werde , und obgleich ihm sonst die Demokratie von weitem lieber als von nahem sei , möchte er doch gern ein bißchen sehen , wie sie sich im Familienleben ausnehme , wenn es unbemerkt geschehen könne . Da sei er gerade vor die rechte Schmiede gekommen , sagte die rüstige Person , sie sei die Demokratie , er solle sich nur an sie halten , sie wolle ihm alles zeigen . Als er aber näher trat und ihr das Busentuch neugierig ganz sachte etwas lüften wollte , zog sie die Kelle und schlag ihn damit so derb auf den Hut , daß er tönte wie eine Trommel . Von solchen Späßen begleitet , setzten sie einen gegenseitigen Unterricht in Gang , wobei aber der Liberalismus , so ziemlich wie es im Leben geschieht , ohne es zu merken , einen Satz der Demokratie nach dem andern zu dem seinigen machte und gegen sie selbst verteidigte , während sie mit neuen Sätzen wieder weit voraus war und auf seinem Hute trommelte . Als sie endlich sahen , daß sie auf diese Art nicht so bald zusammenkämen , schlossen sie einen vorläufigen Frieden , um die Hochzeit lustig mitzumachen und sich vielleicht zu heiraten , wenn es sein müßte . Worauf die Musik plötzlich einfiel und einen Hopser spielte , die Demokratie und der Liberalismus aber sich zu packen kriegten und einen drolligen Tanz aufführten . Dabei riß die wilde Person den guten Herrn so gewaltig herum , daß seine Frackschöße flogen , die Füße stolperten und die Vatermörder die Spitzen nach hinten kehrten . Kurz , die beiden darstellenden Gesellen unterließen keine der bei solchem Anlaß üblichen Hanswurstpossen . Zuletzt zogen sie ab , indem das Weib auf dem Hute des Mannes mit der Kelle den Zapfenstreich schlug und dazu die bekannte Weise pfiff . Das fröhliche Gelächter inner- und außerhalb des Baumgartens verwandelte sich in ein jubelndes Beifallrufen . Nur ein Häuflein altliberaler Wähler Isidor Weidelichs , die ihm zu Gefallen eingeladen und gekommen waren , machte verdrossene Gesichter , und sie murrten untereinander , wenn sie das gewußt hätten , so wären sie nicht gekommen . Es waren biedere Leute , die durch alle Ungunst der Zeit ihrer Gesinnung treu geblieben und die im Grunde richtigen Anspielungen auf den Wankelmut oder die Nachgiebigkeit , welche das , was sie fürchtet , selbst herbeiführen hilft , nicht einmal verstanden . Auch Martin Salander war betroffen von der Gestalt , welche seine Anregung bekommen hatte , und fühlte sich als Gastgeber verletzt . Er benutzte daher die eingetretene Stille , die von ihm zu leistende Rede jetzt zu halten und mit einer genugtuenden Wendung den Schaden auszugleichen , die reinere Idee , welche er in der Sache ursprünglich gesehen , wiederherzustellen . Es gelang ihm auch leidlich , und das gleiche Völklein , welches dem übermütigen Traktieren des Liberalismus zugejubelt , klatschte ihm Beifall , als er sein Hoch unter anderm auch den ehrenwerten anwesenden Vertretern der alten freisinnigen Partei darbrachte , als den Zeugen des wahren Wortes , daß man in Freude und Leid zusammengehen und jener schöneren Zukunft entgegenleben müsse , welche nur eine Partei noch kennen werde , diejenige der geeinigten und befriedigten Patrioten ! Das sogenannte Öffnen der Schleusen war nun geschehen . Während zwei voller Stunden wurde fast unaufhörlich und von allen Enden her toastiert . Zum größeren Behagen oder Troste der Festgenossen hatte aber ein neues Essen begonnen mit anderen Gerichten und feineren Weinen . Die zwei Brautpaare sollten mit anbrechender Dunkelheit das Fest verlassen und die durchgehenden Bahnzüge benutzen , um nach Lindenberg einerseits und in die Nähe des Lautenspiels anderseits zu gelangen . Es waren Züge , die sich bequem und gleichzeitig hier kreuzten . Man hatte von der Hochzeitsreise abgesehen , weil die Notare noch keine Amtsverweser hatten und die Bräute kein Verlangen danach trugen , vielmehr nichts sehnlicher wünschten , als in den Idyllen der neuen Häuslichkeiten sich einzuspinnen , fern vom Geräusche der Welt . Alles war dazu eingerichtet und in jeder Behausung ein tüchtiges Dienstmädchen bereit . Die zwei Paare beendigten einen Umgang , welchen sie unter den Gästen getan , mit Dank für die erwiesene Ehre und geziemender Verabschiedung , während die Tische bereits mit zahlreichen Lichtern besetzt und am Saume des Baumgartens Pechpfannen angezündet wurden . Am Fuße der kleinen Schaubühne angelangt , standen sie einen Augenblick still ; denn den Brüdern tauchte gleichzeitig der Gedanke auf , sie sollten , nach dem Vorgefallenen , als Mitglieder des Großen Rates doch noch einige Worte zum besten geben . Am füglichsten könnten sie es tun , meinten sie , wenn sie in Person die vom Schwiegervater verkündete Versöhnung der Parteien , als Angehörige derselben , sozusagen illustrierten , die Bühne rasch bestiegen und oben sich unter passenden kurzen Reden angesichts der ganzen Hochzeitsgemeinde die Hände reichten . Indem sie berieten , welcher von ihnen das Wort zuerst ergreifen solle , Isidor der Altliberale , oder Julian , der Demokrat , entstand auf der Bühne über ihren Köpfen ein polterndes Geräusch , welches die allgemeine Aufmerksamkeit erregte und aller Blicke dorthin lenkte . Zwei Rüpel oder zerlumpte Stromer , mit Knotenstöcken und Bündeln am Rücken , zogen Arm in Arm auf und drückten sich gröhlend umher . Sie trugen zerzauste Perücken und Bärte von Werg und mächtige falsche Nasen im Gesicht , daß kein Mensch ahnte , wer sie waren . Sie schienen nicht mehr zu wissen , wo sie hinaussollten , ließen sich endlich fahren und stellten sich einander gegenüber . Es waren offenbar zwei Spaßvögel , die in dieser Verkleidung auftraten , einen Beitrag an die Festlichkeit zu leisten ; und man gewärtigte vergnügt , was sie vorbringen würden . Nachdem sie eine Weile über das Schicksal , über Gott und die Welt geschimpft , fingen sie an , zu beraten , was sie denn anfangen könnten , sich ferner redlich durchzubringen ? Sie zählten eine Menge tollen Zeuges auf , was sie schon versucht oder probieren