aber der Herr war nicht im Feuer ; und nach dem Feuer kam ein stilles , sanftes Sausen ! - Auf das letzte hoff ich , und nun lebt wohl für heute . « Ein Diener brachte die Lampe , der Herr und die Frau des Hauses geleiteten die Exzellenz vor die Tür , und Leonhard hörte ihren Wagen fortrollen . Als er sich nun gleichfalls empfahl , griff auch der Major nach der Mütze und begleitete ihn durch mehrere Gassen , wie ein Mann , der etwas auf dem Herzen hat , ohne so recht zu wissen , auf welche Art er es am schicklichsten von demselben loswerde . An der Ecke der Kesselstraße erst faßte er nach einem Knopfe des Afrikaners und sagte : » Lieber Hagebucher , es ist meine Gewohnheit nicht , die Nase zu tief in anderer Leute Angelegenheiten zu stecken ; allein ich kann nicht umhin , Ihnen jetzt eine Frage vorzulegen , welche Sie mir recht ehrlich beantworten müssen . Wie stehen Sie zu dieser schönen Freundin meiner Frau , welche vor einem Jahre als Nikola Einstein mit Ihnen in Bumsdorf Kränze wand und heute noch als Baronin Glimmern gern mit Ihnen neben der Katzenmühle Hütten bauen möchte ? « Der Hausfreund des Professor Reihenschlager klopfte dem Major leise auf den Arm : » Sie repräsentierte mir zuerst die ganze Schönheit einer Welt , die mir abhanden gekommen war unter der Herrschaft meiner nicht angestammten Herrin Madam Kulla Gulla zu Abu Telfan . Wie einen zusammengekugelten Kaliban rollte das Geschick mich ihr in den Weg , und sie lehrte mich zuerst wieder , aufrechten Hauptes die Sonne zu betrachten . Ich habe nie daran gedacht , sie in irgendeiner Weise zu meinem stumpfsinnigen Elend herabzuziehen ; in dem , was die Gesellschaft ein Verhältnis nennt , stehe ich also nicht zu ihr . « » Sie nehmen mir einen Stein von der Seele ! « rief der Major , kräftig dem Afrikaner beide Hände schüttelnd . » Hagebucher , Sie sind ganz mein Mann , und morgen führe ich Sie in unsern Klub ein . « Leonhard lachte herzlich , und so schieden beide Herren im besten Einvernehmen voneinander ; als aber der Major zu Hause unter dem Siegel der tiefsten Verschwiegenheit das eben so schlau Ausgeforschte der Gattin mitteilte , fragte ihn die Frau Emma mit noch viel gescheiterer Miene , für was er sie eigentlich halte und ob er wirklich glaube , daß sie als Gattin , Hausfrau und Freundin das nicht längst sich klargemacht habe . » Ich kenne meine Pflichten , Philipp ! « sprach sie . Sechzehntes Kapitel Der Professor Reihenschlager bewohnte ein eigenes Haus , einige hundert Schritte vor dem Marstalltor , und der Garten desselben grenzte an den fürstlichen Park , welcher letztere aber keineswegs ein allen Menschen Von ihrem Schätzer gewidmeter Belustigungsort war , sondern Von nicht wenigen Schildwachen Vor allem zudringlichen Volk gut behütet wurde und uns auch weiter nichts angeht . Die Sonne des Oktobers flimmerte über den bunten Blättern des Gartens des Professors , und Serena Reihenschlager stand hübsch und zierlich , gebückt lauschend hinter einem noch ziemlich dicht belaubten Busch und hielt einen gewundenen Pfad , der zwischen anderm Gebüsch sich hinzog , Verstohlen , aber stetig im Auge und im Ohr . Auf jenem Wege schritt der Papa mit dem närrischen Mann aus Afrika in eifriger Unterhaltung auf und ab , und Serena hatte seit einiger Zeit angefangen , ein seltsam ängstliches Interesse an allem , was der närrische Mann sagte oder tat , zu nehmen . Serena Reihenschlager war ein viel besseres Mädchen , als einst ihre selige Mama war , da sie den Papa beim Kragen nahm und ihn zum Altar hinleitete . Serena wußte zwar ebensogut wie die selige Mama , daß der Papa steter Beaufsichtigung bedürfe ; aber sie ließ es ihn nicht so deutlich merken wie die Mama , sondern leitete und hielt ihn an einem viel feinern Bande , gewoben sozusagen aus Marienfäden und mädchenhaft-schalkhafter Überredungskunst , auf dem rechten Wege . Das arme Kind hatte aber auch einen schweren Stand ; denn ein recht kurioses Hauswesen mit allen seinen Sorgen und ungeheuren Verantwortlichkeiten lag allein auf ihren Schultern ! Die Mama hatte den Papa nicht in seiner Sünden Maienblüte geheiratet , sie hatte ihn als einen bereits recht kahlköpfigen Oberlehrer aus dem wüsten , schleimigen Sumpf des Junggesellentums aufgezogen , aber sie hielt , was sie vor dem Altar versprach , sie war sein Herr bis zu ihrem Tode . Zehn lange Jahre hatte sie das Zepter der Sitte über dem Guten geschwungen , und als dann durch ein hitziges Gallenfieber dem fernerweitigen Mißbrauch ihrer Gewalt ein Ende gemacht wurde , hinterließ sie das Haus rein und ihren Professor innerlich zwar etwas gebrochen , aber äußerlich in einem sehr respektabeln und präsentabeln Zustande . Ihr arg verschüchtertes Töchterchen spielte an ihrem Begräbnistage noch mit der Puppe ; es war daher kein Wunder , wenn der Professor samt seinem Hauswesen fast schneller in die äußerste Barbarei zurücksank , als er daraus emporgehoben worden war . Er konnte für beides nichts ! Das Ding nahm seinen ganz natürlichen Verlauf , und es gab manche jüngere Witwe und manche ältere Jungfrau in der Stadt welche über alle Stadien des Verfalles kopfschüttelnd Buch hielten ; aber unverantwortlicherweise ersuchte der arme Mann keine , zu seinem Besten einzuschreiten und die Zügel des Hauses zu ergreifen . So vermehrte sich denn die Bibliothek des Witwers ebenso bedenklich , wie sich alles übrige , was doch auch zum Leben gehört , verminderte . Wirtschafterinnen , Haushälterinnen , Dienstmädchen betrachteten ihn als eine gottgegebene Beute und schoren ihn wie ein Schäflein , allen teilnehmenden und entrüsteten Witwen und Jungfrauen frech vor der Nase . Kein Prätendent , der je auf den Thron seiner Ahnen gelangte , hatte auf dem Wege zu demselben mit größern Schwierigkeiten zu kämpfen als Serena Reihenschlager auf ihrem Wege zur Herrschaft in ihres Vaters Hause . Seltsamerweise