zwingen zu können . Wir werden sehen ! Ich danke Ihnen , Mr. Pierce , für die Freundlichkeit , mit welcher Sie mich stets behandelt haben , « fuhr er aufstehend fort , » danke Ihnen für Ihre gute Meinung über mich , vielleicht kann ich Ihnen noch einmal beweisen , daß Sie Recht hatten . Gute Nacht ! « Er drückte kräftig die Hand des Vorstehers und schritt aus dem Zimmer . Als er sein Pferd losgebunden , saß er mit einem Schwung im Sattel , daß es zum Galopp ansprengte und bald hatte er sein Haus erreicht , wo Cäsar auf ihn wartete . » Er ging nach seinem Zimmer , brannte Licht an und warf sich in den Lehnstuhl vor seinem Arbeitstische . Eine Weile ließ er alle Gedanken und Gefühle , welche das Gespräch mit seinem bisherigen Prinzipale in ihm erregt hatte , durcheinander wogen ; bald aber setzte er sich aufrecht und begann seine augenblickliche Lage bestimmt ins Auge zu fassen . Ein Wunsch stand im Vordergrunde seiner Seele , dem Angriffe , welcher so heimtückisch auf seine Existenz gemacht worden war , nicht weichen zu müssen . Er wußte , daß wenn er den Staat verließ , wozu man ihn jetzt wahrscheinlich zwingen wollte , es leicht genug gemacht war , eine Scheidung seiner Frau von ihm zu erzielen - gaben doch schon seine jetzt mangelnden Subsistenzmittel Grund genug dafür ab , und wenn er auch , wie das Verhältniß zwischen ihm und Ellen stand , einer Trennung nie einen eigentlichen Widerstand hätte entgegensetzen mögen , sobald nur seine Mannesehre dabei gewahrt wurde , so empörte sich doch Alles in ihm gegen die Weise , wie sie ihm abgedrungen oder gegen seinen Willen bewerkstelligt werden sollte . Die Frage war jetzt : wie materiell bestehen , um nicht seinen Feinden ohne Schlag das Feld zu räumen . Mit einem ferneren Erwerbe durch Musik-Unterricht war es wenigstens in der nächsten Umgegend zu Ende , und seine ganzen Mittel bestanden in der Summe , welche ihm wenige Tage vorher als Betrag des Unterrichtsgeldes für den laufenden Monat ausgezahlt worden war . Sollte er sich an ein anderes Erziehungs-Institut im Staate um Erlangung von Beschäftigung wenden , oder mußte er nicht fürchten , daß der Einfluß , welcher ihn von hier vertrieb , ihm auch dorthin folgen würde ? « Während seines Grübelns hatte sich die Thür geöffnet und Cäsar sich an den Eingang postirt . Helmstedt sah auf - er kannte die verschiedenen Arten von Gesichtsausdruck des Schwarzen und wußte , daß dieser jetzt irgend etwas zu erzählen hatte - aber er kam ihm damit ungelegen . » Was ist es , Cäsar ? « fragte er kurz . » Ich wollte nur etwas fragen , wegen Little Valley , Sir , nichts Bedeutendes gerade - « » Dann laß es bis ein andermal , ich bin jetzt beschäftigt . « Der Schwarze verschwand , und Helmstedt gab seinen Gedanken wieder Raum . Er begann in Gedanken sein ganzes Besitzthum durchzugehen , um zu berechnen , was ihm aus dem Erlös desselben erwachsen könne ; er öffnete zu dem Zweck ein Fach seines Schreibtisches , in welchem sich eine Kostenberechnung aller Anschaffungen bei seiner Verheirathung befand . Hier aber fiel ihm zuerst Mortons Brief in die Hände , der unerbrochen und vergessen dagelegen hatte , seit er ihn aus Paulinens Händen erhalten . Helmstedt wollte ihn im ersten Moment wieder bei Seite legen , aber als sein Auge auf die unsichere Handschrift der Adresse fiel , kam ihm wieder das ins Gedächtniß , was der Vorsteher der Akademie über die Freundschaft des Verstorbenen zu ihm und den Einfluß , den er zu seinem Besten geltend gemacht , gesprochen hatte ; er sah das biedere Gesicht des alten Pflanzers vor sich , er erinnerte sich , daß dieser an ihn noch in seinen letzten Stunden gedacht , und in plötzlich gemilderter Stimmung löste er das Couvert . Ein neuer , mit Papieren gefüllter Umschlag und ein theilweise beschriebener Bogen zeigten sich . Helmstedt entfaltete den letztern und las : » Mein lieber junger Freund ! Ich ahne , daß ich Sie nicht wiedersehen werde , und so benutze ich eine Stunde , welche mir vielleicht zum letzten Mal einige Kraft zurückgibt , um ein Lebewohl an Sie zu richten und Sie an das Versprechen zu mahnen , welches Sie mir bei unserm letzten Zusammensein gaben . Pauline weiß nichts von unserm Uebereinkommen : ihr Herz ist so stolz und stark , daß sie wol glauben mag , sich selbst genug sein zu können , daß sie jeden aufgedrungenen Beistand von sich weisen würde . Aber ich weiß auch , daß sie ihre Stärke nur durch Entsagung und Aufopferung erlangt hat : ich kenne mehr von diesem Herzen , dem ich doch nur Schutz und keine Befriedigung geben konnte , als sie weiß , und ich erkenne alle die Schwierigkeiten , welche ihr nach meinem Tode , so lange sie in den jetzigen Verhältnissen lebt , entgegentreten und sie verwunden müssen . Darum lassen Sie das Auge nicht von dem , was um sie vorgeht , wenn auch unbemerkt von ihr - der Blick eines von der Welt Scheidenden sieht klarer als sonst , und mir ist es , wenn ich die Dinge um mich her betrachte , als würde auch noch einmal ein Frühling für sie blühen , und ihr ein Schutz werden , unter dem sie sich gern bergen wird . Die Werthpapiere , welche ich hier beigelegt habe , betrachten Sie als das Vermächtnis eines Freundes und als ein Zeichen meiner Achtung und Anhänglichkeit ; es sind 2000 Doll . Auch hiervon weiß Pauline nichts , damit Ihr Zartgefühl , das so leicht verletzt ist , geschont bleibe , - mögen sie bei irgend einer Gelegenheit Ihnen einmal passend kommen . Und nun sei es genug , das Schreiben wird mir schwer ; - wenn wir uns nicht wiedersehen sollten , so widmen Sie bisweilen