mindeste Hoffnung empfing , mich je die Seine zu nennen . Wenn dies auch nur im entferntesten der Fall wäre , kannst Du sicher sein , mein Achim , daß ich lieber auf alles Glück verzichtet hätte , ehe ich ihn durch einen Wortbruch gekränkt haben würde . « Diese Worte vermehrten Joachims Verwirrung . Gewaltsam faßte er sich und sagte : » Ich war von anderen Gedanken bestürzt . Später will ich sie Dir vielleicht gestehen . Aber wird Dir niemand Deine Wahl verargen ? Fanny Förster und der junge , unbedeutende , arme Schlucker , der Dir nichts bringt als seinen schönen alten Namen ! Und auch auf diesen legst Du kaum Wert , denn ich weiß , Du schätzest den Adel gering ; man bot ihn Dir schon an und Du schlugst ihn ab . « » Ah , « dachte Fanny , wieder in neuen Irrtum fallend , » das war ' s , seine Armut fiel ihm ein und daß vielleicht gar Krämerseelen denken könnten ... « Deshalb ging sie liebevoll auf seine Schlußbemerkung ein , die er nur gemacht , um irgend eine Ablenkung zu finden . » Du irrst , mein Herz , « sagte sie ; » ich schätze einen schönen alten Namen sehr . Allein den modernen Adel finde ich abgeschmackt . Wenn sich heute jemand auszeichnet durch wissenschaftliche oder künstlerische Thaten oder durch Leistungen auf staatlichem , wirtschaftlichem oder humanem Gebiet , dann adelt ihn diese Leistung mehr und hebt ihn stolzer aus der Masse des Volkes hervor , wie jedes von oder jede Baronisirung könnte . Die Aristokratie der Thaten ist in der Geschichte der Kulturvölker immer die allererste . Aber ich verachte deshalb den alten Geburtsadel nicht ; im Gegenteil finde ich es sehr schön , wenn einem von Geburt her schon das Bewußtsein überkommt : Mein Geschlecht war seit Jahrhunderten gut erzogen , gut ernährt . « » Die reine Darwinistin ! « warf Joachim scherzend dazwischen . » Aber dasselbe Bewußtsein kann sich in vornehmen Bürgerfamilien entwickeln , zumal wenn einzelne Glieder derselben sich in der vorhin erwähnten Weise auszeichneten . In der Försterschen Familie war es seit Generationen heimisch ; ich bin eine von Grävenitz , weißt Du , allein ich habe immer das Gefühl gehabt , daß Fanny Förster ein Name sei , der ebenso - ja , ehrlich gesagt - imponirender klänge als Fanny von Grävenitz . « » Du hast ihm den höchsten Glanz gegeben , « sagte Joachim , ihre Hand drückend . » Siehst Du , Dein Arnold denkt wie ich . Er begnügt sich nicht mit dem ererbten Namen Herebrecht , er will diesem neuen Glanz hinzufügen , « sprach Fanny weiter . » Nur ich als Krautjunker von Profession , « scherzte Joachim , » muß so ruhig im Dunkeln weiter wurzeln . « » O , « rief Fanny erglühend , » Du sollst sehen , was wir noch alles zusammen Segensreiches wirken werden . Graf Taiß ist in unserem ganzen Bezirk der angesehenste , mächtigste und thätigste , auch erfolgreichste Landwirt und Patron ; er pflegte bisher zu scherzen , daß ich allein seine Rivalin sei . Du und ich zusammen müssen dasselbe , müssen mehr leisten als er . Sie sollen alle einmal begreifen , daß ich meinen zweiten Lebensgefährten klug wählte . Ja , auch das thörichte Herz kann klug wählen . « Und dabei sah sie ihn stolz und voll Liebe an . » Mag kommen , was will , « dachte Joachim mit dem blinden Mute jemandes , der sich in ein brennendes Haus gestürzt hat , » so vieler Liebe gegenüber bleibe ein Felsen hart ! « Das letzte Gespräch hatte ihnen beiden wenigstens die äußere Ruhe zurückgegeben , als sie in den Hof der Taißburg einfuhren , sahen sie scheinbar mit ihren gewöhnlichen heiteren Gesichtern in die Welt . Elftes Kapitel Die Taißburg war ein massiver alter Bau , der mit seinen beiden niedrigen , runden Türmen , die den breiten Mittelbau flankirten , gewaltig aus dem flachen Lande aufstieg . Er war in einer Zeit gebaut , da die brutale Kraft herrschte , moderne Nachkommen des alten Geschlechtes hatten ihm mit großem Aufwand seinen barbarischen Charakter erhalten . Doch blinkten jetzt aus der riesigen Mittelfront , anstatt der einstigen Schießscharten und Luftklappen , zahlreiche Fenster aus romanischer Bogenwölbung . Von den zackigen Zinnen der beiden Zwingertürme wehten Fahnen ; eine in den Landesfarben , die anderen mit dem Taißwappen . Das Portal , an dem eine Anfahrt vorbeiführte , befand sich im Mittelbau . Man mußte um einen Weiher herumfahren , der sich vor dem Schloß ausbreitete . Jetzt deckte ihn eine dünne Eisschicht und die Gruppe der Trauerweiden , die an seiner einen Seite stand , senkte ihre kahlen Zweige so tief herab , daß einige davon im Eise mit fest gefroren waren . Rechts und links schränkten den Blick hohe Tannen ein , die wie eine Mauer standen und ihre breiten , schneebeladenen Zweige bis zum Boden niederlegten . Ein düsteres , majestätisches Bild in den Farben des Winters und des Todes . Schon als Fannys Schlitten den Halbkreis um den Weiher machte , erschienen im Portal Gestalten . Ein Durcheinander von Stimmen empfing sie , ein Dutzend Hände streckten sich Fanny entgegen . Joachim fühlte sich jäh aus der Zweiseligkeit herausgerissen - nun stand er wieder daneben , als untergeordnete , jüngere und keinerlei ungewöhnliche Aufmerksamkeit erfordernde Persönlichkeit . Der Gedanke durchfuhr ihn , wenn Fanny ihn jetzt als ihren künftigen Gatten nannte - der herzliche , aber immerhin flüchtige Händedruck des Grafen würde sich schnell in die größte Beachtung verwandeln . Ein heimlicher Stolz schwellte sein Herz . Fanny liebte ihn - hatte in Demut - in der natürlichen Demut des liebenden Weibes vor dem Geliebten - zu ihm aufgesehen . Er durfte sich allen überlegen fühlen . Lanzenau war mit einer an ihm ganz seltenen Beweglichkeit um Fanny bemüht - er war glücklich ,