ins Feld . Der Boden ist mit lauter Zucker bestreut . Meinst nicht , es werd dir zu kalt sein ? « » Mich friert ' s nicht , wenn ich bei dir bin , aber jetzt mach dich fort . « Sie wollte ihn bereden , das Haus durch die hintere Türe zu verlassen . » Nein « , sagte er , » vorn , wo ich herein bin , da will ich auch wieder hinaus . Ich red ohnehin nächster Tag ganz frei und offen mit deinen Eltern . « » Laß es nur noch ein wenig anstehen « , sagte sie , » es ist mir so angst . « » Und wenn sie fragen , ob jemand unter der Kirch bei dir gewesen sei , so sagst ohne weiteres ja , ich sei dagewesen . « Sie versprach alles und trieb ihn wiederholt zur Eile an , so daß er , als sie sich voneinander losrissen , noch lange nicht genug geküßt zu haben meinte . Er hatte seinen guten Grund , das Haus auf der Vorderseite zu verlassen . Es sollten nicht doppelte Fußstapfen hinterbleiben , die vielleicht ein endloses Gewirr von Vermutungen wachgerufen haben würden . Er trat sorgfältig in die vorhandenen Spuren und folgte ihnen , um auf diese Weise etwa herauszubringen , wer vor dem Fenster gewesen sein möchte . Die Spuren führten an den äußersten Häusern des Fleckens hin und dann kreuz und quer durch einige Gäßchen , wo sie sich aber bald mit anderen Fußstapfen vermischten . Er mußte seine Nachforschung als fruchtlos erkennen und ging kopfschüttelnd seines Weges . Die Leute kamen eben aus der Kirche . Er konnte es nicht vermeiden , manchem verwunderten und neugierigen Blick zu begegnen ; da er sich aber ruhig in den Zug mischte , so brachte dies viele , die sich mehr mit Anhörung der Predigt als mit Musterung der Zuhörer beschäftigt hatten , auf den Glauben , daß er gleichfalls aus der Kirche komme . 10 In der Sonne wurde der Neujahrstag mit einem Familienessen gefeiert . Die beiden Schwiegersöhne hatten sich mit ihren Frauen nach der Kirche zur Gratulation eingefunden und blieben nach hergebrachter Weise zu Tische da . Als Friedrich nach Hause kam , fand er schon die ganze Familie versammelt . » Da muß irgendwo ein Rädle gebrochen sein « , dachte er , denn der Empfang war in der Tat ein sehr wunderlicher . Der Chirurg wußte seinem Gesicht einen gewissen verlegenen Ausdruck zu geben ; der Handelsmann , ein kugelrundes Figürchen in hellgelbem Rock , himmelblauer Weste und mit lang herabfallenden weißen Halstuchzipfeln , drückte seine kleinen Äuglein listig zusammen und ließ dabei die vorspringenden wulstigen Lippen offenstehen , so daß sie gleichsam einen stummen , aber sichtbaren Seufzer eines ehrbaren Verwerfungsurteils bildeten ; die beiden Frauen schlugen die Augen nieder und schienen sich kaum entschließen zu können , dem Bruder die Hand zu geben , als dieser mit einem treuherzigen » Prosit ' s Neujahr ! « auf sie zugegangen kam . Der Sonnenwirt sah dieser gezwungenen Begrüßung etwas verwundert zu ; er kannte augenscheinlich den Grund derselben noch nicht , mochte aber denken , sein Sohn werde es bei der Verwandtschaft durch irgendein nicht gar zu bedeutendes Ungeschick verschüttet haben ; wenigstens ließ er das , was vor seinen Augen vorging , geschehen , ohne sich mit Fragen darein zu mischen . Friedrich aber hatte sogleich an dem zuverlässigsten Wetterglase erkannt , daß etwas Schweres gegen ihn im Werke sein müsse , nämlich an dem gelben Gesichte seiner Stiefmutter , welchem ein offener triumphierender Hohn eine Art von Blüte verlieh . Es war ihm übrigens jede Verlegenheit erspart , denn die Kinder des Krämers , die dieser mitgebracht hatte , deckten mit ihrem jubelnden Empfange alle Lücken in der Liebe der Erwachsenen zu : sie hatten dem Großvater geschriebene Neujahrswünsche überreicht und als Gegengeschenk neue Kreuzer nebst mürbem Gebäck erhalten ; jetzt sprangen sie im vollen Jubel ihres Glückes an dem kinderfreundlichen jungen Oheim empor und nahmen ihn in Beschlag , bis das Essen aufgetragen war . Solange das Gesinde , das diesmal an einem besonderen Tische speiste , sich in der Stube befand , wurde von der Witterung und von der heutigen Predigt gesprochen , welche sich der mit einem guten Gedächtnis begabte Chirurg sehr ausführlich anzueignen gewußt hatte . Nachdem aber Knechte und Mägde sich entfernt und auch die Kinder auf Befehl ihres Vaters , jedes ein Stückchen Kuchen in der Hand , die Stube verlassen hatten , begann dieser mit mutwilligem Blinzeln : » Ist der Schwager heut auch in der Kirche gewesen ? « Friedrich wurde rot . » Ich hab Gott anders gedient « , sagte er . » Vielleicht zu Haus eine schöne Predigt gelesen oder ein Stück in Arndts Wahrem Christentum ? « Friedrich schwieg , der inquisitorische Ton , aus welchem eine geheime Bosheit sprach , machte ihm das Blut , aber jetzt nicht aus Scham , nach dem Kopfe steigen . Der Sonnenwirt , der noch mächtig am Braten arbeitete , hielt einen Augenblick inne , um zu schauen , wo die Sache hinaus wolle , und sah bald den Tochtermann , bald den Sohn mit fragenden Blicken an . Die Sonnenwirtin hatte dem ersteren , der den Laufgraben mit so viel Geschick eröffnet , einen Blick der Zufriedenheit zugeworfen . Nun rückte sie selbst ins Feld , um ihm zu Hilfe zu kommen . » Wenn er ' s nicht sagen will , wo er gewesen ist , so muß ich das Maul für ihn auftun « , sagte sie . » Des Hirschbauern seiner Jungfer Tochter hat er den Morgensegen vorgebetet , just unter der Kirch . Nun gibt ' s zwar Freigeister , die alles auf die leicht Achsel nehmen - ( dabei ließ sie einen Blick an ihrem Manne hinstreifen ) - und Spülwasser löscht auch den Durst , wie das Sprichwort sagt ; aber noch sagen , man hab Gott