' s läutet Heidi stand unter den wogenden Tannen und wartete auf den Großvater , der mitgehen und den Koffer vom Dörfli heraufholen wollte , während es bei der Großmutter wäre . Das Kind konnte es fast nicht erwarten , die Großmutter wiederzusehen und zu hören , wie ihr die Brötchen geschmeckt hatten , und doch wurde ihm wieder die Zeit nicht lang , denn es konnte ja nicht genug die heimatlichen Töne von dem Tannenrauschen über ihm und das Duften und Leuchten der grünen Weiden und der goldenen Blumen darauf eintrinken . Jetzt trat der Großvater aus der Hütte , schaute noch einmal rings um sich und sagte dann mit zufriedenem Ton : » So , nun können wir gehen . « Denn es war Sonnabend heut ' , und an dem Tage machte der Alm-Öhi alles sauber und in Ordnung in der Hütte , im Stall und ringsherum , das war seine Gewohnheit , und heut ' hatte er den Morgen dazu genommen , um gleich nachmittags mit Heidi ausziehen zu können , und so sah nun alles ringsherum gut und zu seiner Zufriedenheit aus . Bei der Geißenpeter-Hütte trennten sie sich , und Heidi sprang hinein . Schon hatte die Großmutter seinen Schritt gehört und rief ihm liebevoll entgegen : » Kommst du , Kind ? Kommst du wieder ? « Dann erfaßte sie Heidis Hand und hielt sie ganz fest , denn immer noch fürchtete sie , das Kind könnte ihr wieder entrissen werden . Und nun mußte die Großmutter erzählen , wie die Brötchen geschmeckt hätten , und sie sagte , sie habe sich so daran erlabt , daß sie meine , sie sei heute viel kräftiger als lang nicht mehr , und Peters Mutter fügte hinzu , die Großmutter habe vor lauter Sorge , sie werde zu bald fertig damit , nur ein einziges Brötchen essen wollen , gestern und heut ' zusammen , und sie käme gewiß noch ziemlich zu Kräften , wenn sie so acht Tage lang hintereinander jeden Tage eines essen wollte . Heidi hörte der Brigitte mit Aufmerksamkeit zu und blieb jetzt noch eine Zeit lang nachdenklich . Nun hatte es seinen Weg gefunden . » Ich weiß schon , was ich mache , Großmutter « , sagte es in freudigem Eifer ; » ich schreibe der Klara einen Brief und dann schickt sie mir gewiß noch einmal so viel Brötchen , wie da sind , oder zweimal , denn ich hatte schon einen großen Haufen ganz gleiche im Kasten , und als man mir sie weggenommen hatte , sagte Klara , sie gebe mir gerade so viele wieder , und das tut sie schon . « » Ach Gott « , sagte die Brigitte , » das ist eine gute Meinung ; aber denk , sie werden auch hart . Wenn man nur hier und da einen übrigen Batzen hätte , der Bäcker unten im Dörfli macht auch solche , aber ich vermag kaum das schwarze Brot zu bezahlen . « Jetzt schoß ein heller Freudenstrahl über Heidis Gesicht : » O , ich habe furchtbar viel Geld , Großmutter « , rief es jubelnd aus und hüpfte vor Freuden in die Höhe , » jetzt weiß ich , was ich damit mache ! Alle , alle Tage mußt du ein neues Brötchen haben und am Sonntage zwei , und der Peter kann sie heraufbringen vom Dörfli . « » Nein , nein , Kind ! « wehrte die Großmutter ; » das kann nicht sein , das Geld hast du nicht dazu bekommen , du mußt es dem Großvater geben , er sagt dir dann schon , was du damit machen mußt . « Aber Heidi ließ sich nicht stören in seiner Freude , es jauchzte und hüpfte in der Stube herum und rief ein Mal übers andere : » Jetzt kann die Großmutter jeden Tag ein Brötchen essen und wird wieder ganz kräftig , und - o , Großmutter « , rief es mit neuem Jubel , » wenn du dann so gesund wirst , so wird es dir gewiß auch wieder hell , es ist vielleicht nur , weil du so schwach bist . « Die Großmutter schwieg still , sie wollte des Kindes Freude nicht trüben . Bei seinem Herumhüpfen fiel dem Heidi auf einmal das alte Liederbuch der Großmutter in die Augen , und es kam ihm ein neuer freudiger Gedanke : » Großmutter , jetzt kann ich auch ganz gut lesen ; soll ich dir einmal ein Lied lesen aus deinem alten Buch ? « » O ja « , bat die Großmutter freudig überrascht ; » kannst du das auch wirklich , Kind , kannst du das ? « Heidi war auf einen Stuhl geklettert und hatte das Buch mit einer dicken Staubwolke heruntergezogen , denn es hatte lange unberührt gelegen da oben ; nun wischte es Heidi sauber ab , setzte sich damit auf seinen Schemel zur Großmutter hin und fragte , was es nun lesen solle . » Was du willst , Kind , was du willst « , und mit gespannter Erwartung saß die Großmutter da und hatte ihr Spinnrad ein wenig von sich geschoben . Heidi blätterte und las leise hier und da eine Linie : » Jetzt kommt etwas von der Sonne , das will ich dir lesen , Großmutter . « Und Heidi begann und wurde selbst immer eifriger und immer wärmer , während es las : » Die güldne Sonne Voll Freud ' und Wonne Bringt unsern Grenzen Mit ihrem Glänzen Ein herzerquickendes , liebliches Licht . Mein Haupt und Glieder Die lagen darnieder ; Aber nun steh ' ich , Bin munter und fröhlich , Schaue den Himmel mit meinem Gesicht . Mein Auge schauet , Was Gott gebauet Zu seinen Ehren , Und uns zu lehren , Wie sein Vermögen sei mächtig und groß . Und wo die Frommen Dann sollen hinkommen , Wenn sie mit Frieden Von hinnen geschieden Aus dieser Erde