mich in einer großen Erregung , und im Augenblicke , wo ich dir den Grund dieser Erregung mitteile , findest du ' s angemessen , allerlei sonderbare Scherze zu machen . Du mußt doch fühlen , daß das einer Lächerlichmachung meiner Person und meiner Gefühle ziemlich gleichkommt , und wenn ich deine ganze Haltung recht verstehe , so bist du weitab davon , in dieser sogenannten Verlobung einen Skandal zu sehen . Und darüber möchte ich Gewißheit haben , eh wir weitersprechen . Ist es ein Skandal oder nicht ? « » Nein . « » Und du wirst Leopold nicht darüber zur Rede stellen ? « » Nein . « » Und bist nicht empört über diese Person ? « » Nicht im geringsten . « » Über diese Person , die deiner und meiner Freundlichkeit sich absolut unwert macht und nun ihre Bettlade - denn um viel was anderes wird es sich nicht handeln - in das Treibelsche Haus tragen will . « Treibel lachte . » Sieh , Jenny , diese Redewendung ist dir gelungen , und wenn ich mir mit meiner Phantasie , die mein Unglück ist , die hübsche Corinna vorstelle , wie sie , sozusagen zwischen die Längsbretter eingeschirrt , ihre Bettlade hierher ins Treibelsche Haus trägt , so könnte ich eine Viertelstunde lang lachen . Aber ich will doch lieber nicht lachen und dir , da du so sehr fürs Ernste bist , nun auch ein ernsthaftes Wort sagen . Alles , was du da so hinschmetterst , ist erstens unsinnig und zweitens empörend . Und was es außerdem noch alles ist , blind , vergeßlich , überheblich , davon will ich gar nicht reden ... « Jenny war ganz blaß geworden und zitterte , weil sie wohl wußte , worauf das » blind und vergeßlich « abzielte . Treibel aber , der ein guter und auch ganz kluger Kerl war und sich aufrichtig gegen all den Hochmut aufrichtete , fuhr jetzt fort : » Du sprichst da von Undank und Skandal und Blamage , und fehlt eigentlich bloß noch das Wort Unehre , dann hast du den Gipfel der Herrlichkeit erklommen . Undank . Willst du der klugen , immer heitren , immer unterhaltlichen Person , die wenigstens sieben Felgentreus in die Tasche steckt - nächststehender Anverwandten ganz zu geschweigen - , willst du der die Datteln und Apfelsinen nachrechnen , die sie von unserer Majolikaschüssel , mit einer Venus und einem Cupido darauf , beiläufig eine lächerliche Pinselei , mit ihrer zierlichen Hand heruntergenommen hat ? Und waren wir nicht bei dem guten alten Professor unsererseits auch zu Gast , bei Wilibald , der doch sonst dein Herzblatt ist , und haben wir uns seinen Brauneberger , der ebenso gut war wie meiner , oder doch nicht viel schlechter , nicht schmecken lassen ? Und warst du nicht ganz ausgelassen und hast du nicht an dem Klimperkasten , der da in der Putzstube steht , deine alten Lieder runtergesungen ? Nein , Jenny , komme mir nicht mit solchen Geschichten . Da kann ich auch mal ärgerlich werden ... « Jenny nahm seine Hand und wollte ihn hindern weiterzusprechen . » Nein , Jenny , noch nicht , noch bin ich nicht fertig . Ich bin nun mal im Zuge . Skandal sagst du und Blamage . Nun , ich sage dir , nimm dich in acht , daß aus der bloß eingebildeten Blamage nicht eine wirkliche wird und daß - ich sage das , weil du solche Bilder liebst - der Pfeil nicht auf den Schützen zurückfliegt . Du bist auf dem besten Wege , mich und dich in eine unsterbliche Lächerlichkeit hineinzubugsieren . Wer sind wir denn ? Wir sind weder die Montmorencys noch die Lusignans - von denen , nebenher bemerkt , die schöne Melusine herstammen soll , was dich vielleicht interessiert - , wir sind auch nicht die Bismarcks oder die Arnims oder sonst was Märkisches von Adel , wir sind die Treibels , Blutlaugensalz und Eisenvitriol , und du bist eine geborne Bürstenbinder aus der Adlerstraße . Bürstenbinder ist ganz gut , aber der erste Bürstenbinder kann unmöglich höher gestanden haben als der erste Schmidt . Und so bitt ich dich denn , Jenny , keine Übertreibungen . Und wenn es sein kann , laß den ganzen Kriegsplan fallen und nimm Corinna mit soviel Fassung hin , wie du Helene hingenommen hast . Es ist ja nicht nötig , daß sich Schwiegermutter und Schwiegertochter furchtbar lieben , sie heiraten sich ja nicht ; es kommt auf die an , die den Mut haben , sich dieser ernsten und schwierigen Aufgabe allerpersönlichst unterziehen zu wollen ... « Jenny war während dieser zweiten Hälfte von Treibels Philippika merkwürdig ruhig geworden , was in einer guten Kenntnis des Charakters ihres Mannes seinen Grund hatte . Sie wußte , daß er in einem überhohen Grade das Bedürfnis und die Gewohnheit des Sichaussprechens hatte und daß sich mit ihm erst wieder reden ließ , wenn gewisse Gefühle von seiner Seele heruntergeredet waren . Es war ihr schließlich ganz recht , daß dieser Akt innerlicher Selbstbefreiung so rasch und so gründlich begonnen hatte ; was jetzt gesagt worden war , brauchte morgen nicht mehr gesagt zu werden , war abgetan und gestattete den Ausblick auf friedlichere Verhandlungen . Treibel war sehr der Mann der Betrachtung aller Dinge von zwei Seiten her , und so war Jenny denn völlig überzeugt davon , daß er über Nacht dahin gelangen würde , die ganze Leopoldsche Verlobung auch mal von der Kehrseite her anzusehen . Sie nahm deshalb seine Hand und sagte : » Treibel , laß uns das Gespräch morgen früh fortsetzen . Ich glaube , daß du , bei ruhigerem Blute , die Berechtigung meiner Anschauungen nicht verkennen wirst . Jedenfalls rechne nicht darauf , mich anderen Sinnes zu machen . Ich wollte dir , als dem Manne , der zu handeln hat , selbstverständlich auch in dieser Angelegenheit nicht vorgreifen ; lehnst du