unter ihnen wandelnde Freund , ohnehin beinahe fleischlos , sei ein Revenant . Was ihn ( Bamme ) persönlich angehe , so gäbe er der ersteren Annahme den Vorzug , weil ihm darnach die Wirklichkeit der Dinge noch eine Hirschjagd , einen Schluchtensturz und einen den Hals brechenden Rutze schuldig sei . Der alte Hauptmann folgte diesen Auseinandersetzungen jedesmal mit süßsaurem Gesicht , hatte sich aber längst aller Proteste dagegen begeben . Dann und wann schritt er seinerseits zum Angriff , ohne jedoch mit Hilfe dieses Kunstgriffs dem gewandten Bamme beikommen zu können . Unter seinen sonstigen kleinen Schwächen war die bemerkenswerteste die , daß er sich , in Anbetracht seines aus Schluchten und Abhängen bestehenden Protzhagener Territoriums , für eine Art Gebirgsbewohner hielt . » Wir auf der Höhe « zählte zu seinen Lieblingsredewendungen . Der Gräfin war er wert durch einen besonderen Respekt , den er ihr entgegenbrachte . Denn wie sehr sie vorgeben mochte , über Huldigungen und Schmeicheleien hinweg zu sein , so war sie schließlich doch nicht unempfindlich dagegen . Der siebente und letzte des » engeren Zirkels « war Doktor Faulstich Ein späteres Kapitel wird von ihm ausführlicher erzählen . Viertes Kapitel Vor Tisch Der ganze Freundeskreis , mit Ausnahme Doktor Faulstichs , welcher nach altem Herkommen den dritten Feiertag in Ziebingen zuzubringen pflegte , war nach Schloß Guse geladen . Auch Lewin und Renate , wie wir wissen . Diese waren die ersten , die eintrafen . Die Einladung hatte auf vier Uhr gelautet , aber eine volle Stunde früher schon bog der Schlitten Lewins in eine der großen Avenuen ein . Es war nicht mehr die Planschleife mit Strohbündeln und Häckselsack , in der wir zuerst die Bekanntschaft unseres Helden machten ; Tante Amelie , für sich selbst gelegentlich salopp , hielt auf Eleganz der Erscheinung bei anderen . Dem bequemten sich die Hohen-Vietzer nach Möglichkeit . Der Schlittenstuhl , mit einem Bärenfell überdeckt , zeigte die bekannte Muschelform , blaugesäumte Schneedecken blähten sich wie seitwärts gespannte Segel , und statt des rostigen Schellengeläutes , das am Heiligabend unseren Lewin in Schlummer geläutet hatte , stand heute ein Glockenspiel auf dem Rücken der Pferde , und zwei kleine Haarbüsche wehten rot und weiß darüber hin . Die körnerpickenden Sperlinge flogen zu Hunderten in der Dorfgasse auf ; so ging es auf das Schloß zu . Jetzt war auch die Sphinxenbrücke passiert , und der Schlitten hielt . Lewin , rasch die Decke zurückschlagend , reichte Renaten die Hand , die nun mit der Raschheit der Jugend aus dem Schlitten auf eine über den harten Schnee hin ausgebreitete Binsenmatte sprang . So schritt sie dem Eingange zu . Sie erschien größer als sonst , vielleicht infolge des langen Seidenmantels , grau mit roten Paspeln , aus dessen aufgeschlagener Kapuze ihr klares Gesicht heute mit doppelter Frische hervorleuchtete . Denn die Fahrt war lang , und es ging eine scharfe Luft . Der Flur umfing sie mit wohltuender Wärme ; in dem altmodisch hohen Kamin , den die beiden Derfflingerschen Dragoner flankierten , brannte seit Stunden schon ein gut unterhaltenes Feuer . Ein Diener in Jägerlivree , der seinen Hirschfänger zu tragen wußte , nahm ihnen die Mäntel ab und meldete , daß sich die Gräfin auf wenige Minuten entschuldigen lasse . Dies war die regelmäßig wiederkehrende Form des Empfanges . Lewin und Renate sahen verständnisvoll einander an und schritten durch das Billard- und Spiegelzimmer in den » Salon « . Sich selbst überlassen , traten sie hier an das in einer breiten und tiefen Nische befindliche Eckfenster , dessen untere Hälfte aus einer einzigen Scheibe bestand . Damals etwas Seltenes und sehr bewundert . Die Eisblumen waren halb weggeschmolzen und gestatteten einen Blick ins Freie . Über das Schwanenhäuschen hin , das nur noch mit seinem Spitzdach aus dem verschneiten Schloßgraben emporragte , sahen sie gradaus in eine kahle Kirschallee hinein , die sich bis an die Grenze des Parkes zog . An den vordersten Stämmen waren einige Dohnensprengsel mit ihren roten Ebereschenbüschelchen sichtbar , während am Ausgange der Allee der dunkele Carzower Kirchturm stand , dessen vergoldete Kugel eben in der untergehenden Sonne leuchtete . Um die Geschwister her war alles still ; sie hörten nur , wie das mehr und mehr abtauende Eis in einzelnen Tropfen in die Blechbehälter fiel . Dieser Platz am Fenster war anheimelnd genug ; jeder andere Besucher aber würde es doch vorgezogen haben , das letzte Tageslicht noch zu einem Umblick in dem » Salon « selbst zu benutzen . Es war ein quadratischer Raum , der in seiner Einrichtung für ebenso geschmackvoll wie wohnlich gelten konnte . Die den Fenstern gegenübergelegene Seite wurde von einem halbkreisförmigen Diwan eingenommen , der , in der Mitte geteilt , einen Durchgang zu den Flügeltüren des Eßsaales offen ließ . In den ebenfalls freibleibenden Ecken standen Lorbeer und Oleanderbüsche , nach links und rechts hin verteilt . Neben der Oleanderecke stieg eine Wendeltreppe auf , das zierlich durchbrochene Geländer von Nußbaumholz . Ein dicker Teppich , in dem das türkische Rot vorherrschte , deckte den Fußboden ; sonst war alles blau : die Wände , die Gardinen , die Möbelstoffe . Ringsumher , auf Säulen und Konsolen , erhoben sich Büsten und Statuetten , deren leuchtendes Weiß beim Eintreten den ersten Eindruck gab . Erst später traten auch die Bilder hervor , die , stark angedunkelt , in kaum geringerer Zahl als jene Marmor- und Alabasterarbeiten das Zimmer schmückten . Es waren sämtlich Erinnerungsstücke aus den Rheinsberger Tagen her . Da war zunächst das Porträt des Prinzen selbst , etwas barock in Auffassung und Behandlung , die Aufschläge von Tigerfell , die Hand auf ein Felsstück und einen Schlachtplan gestützt . Gegenüber Schloß Rheinsberg , seine Front im Wasser spiegelnd , und über den See hin glitt ein Kahn , darin eine schöne Frau mit aufgelöstem Haar , blond wie eine Nixe , am Steuer saß . Es hieß , es sei die Gräfin . An den Fensterpfeilern ,