nur , ich weiß es ganz genau . Böse Geister zeigen sich am hellen Tage , und ihr Thun und Treiben hat schon manches Unheil gestiftet ... Kümmern Sie sich nicht weiter um die berührte Sache , mein Hausverwalter soll sie in Ordnung bringen ; er ist zuverlässig und behandelt dergleichen Angelegenheiten mit so viel Takt , daß er darin selbst Damen beschämen könnte . « Die Baronin rollte ihre Arbeit hastig zusammen und stand auf . » Es wird gut sein , wenn ich für den Rest des Tages mein einsames Zimmer aufsuche , « wendete sie sich mit zuckenden Lippen an Helene . » Es gibt Augenblicke , wo man mit den harmlosesten Absichten und Worten verstößt und sich zu seinem Schmerze mißverstanden sieht ... Ich bitte also , mein Nichterscheinen beim Thee zu entschuldigen . « Sie machte eine zeremonielle Verbeugung vor den Geschwistern , ergriff den Arm ihres Sohnes , der sehr verlegen aussah , und rauschte zur Thür hinaus . Helene erhob sich mit Thränen in den Augen und wollte ihr nachgehen , aber ihr Bruder faßte mit sanftem Ernste ihre Hand und zog sie wieder neben sich auf das Sofa . » Willst du mir nicht wenigstens so lange Gesellschaft leisten , bis ich meinen Kaffee getrunken habe ? « fragte er freundlich und so unbefangen , als sei nicht das mindeste vorgefallen . » O ja , wenn du es wünschest , « antwortete sie zögernd und die Augen von ihm abwendend , » aber so leid es mir auch thut , muß ich dich doch bitten , ein klein wenig zu eilen , denn Fräulein Ferber ist zur Stunde gekommen und hat schon ungebührlich lange warten müssen . « » Nun , dann wollen wir gleich gehen , aber ich mache eine Bedingung , Helene . « » Und die ist ? « » Daß ich zuhören darf . « » Nein , nein , das geht wirklich nicht ... Ich bin noch zu weit zurück , deine Ohren würden die mangelhafte Stümperei nicht ertragen ! « » Armer Emil ! ... Er ahnet sicher nicht , daß er die Gunst , zuhören zu dürfen , seinen ungebildeten Ohren verdankt ! « Helene wurde dunkelrot . Sie hatte ihrem Bruder bisher nichts von Hollfelds Besuchen gesagt , aus leicht erklärlichen Gründen . Uebrigens war sie auch der Meinung gewesen , daß er darüber gleichgültig denken würde , und nun legte er , wie es schien , Gewicht darauf . Sie kam sich vor , wie eine ertappte Lügnerin , und war im ersten Augenblick sprachlos . Elisabeth ahnte , was in ihr vorging ; sie wurde mit ihr verlegen und fühlte , wie ihr plötzlich eine Purpurglut in das Gesicht stieg . In diesem Momente wandte Herr von Walde den Kopf nach ihr ; ein forschender , scharfer Blick flog über ihr Gesicht , und zugleich erschien eine finstere Falte zwischen den Augenbrauen . » Spielt Fräulein Ferber auch ihre Phantasien in diesen sogenannten Uebungsstunden ? « fragte er rascher als gewöhnlich seine Schwester . » O nein , « entgegnete diese , froh , ihre Fassung wiedergewonnen zu haben , » dann würde ich doch wahrhaftig nicht von Stümperei sprechen ... Ich habe Emil auch nur den Zutritt gestattet , weil ich denke , man müsse die erwachende Liebe zur Musik pflegen , wo man sie finde . « Ein leises Lächeln glitt über Herrn von Waldes Gesicht , aber es war nicht jenes Lächeln , das neulich einen so eigentümlichen Reiz für Elisabeth gehabt hatte . Die finstere Falte verschwand nicht , und auch sein Auge hatte etwas Düsteres , als er das junge Mädchen abermals durchdringend ansah . » Du hast recht , Helene , « sagte er endlich kalt und nicht ohne einen Anflug von Spott . » Aber welcher Magnet muß in diesen musikalischen Uebungen liegen , daß solche Wunder geschehen ... Noch vor ganz kurzer Zeit hörte Emil das Gebell seiner Diana lieber , als die Beethovenschen Sonaten . « Helene schwieg und senkte die Augen . » Da fällt mir eben die arme Miß Mertens ein , « nahm ihr Bruder plötzlich in gänzlich verändertem Tone wieder das Wort . » Wäre es nicht zweckmäßig , wenn Fräulein Ferber vor allem diese Angelegenheit in Ordnung brächte ? « » Ei freilich , « entgegnete Helene , den Gedanken mit Hast ergreifend , denn er gab ja dem peinlichen Gespräche eine andere Wendung . » Wir wollen lieber die Stunde für heute streichen , damit Sie , liebes Kind , « wendete sie sich an Elisabeth , » die nötigen Schritte thun können ... Gehen Sie also jetzt zu Ihren Eltern und bitten Sie auch in meinem Namen um Aufnahme der armen Miß . « Elisabeth erhob sich . Zu gleicher Zeit stand auch Helene auf . Als ihr Bruder bemerkte , daß sie den Pavillon verlassen wolle , schlang er rasch seine Arme um die kleine Gestalt , hob sie wie eine Feder vom Boden auf und trug sie hinaus auf den Rollstuhl , der vor der Thür stand . Nachdem er die Kissen stützend hinter ihrem Rücken geordnet und ihre kleinen Füße sorgsam mit einem Shawl bedeckt hatte , lüftete er den Hut leicht vor Elisabeth , wobei sie bemerken mußte , daß sich die Wolke zwischen den Brauen noch nicht verzogen hatte , und schob den Rollstuhl auf den nächsten Weg , der nach dem Schlosse führte . - » Sie muß doch seine ganze Seele ausfüllen , « dachte Elisabeth , als sie den Berg hinaufstieg , » und Miß Mertens irrt sich bedeutend , wenn sie glaubt , er werde ein anderes weibliches Wesen je neben oder wohl gar über seine Schwester stellen ... Er ist eifersüchtig auf seinen Vetter , und leider mit vollem Rechte ... Wie ist es nur möglich , « hier stand sie still , denn zwei Männergestalten erhoben sich vor ihrem inneren Auge , » daß