klang der Schlachtruf der Familie Martinowitsch , ihr heilig ' Erbtheil seit der Mordnacht der Weihnachten von 1703 : Sve Oslobod1 ! » Hier Czernagora ! « tönte der Gegenruf des Griechen , wie er sich aus den Wellen hob . Triumph ! Rettung ! Durch die Nacht strich ein weißes Segel daher - ein jubelnder Schrei klang vom dunklen Bord , - Arme streckten sich nach ihnen aus - das waren Freunde . Am Steuer stand der alte Beg , Hassan und der Vetter arbeiteten wie rasend an den Rudern - Stephana ' s , Bogdan ' s Arme streckten sich den Schwimmenden entgegen . » Muth ! « In der nächsten Minute hob Nicolas den erschöpften Freund über den Rand des Bootes in die Arme seines Weibes und warf sich selbst ihm nach . » Wendet ! Fort ! « Erschöpft lagen die Beiden auf dem Boden des rettenden Fahrzeuges , das unter dem kräftigen Druck des Alten sich von der Festung ab- und den Bergen zuwandte . Stephana ' s Angst und Ungeduld hatte die Hilfe gebracht , indem sie den alten Beg bewog , mit dem Boote während der Nacht sich den Festungswerken zu nähern , statt an der bestimmten Bucht des östlichen Ufers des Kahns mit den glücklich Entkommenen zu harren . Als der erste Allarmschuß über den See donnerte , wußte die Familie , daß die Flucht vollzogen , und der kühne Eifer trieb sie vorwärts , die eigene Gefahr verachtend . So war die Hilfe im glücklichen Augenblick erschienen . Die Czernagorzenfrau bedeckte den Gatten mit ihren Küssen . Im schwarzen Hochland sind die Weiber treu und voll aufopfernder Liebe . Obschon sie wegen ihrer wunderbaren Thatkraft von ihren Männern zu den schwersten Arbeiten gebraucht werden , erleidet ihre Stellung dadurch doch keine Erniedrigung , und die Frau ist in moralischer Hinsicht keinesweges bloß das Spielzeug des Mannes , wie dies nur zu oft in civilisirten Ländern der Fall ist . In Czernagora ist das Weib wahrhaft unverletzbar ; Fleiß , Keuschheit und Muth sind die drei schönen Tugenden , die sie zieren . Darum vertraut sie sich auch ohne Bedenken selbst dem Fremden , in der Gewißheit , daß er sich keine Unziemlichkeit gegen sie erlauben werde . Wagte er es dennoch , ihre Schaamhaftigkeit zu verletzen , so würde der Tod des einen oder des anderen Theils die gewisse Folge davon sein . Ein czernagorzisches Mädchen liebt nur in der Aussicht auf Heirath , den treulosen Verführer aber trifft der Tod . Diese heilig bewahrte Schaam und Sitte des Volkes wird das Furchtbare der nachfolgenden Scenen charakterisiren . Ueber dem Wiedergewonnenen hinweg reichte Stephana dem Griechen die Hand und konnte nicht enden in lobpreisenden Dankesworten für seine That . Auch der alte Beg und die Andern bezeugten ihm Dank und Achtung für die bewiesene Aufopferung und Treue , und mehr als ein Mal drohte das Gefühl bitterer Schaam ihn zu überwältigen . Das war um so lastender der Fall , als der alte Glaware2 den Hergang der Flucht zu wissen verlangte , und Gabriel , der sich an der Brust des treuen Weibes erholt hatte , eilig das Wort ergriff , den Freund aus der Verlegenheit zu ziehen , und der Familie kurz erzählte , wie Nicolas ihm Feile und Strick gesandt hatte , wie er verhindert worden sei , mit dem Kahne zu seinem Beistande zu erscheinen , und nun mit ihm zusammen schwimmend die Flucht versucht habe , daß diese aber durch einen Zufall zu früh entdeckt worden und ihre Verfolgung nach sich gezogen . Die Berathung , wie dieser am besten zu entgehen , nahm jetzt Aller Aufmerksamkeit in Anspruch . Der alte Beg war der Ansicht , daß sie jeder Gefahr glücklich entgangen seien , da der Pascha von Scutari schwerlich um der Flucht eines einzelnen Gefangenen willen viel Aufhebens machen und außergewöhnliche Mittel zur Verfolgung in Bewegung setzen würde . Gabriel und Nicolas jedoch schauten einander bedenklich an und waren der Meinung , man dürfe keine Anstrengung versäumen , um so rasch als möglich die czernagorzischen Ufer zu gewinnen . Ohne den Namen der Wölfin von Skadar auszusprechen , wußte der Grieche doch seine Besorgniß auch Stephana mitzutheilen , und sie gewann um so mehr Begründung , als die Gesellschaft bald darauf von der Höhe des Thurmes , dessen Kerkern Jene so glücklich entronnen waren , ein mächtiges Feuerzeichen emporlodern sah , ein Signal , das sonst gewöhnlich nur bei den Kriegsüberfällen üblich war , um den verschiedenen Posten entlang der Seeufer die Anwesenheit des Feindes zu melden . In Zeit von einer halben Stunde stammten links nach Antivari hin und rechts gegen das Hochgebirge bereits mehrere ähnliche Feuer an den beiden Ufern und verkündeten die Aufmerksamkeit in den verschiedenen Kastells . Der See von Skadar hat eine Länge von nahe an sieben Meilen bei einer wechselnden Breite von etwa zwei . Nur das nördliche und nordwestliche Ende , an dem sich die Moratscha und der Czernojewitsch in den See ergießen , wird von Czernagora selbst begränzt , und zwar im Norden von der Rietschka Nahia , im Nordwesten von der Czernitza Nahia . Die nördlich gelegenen Inseln gehören , wie bereits erwähnt , zwar zum Gebiet von Montenegro , sind aber nur zu Zeiten , namentlich während des Fischfanges , bewohnt . Man beschloß daher , die rechte Seite des Sees zu halten und die Ufer der Rietschka zu gewinnen , der heimischen Nahia des Alten , wo sein Ruf im Augenblick die Männer der zunächst wohnenden Plemen im Fall der Bedrohung herbeiführen konnte . Nachdem man dies gethan , wurden die Wachen bestimmt , um stets mit erneueten Kräften an den Rudern arbeiten zu können . Der alte Beg erklärte , das Steuer nicht verlassen zu wollen , - seine eisernen Muskeln widerstanden jeder Anstrengung . Die erste der Wachen hielten der Grieche , Hassan Lekitsch der Arnaut und der Vetter , Iowan genannt . Die beiden Letzteren waren an den Rudern beschäftigt ,