von Disteln und Hasenkraut überwuchert , dem Hause zu . Ronald hatte die Terrasse erreicht und schritt dem Saal zu , der zwischen ihr und der Halle lag . Auf der Schwelle , die Klinke der halbgeöffneten Tür in der Hand , blieb er plötzlich stehen und winkte seinem Hunde , der sogleich , wie zu Stein geworden , sich nicht mehr regte , nicht einmal mehr keuchte , sondern seinen Herrn mit derselben atemlosen Aufmerksamkeit anblickte , mit welcher dieser das Bild betrachtete , das sich ihm darbot . Mitten im Saale auf einem Schemel saß Röschen und erzählte einem Auditorium von sechs kleinen Personen eine , wie es schien , bewegliche Geschichte . Ihre Stimme hob sich hell und laut bis zu einem Ausrufe , dem eine Pause höchster Spannung folgte , dann sank sie zu geheimnisvollem Geflüster herab . Was sie erzählte , verstand Ronald kaum , er lauschte auch nicht ihren Worten , er lauschte nur dieser holden Stimme , ganz ergriffen von ihrem Klang , in dem eine Fülle von Empfindungen nach Ausdruck zu ringen schien . Röschen saß von ihm abgewandt , er konnte ihr Gesicht nur zum Teile sehen , nur den Umriß ihrer zarten Wange , nur die dunkelblonden Zöpfe des reichen Haares , die über ihre Schultern fielen , und die Löckchen in ihrem schlanken Nacken . Das Publikum der Erzählerin hingegen war eitel Neugier . Die eine der Zuhörerinnen hatte den Zeigefinger in den Mund gesteckt , so tief es ging , riß die Augen und blies die Backen auf und hörte zu aus allen ihren Kräften . Eine andere preßte das Kinn an die Brust , glühte über und über , hielt beide Fäuste fest geballt , und die trotzige Ungeduld ihrer Mienen sprach : Weiter ! Weiter ! - Was kommt jetzt ? Anitschka , im höchsten Staate , mit buntem , turbanähnlich um den Kopf gewundenem Tuche und breiter Halskrause , saß steif und feierlich neben ihrem Abgotte . Ihr dreijähriges Schwesterchen und noch ein zweites leichtsinniges Wesen in gleichem Alter hockten auf dem Boden und teilten ihre Aufmerksamkeit zwischen der Rednerin und einem goldgrün schimmernden Rosenkäfer , den sie in einem Schächtelchen mitgebracht hatten und nun auf der Diele herumspazieren ließen . Ronald blieb eine Weile in der Betrachtung dieser Gruppe versunken , bald jedoch , als würde er beschämt inne , daß er hier die unwürdige Rolle eines Lauschers spiele , zog er vorsichtig einen seiner schwerbestiefelten Füße nach dem andern zurück und trat von der Türe weg , die er unhörbar wieder schloß . Dann wendete er sich rasch und - - stand Aug in Auge mit Bozena . Sie war hinter ihm durch den Gang gekommen , ohne daß er sie bemerkt hatte . Die beiden maßen einander mit den Blicken . Fast drohend schien der ihre zu fragen : Was hast du hier zu lauschen ? Mit harmlosem Erstaunen schien der seine zu sagen : Warum mißgönnst du mir den holden Anblick ? Ronald legte grüßend die Hand an seinen Hut . » Sie sind Bozena « , sprach er , » wir haben uns vor zehn Jahren am Grabe Ihres Herrn gesehen . « Bozena bejahte . » Und die Märchenerzählerin dort ist das kleine Mädchen , das Sie damals vom Friedhof hinweg in Ihren Armen trugen . Nicht wahr ? « » Ja , Herr Graf . « » Wie ist die hold und lieblich geworden ! « sprach er mehr zu sich selbst als zu ihr . Das Gesicht der Magd wurde immer finsterer ; sie warf den Kopf in den Nacken , sah Ronald wieder an wie früher , mit dem mißtrauisch forschenden Blick , und schritt an ihm vorüber in den Saal . Ronald gab seine Jagdbeute in der Küche ab und wanderte nach seinen Zimmern . Auf dem Schreibtische , neben den hochaufgestapelten Wirtschaftsbüchern und Rechnungen , fand er neu angelangte Briefe , alle dringenden , alle gleichen Inhalts . Ihr sollt bald erledigt werden , dachte er und ergriff die Feder , um den Auszug aus der Gutsbeschreibung zu beenden , die er für Regula entworfen hatte . Die Arbeit wollte nicht vom Fleck gehen ; lächerlich zu sagen , denn - wer könnte diese optische Täuschung erklären ? - über die Katastralmappe , auf die er von Zeit zu Zeit einen Blick werfen mußte , sah er ganz deutlich kleine braune Locken fliegen , wie man sie doch nur , natürlich gekräuselt und seidenweich , im Nacken eines Mädchen schimmern sieht ... Und auf dem länglichen Viereck , das kyrillische Buchstaben als » Wiese « bezeichneten , lagen Rosen - Rosen die Fülle ... Eine Knospe darunter , die aufgeblühten alle an Schönheit überstrahlend , wunderbar in sich geschlossen , den grünen Kelch in zartes Moos gehüllt . Sie schien sich leise zu regen , ihr duftendes Blättergefüge sich zu lösen , sich atmend zu entfalten unter seinem Blicke ... Wie kindisch doch und störend , solch ein müßiges Spiel der Phantasie ! - Am störendsten aber und wirklich unerträglich ist ein Vorwurf , den er sich machen muß . Seine Mutter hat gestern zu sprechen begonnen von einem jungen Geschöpf , einem Kinde , dessen Anwesenheit für sie ein wahres Herzenslabsal sei , und er , nur mit dem beschäftigt , was er selbst zu sagen hatte , schenkte ihr kein Gehör . Ein Unrecht , das er sogleich gutmachen will . Er hat sich rasch umgekleidet und schreitet durch die Halle ; heiß strömt die Luft ihm entgegen , die Hitze ist drückend , ein schweres Gewitter steigt am Horizonte auf ; wie dichter bleigrauer Qualm türmen die Wolken sich übereinander , dazwischen schießen Blitze ihre glühenden Pfeile . Ein Knecht rennt über den Hof und ruft Ronald zu : » Das kommt ! Das kommt ! « Ronald stieg die Treppe empor und begab sich nach dem Zimmer seiner Mutter . Er fand sie nicht allein , das Fräulein von Fehse