrieb , und stets trug er Manuskripte mit sich herum , reich genug , fünf Nummern der Times zu füllen . Nur konnten sie nicht abgedruckt werden , da sie niemand außer ihm lesen konnte . In schwierigen Fällen war er selber nicht dazu imstande . Stilpe besaß ein Manuskript von ihm , einen Conceptbogen in Quart , der außer den ersten Scenen zu einem Drama zwei Kapitel aus verschiedenen Romanen , sechs Gedichte in Prosa , drei in Versen und außerdem etwa fünf Dutzend Aphorismen und verschiedene Essay-Brouillons enthielt , alles durcheinander geschrieben , erst wagerecht , dann in senkrechten , dann in diagonalen Zeilen dazu . Und man durfte mit Recht und ohne Übertreibung sagen , daß ein geordneter , ökonomisch disponierender Litterat von diesem einen Bogen gut ein Jahr seine geistigen Ausgabebedürfnisse hätte bestreiten können . Leidenschaften kannte der Peripathetiker nicht , doch liebte er kleine Mädchen , so bis zum 10. Jahre etwa , sehr . Für die Seele des Kindes war er geradezu hellseherisch begabt , und man konnte Kleinodien an Kinderscenen von ihm vernehmen . Er konnte übrigens ohne Alkohol auskommen . Nicht so der dritte der Eigentlichen : Kasimir , der Fugenorgler . Es war ein gar wilder Pole voll von Dämonie und allen Künsten der Blague . Er hatte als Dichter nur ein Thema , Stilpe nannte es die medizinisch-katholische Abgrundweis , aber dieses beherrschte er mit der Meisterschaft bornierter Genies . Sein Dichten war eine Art verzückter Drehkrankheit , und man wußte nicht , ob er sich drehte , um zu dichten , oder ob er dichtete , um sich zu drehen . Doch konnte sich keiner der Macht dieser grandios wirren Eintönigkeit entziehen . Es war schöpferische Besessenheit , die indessen manchmal mehr Beängstigung als künstlerischen Genuß hervorrief . Er wäre als Gesellschafter unmöglich gewesen , wenn er nicht gleichzeitig ein unübertrefflicher Blagueur , geradezu ein Meister der Blague gewesen wäre . Stilpen , der selber in dieser Kunst viel vermochte , konnte er dadurch manchmal rasend machen . Nur der Bärenführer und der Peripathetiker ließen sich nie beirren , der Bärenführer , weil er überhaupt aus Allem nur inwendige Heiterkeit schöpfte , und der Peripathetiker , weil sein Geist doch immer noch schneller lief , als die Blague des Polen . Dagegen ließ sich der vierte der Eigentlichen , den sie den Zungenschnalzer nannten , nicht selten verführen , Kasimirn auf das polnische Glatteis mystischer Schnoddrigkeiten zu folgen . Er liebte das Mystische gar nicht , er war ganz auf das Ästhetische und Erotische gerichtet . Stilpe nannte ihn Doktor der Erotologie . Er bestritt der Menschheit das Recht , in erotischen Dingen irgend etwas pervers zu nennen und machte aus dem , was er nun nicht pervers , sondern kultiviert nannte , ein eifriges praktisches Studium . Er wäre gerne ein Don Juan der Perversität gewesen , indessen entgleiste seine Don Juanschaft schon auf dem gewöhnlichen Gebiete der Erotik recht häufig . Aber er nahm Alles für genossen und schnalzte mit der Zunge