stand ein goldenes Glöcklein . Kein Merkmal in dem Gemache zeigte an , daß es bewohnt sei . Kein Geräte war verrückt , an dem Teppiche zeigte sich keine Falte und an den Fenstervorhängen keine Verknitterung . Als ich eine Zeit diese Dinge mit Staunen betrachtet hatte , öffnete mein Begleiter wieder die Tapetentür , die man auch im Innern dieses Zimmers nicht sehen konnte , und führte mich hinaus . Er hatte in dem Rosenzimmerchen nicht ein Wort gesprochen , und ich auch nicht . Als wir durch die anderen Zimmer gegangen waren und er sie hinter uns zugeschlossen hatte , sagte er mir ebenfalls über den Zweck dieser Wohnung nichts , und ich konnte natürlich nicht darum fragen . Als wir auf den Gang hinausgekommen waren , sagte er : » Nun habt Ihr mein ganzes Haus gesehen ; wenn Ihr wieder einmal in der Zukunft vorüberkommt , oder Euch gar in der Ferne desselben erinnert , so könnt Ihr Euch gleich vorstellen , wie es im Inneren aussieht . « Bei diesen Worten nestelte er den Ring mit den Schlüsseln in irgend eine Tasche seines seltsamen Obergewandes . » Es ist ein Bild , « erwiderte ich auf seine Rede , » das sich mir tief eingeprägt hat , und das ich nicht so bald vergessen werde . « » Ich habe mir das beinahe gedacht « , antwortete er . Da wir in die Nähe meines Zimmers gekommen waren , verabschiedete er sich , indem er sagte , daß er nun einen großen Teil meiner Zeit in Anspruch genommen habe , und daß er , um mich nicht noch mehr einzuengen , mir nichts weiter davon entziehen wolle . Ich dankte ihm für seine Gefälligkeit und Freundlichkeit , mit welcher er mir einen Teil des Tages gewidmet und mir seine Häuslichkeit gezeigt habe , und wir trennten uns . Ich nahm den Schlüssel aus meiner Tasche und öffnete mein Zimmer , um einzutreten ; ihn aber hörte ich die Treppe hinabgehen . Ich blieb nun bis gegen Abend in meinem Gastgemache , teils , weil ich ermüdet war und wirklich einige Ruhe nötig hatte , teils , weil ich meinem Gastfreunde nicht weiter lästig sein wollte . Am Abende ging ich wieder ein wenig auf die Felder außerhalb des Gartens hinaus , und kam erst zur Speisestunde zurück . Ich hatte bei dieser Gelegenheit gelernt , mir selber das Gitter zu öffnen und zu schließen . Es war kein Gast da , und beim Abendessen wie beim Mittagessen waren nur mein Gastfreund , Gustav und ich . Die Gespräche waren über verschiedene gleichgültige Dinge , wir trennten uns bald , ich verfügte mich auf mein Zimmer , las noch , schrieb , entkleidete mich endlich , löschte das Licht , und begab mich zur Ruhe . Der nächste Morgen war wieder herrlich und heiter . Ich öffnete die Fenster , ließ Duft und Luft hereinströmen , kleidete mich an , erfrischte mich mit reichlichem Wasser zum Waschen , und ehe die Sonne nur einen einzigen Tautropfen hatte aufsaugen können , stand ich schon mit meinem Ränzlein auf dem Rücken und mit meinem Hute und dem Schwarzdornstocke in der Hand im Speisezimmer . Der alte Mann und Gustav warteten meiner bereits . Nachdem das Frühmahl verzehrt worden war , wobei ich trotz der Forderung mein Ränzlein nicht abgelegt hatte , dankte ich noch einmal für die große Freundlichkeit und Offenheit , mit welcher ich hier aufgenommen worden war , verabschiedete mich , und begab mich auf meinen Weg . Der alte Mann und Gustav begleiteten mich bis zum Gittertore des Gartens . Der Alte öffnete , um mich hinauszulassen , so wie er vorgestern geöffnet hatte , um mir den Eingang zu gestatten . Beide gingen mit mir durch das geöffnete Tor hinaus . Als wir auf dem Sandplatze vor dem Hause , angeweht von dem Dufte der Rosen , standen , sagte mein Beherberger : » Nun lebt wohl und geht glücklich Eures Weges . Wir kehren durch unser Gitter wieder in unseren Landaufenthalt und zu unseren Beschäftigungen zurück . Wenn Ihr in einer anderen Zeit wieder in die Nähe kommt und es Euch gefällt , uns zu besuchen , so werdet Ihr mit Freundlichkeit aufgenommen werden . Wenn Ihr aber gar , ohne daß Euch Euer Weg hier vorüberführt , freiwillig zu uns kommt , um uns zu besuchen , so wird es uns besonders freuen . Es ist keine Redensart , wenn ich sage , daß es uns freuen würde , ich gebrauche diese Redensarten nicht , sondern es ist wirklich so . Wenn Ihr das einmal wollt , so lebt in diesem Hause , so lange es Euch zusagt , und lebt so ungebunden , als Ihr wollt , so wie auch wir so ungebunden leben werden , als wir wollen . Wenn Ihr uns die Zeit vorher etwa durch einen Boten wissen machen könntet , wäre es gut , weil wir , wenn auch nicht oft , doch manchmal abwesend sind . « » Ich glaube , daß Ihr mich freundlich aufnehmen werdet , wenn ich wieder komme , « antwortete ich , » weil Ihr es sagt , und Euer Wesen mir so erscheint , daß Ihr nicht eine unwahre Höflichkeit aussprechen würdet . Ich begreife zwar den Grund nicht , weshalb Ihr mich einladet , aber da Ihr es tut , nehme ich es mit vieler Freude an , und sage Euch , daß ich im nächsten Sommer , wenn mich auch mein gewöhnlicher Weg nicht hieher führt , freiwillig in diese Gegend und in dieses Haus kommen werde , um eine kleine Zeit da zu bleiben . « » Tut es , und Ihr werdet sehen , daß Ihr nicht unwillkommen seid , « sagte er , » wenn Ihr auch die Zeit ausdehnt . « » Ich werde vielleicht das letztere tun , « antwortete ich , » und so lebet wohl . « » Lebt wohl .