Riesenschraube des Wirbels Vater und Sohn umklammert und riß sie hinunter und warf sie mit wildem Toben wieder empor , keuchend , schaumbedeckt ... Ein letztes , ein grausiges Ringen . - - Erschöpft , überwunden , erbarmungslos an die Riffe geschleudert , suchte Hermann noch sein Kind mit seinem Leibe zu decken . An beiden Ufern drängten Leute zur Unglücksstätte heran ; diesseits alle , die Hermann nachgeeilt waren , jenseits seine Diener , Kutscher , Lakaien , zufällig vorüberkommende Arbeiter . Nicht einer unter ihnen , der nicht helfen möchte , der es nicht versucht mit leidenschaftlichem Eifer . Nur Maria , Hermanns Namen auf ihren Lippen , ihm nachstrebend mit rasender Sehnsucht in die Todesgefahr , blieb regungslos . Ihre ganze Seele war in ihren unnatürlich weit geöffneten Augen , in dem Blick , mit dem sie ihm nachstarrte ... Auf einmal war ihr , als sei es Nacht geworden - ihre Pulse stockten , sie wankte und lag in zwei fest um sie geschlungenen Armen . - Carla Wonsheim hielt sie aufrecht , Betty lag schluchzend zu ihren Füßen und umklammerte ihre Knie . - Jemand betete laut - aus der Feme drang verworrenes Geräusch von Stimmen . Dorthin - aus halber Bewußtlosigkeit erwachend - eilte Maria . Menschen , immer mehr Menschen liefen zusammen . Einige trugen eine schwere Last und legten sie hin - - o wie sanft und vorsichtig ... Nun ist ' s , als ginge eine freudige Bewegung durch die Menge : » Der Doktor ! « schreit ein atemlos daherrennender Diener , » der Heger bringt ihn , er war bei dessen krankem Kinde . « Beim Nahen Marias tritt lautlose Stille ein . Alle Leute treten stumm vor ihr zurück ... Ein einziger , halb entkleidet , triefend , kommt an sie heran , windet sich winselnd und stöhnend . Er faßt den Saum ihres Kleides : » Treten Sie auf mich ! Ich hab ' s getan , ich hab ihn gerufen , ich Verdammter , dumm wie ein Tier ... Zertreten Sie den hohlen Schädel , zertreten Sie mich ! « heulte er und grub sein Gesicht in das Gras zu ihren Füßen . Maria wich ihm aus . Sie hatte die Leblosen erblickt , die klaffende Wunde auf Hermanns Stirn , das fahle Angesicht ihres Knaben . Da bäumte sie sich zurück , hob die gerungenen Hände gen Himmel und sank nieder mit einem entsetzlichen Wehelaut : » Tot ? ... Beide tot ? « Niemand gab Antwort , und sie raffte sich zusammen , und über Hermann gebeugt , bedeckte sie seine Brust mit ihren Küssen und rief : » Er lebt , Doktor - sein Herz schlägt , ich hab es gefühlt ... « Der Arzt , der , wenn auch völlig hoffnungslos , noch nicht aufgehört hatte , Wiederbelebungsversuche an dem Kinde vorzunehmen , antwortete mit einer verneinenden Gebärde . Sie aber drückte ihren Mund auf den des Entseelten und hauchte ihm ihren Atem ein , bis er versagte , ohne die leiseste Regung des seinen zu wecken . Und nun begriff sie , daß sie ihn verloren hatte . Wieder stürzte sie sich über ihn ... aber plötzlich , gestemmt auf seine Schulter , hob sie den Kopf empor und schoß einen Blick voll bebender Scheu nach ihrem Sohne ... » Der auch ? « stöhnte sie mit einer Stimme , in der alles zusammengepreßt schien , was die Menschenseele an Schmerz zu fassen vermag : » Mein Kind auch ! « Dem Wahnsinn nahe , betete sie , bettelte um ein Wunder . Als sie heimkehrten , die vor wenigen Stunden froh und glücklich das Haus verlassen hatten , funkelten ihnen Hundert-tausende farbige Lämpchen entgegen . In einem Meer von Licht prangend , empfing Schloß Dornach seinen toten Herrn . 19 Maria hielt allein die erste Nachtwache bei ihren Toten . Man hatte die Hand des Kindes aus der seines Vaters nicht zu lösen vermocht , und so ruhten sie nebeneinander auf einem Lager und sollten auch in einem Sarge ruhen . Ihre bleichen Gesichter trugen keine Spur des letzten schweren Kampfes . Maria hielt die beiden umfangen . Sie lag an sie geschmiegt , bleich und stumm wie sie , aber ohne ihren Frieden . Einen Trost nur hatte sie in ihrer Vernichtung und empfand ihn , während sie ihr Haupt an das stille Herz drückte , an dessen lebensfreudigem Schlag all ihr Glück gehangen . Wohl ihr , daß ihm das Bitterste erspart , daß sein Glaube an sie unerschüttert geblieben war bis ans Ende . Dank der geheimnisvollen Kraft , die das Wort , das ihn elend gemacht hätte , sooft sie es aussprechen wollte , zurückgedrängt in ihre Brust . Nun war er eingegangen zur ewigen Ruhe , unerschüttert in seiner seligen Zuversicht . Im anstoßenden Zimmer befand sich Lisette und unterdrückte ihr Schluchzen , um von der Herrin nicht gehört und fortgewiesen zu werden . Einmal wagte sie sich leise bis zur Tür heran und spähte durch das Schlüsselloch . Maria saß neben dem Bette , unbeweglich in den Anblick der Ihren versunken , mit einem Ausdruck von so herzzerreißender Trauer , daß Lisette zurückfuhr . - Nein , das ertrug sie nicht , das konnte sie nicht sehen ... Am Morgen endlich pochte sie und trat , als nach einer Weile keine Antwort kam , ungeheißen bei ihrer Gebieterin ein , rief sie an und sagte : » Es ist Tag ! « Maria schreckte auf : » Schon Tag ? « » Ja , mein armes Kind ; und du mußt fort . Die Herren sind da ... Du weißt - und der Graf Wilhelm . « Der hatte mit Helmi an der Tür gestanden . Seine Augen waren rot und geschwollen , seine Lippen zuckten . Er konnte nicht sprechen und lehnte sich hilflos an seine Frau . Der Doktor und Willi kamen , und hinter ihnen trat schüchtern Erich ein , der