sich wirklich mit der Regie begnügt , und so streng er gegen alle anderen war , sowenig hatte er auf den Proben in Effis Spiel hineingeredet . Entweder waren ihm von seiten Gieshüblers Mitteilungen über das mit Effi gehabte Gespräch gemacht worden , oder er hatte es auch aus sich selber bemerkt , daß Effi beflissen war , sich von ihm zurückzuziehen . Und er war klug und Frauenkenner genug , um den natürlichen Entwicklungsgang , den er nach seinen Erfahrungen nur zu gut kannte , nicht zu stören . Am Theaterabend in der Ressource trennte man sich spät , und Mitternacht war vorüber , als Innstetten und Effi wieder zu Hause bei sich eintrafen . Johanna war noch auf , um behülflich zu sein , und Innstetten , der auf seine junge Frau nicht wenig eitel war , erzählte Johanna , wie reizend die gnädige Frau ausgesehen und wie gut sie gespielt habe . Schade , daß er nicht vorher daran gedacht , Christel und sie selber und auch die alte Unke , die Kruse , hätten von der Musikgalerie her sehr gut zusehen können ; es seien viele dagewesen . Dann ging Johanna , und Effi , die müde war , legte sich nieder . Innstetten aber , der noch plaudern wollte , schob einen Stuhl heran und setzte sich an das Bett seiner Frau , diese freundlich ansehend und ihre Hand in der seinen haltend . » Ja , Effi , das war ein hübscher Abend . Ich habe mich amüsiert über das hübsche Stück . Und denke dir , der Dichter ist ein Kammergerichtsrat , eigentlich kaum zu glauben . Und noch dazu aus Königsberg . Aber worüber ich mich am meisten gefreut , das war doch meine entzückende kleine Frau , die allen die Köpfe verdreht hat . « » Ach , Geert , sprich nicht so . Ich bin schon gerade eitel genug . « » Eitel genug , das wird wohl richtig sein . Aber doch lange nicht so eitel wie die anderen . Und das ist zu deinen sieben Schönheiten ... « » Sieben Schönheiten haben alle . « » ... Ich habe mich auch bloß versprochen ; du kannst die Zahl gut mit sich selbst multiplizieren . « » Wie galant du bist , Geert . Wenn ich dich nicht kennte , könnt ich mich fürchten . Oder lauert wirklich was dahinter ? « » Hast du ein schlechtes Gewissen ? Selber hinter der Tür gestanden ? « » Ach , Geert , ich ängstige mich wirklich . « Und sie richtete sich im Bett in die Höh und sah ihn starr an . » Soll ich noch nach Johanna klingeln , daß sie uns Tee bringt ? Du hast es so gern vor dem Schlafengehen . « Er küßte ihr die Hand . » Nein , Effi . Nach Mitternacht kann auch der Kaiser keine Tasse Tee mehr verlangen , und du weißt , ich mag die Leute nicht mehr in Anspruch nehmen als nötig . Nein , ich will nichts als dich ansehen und mich freuen , daß ich dich habe . So manchmal empfindet man ' s doch stärker , welchen Schatz man hat . Du könntest ja auch so sein wie die arme Frau Crampas : das ist eine schreckliche Frau , gegen keinen freundlich , und dich hätte sie vom Erdboden vertilgen mögen . « » Ach , ich bitte dich , Geert , das bildest du dir wieder ein . Die arme Frau ! Mir ist nichts aufgefallen . « » Weil du für derlei keine Augen hast . Aber es war so , wie ich dir sage , und der arme Crampas war wie befangen dadurch und mied dich immer und sah dich kaum an . Was doch ganz unnatürlich ist ; denn erstens ist er überhaupt ein Damenmann , und nun gar Damen wie du , das ist seine besondere Passion . Und ich wette auch , daß es keiner besser weiß als meine kleine Frau selber . Wenn ich daran denke , wie , Pardon , das Geschnatter hin und her ging , wenn er morgens in die Veranda kam oder wenn wir am Strande ritten oder auf der Mole spazierengingen . Es ist , wie ich dir sage , er traute sich heute nicht , er fürchtete sich vor seiner Frau . Und ich kann es ihm nicht verdenken . Die Majorin ist so etwas wie unsere Frau Kruse , und wenn ich zwischen beiden wählen müßte , ich wüßte nicht wen . « » Ich wüßt es schon ; es ist doch ein Unterschied zwischen den beiden . Die arme Majorin ist unglücklich , die Kruse ist unheimlich . « » Und da bist du doch mehr für das Unglückliche ? « » Ganz entschieden . « » Nun höre , das ist Geschmacksache . Man merkt , daß du noch nicht unglücklich warst . Übrigens hat Crampas ein Talent , die arme Frau zu eskamotieren . Er erfindet immer etwas , sie zu Hause zu lassen . « » Aber heute war sie doch da . « » Ja , heute . Da ging es nicht anders . Aber ich habe mit ihm eine Partie zu Oberförster Ring verabredet , er , Gieshübler und der Pastor , auf den dritten Feiertag , und da hättest du sehen sollen , mit welcher Geschicklichkeit er bewies , daß sie , die Frau , zu Hause bleiben müsse . « » Sind es denn nur Herren ? « » O bewahre . Da würd ich mich auch bedanken . Du bist mit dabei und noch zwei , drei andere Damen , die von den Gütern ungerechnet . « » Aber dann ist es doch auch häßlich von ihm , ich meine von Crampas , und so was bestraft sich immer . « » Ja , mal kommt es . Aber ich glaube , unser Freund hält zu denen , die sich über