Seite lag , auffiel . Ich würde mich an dem Wagen nicht solange verweilt haben , wenn mir nicht das verwischte fürstlich Hohenberg ' sche Wappen an dem Schlage und das frisch und lebhaft darunter aufgetragene F.S. aufgefallen wäre . Ich fragte , wem die Kalesche gehörte . Es hieß : Dem Justizrath Schlurck . Ein lebhaftes Interesse , das ich an diesem Namen nehmen muß , veranlaßte mich zu bleiben und hinaufzusteigen in den Saal , wo Sie mich später fanden . Unten rief mich der Kutscher , ein brutaler Mensch , als ich ihm zusah , wie er den Schrein mit frischem Stroh umwand , mit groben Worten an . Ich gedachte meiner Blouse , blieb demüthig und machte die Bekanntschaft Schlurck ' s , der mir für mein Leben ebenso wichtig ist , als er es jetzt vielleicht auch Ihnen werden kann . Und auf wessen Zeugniß , fragte Dankmar im Ausbruch seiner jubelnden Freude , auf wessen Namen kann ich mich berufen , wenn ich von Schlurck mein Eigenthum zurückfodern werde ? Muß Dies sein ? sagte der Fremde zögernd und stieg von dem Wagen herab , während Dankmar die Zügel stark , aber auch den Fremden sanft festhielt . Daß Sie der Tischler nicht sind , sagte er dabei , der Tischler , für den Sie sich ausgaben , ist gewiß . Sie müssen mir das Zeugniß ausstellen , daß ich discret war und nicht in Ihr Geheimniß drang . Aber jetzt durch Ihre mir ewig dankenswerthe Entdeckung wird es mir zur Pflicht , Sie um Ihren Namen zu bitten ; denn ich weiß nicht , es ist mir , als wenn ich mit dem Finder nicht leichten Kauf haben werde . Schlurck ist ein Mann , der mir vorkommt , als könnte man ohne Zeugen und Proceß kein vor seinen Augen verlorenes Taschentuch wiedererhalten . Wie der Fremde noch zögerte und mit verlegenem Lächeln sich wegen seines Geheimnisses entschuldigen zu wollen schien , griff Dankmar , der nicht ohne Grund das Beispiel vom Taschentuche gewählt hatte , rasch in seinen Frack und langte das dem Fremden gehörende Tuch hervor : Hier ! sagte er , dieser Verlust muß uns näherbringen . Mein Taschentuch ! bemerkte der Fremde . Ihr Taschentuch ? Wirklich das Ihrige ? Das eingestickte Zeichen ... die Krone ? E. und die Zahl 100 ? Wohlan , mein Herr ! Ich will Ihnen das Geständniß erleichtern . Tauschen wir unsere Karten ? Damit zog Dankmar sein Portefeuille hervor und überreichte dem Fremden seine Karte . Dankmar Wildungen , sagte er , indem der Fremde seine Karte las ; Dankmar Wildungen , ein obscurer , junger Mensch , Prätendent des Glücks , wo er es findet , ein junger Jurist , Bürger kommender Jahrhunderte , ein Posa , den König Philipp mit dem entschuldigenden Titel : Sonderbarer Schwärmer ! entlassen haben würde , wenn er gerade in der Laune gewesen wäre , einmal von seinen Autosdafé sich auszuruhen . Nun denn , Sie junger , lieber Malteser ! sagte der Fremde , so will ich Ihr Carlos sein ; unter der Bedingung , daß Sie feierlichst geloben , mich nicht zu kennen , wo Sie mir hier auch in und um Hohenberg begegnen werden .... Mein Ehrenwort genügt ! sagte Dankmar mit ernstem Nachdruck . Lassen Sie uns Freunde bleiben , fuhr der Fremde fort . Ihre Offenheit kam aus edlem Herzen . Der Menschheit kann eine Zeit nicht verloren gehen , wo noch solche Flammen lodern wie in Ihrem Herzen , selbst wenn sie sich und Ihre Träume verzehren sollten . Aber nochmals ... Schwören soll ich ? sagte Dankmar lächelnd . Wobei wünschen Sie ? Der Fremde schüttelte den Kopf . Er hatte ein elegantes Portefeuille geöffnet , Dankmar ' s Karte hineingelegt und die seine hervorgezogen . Er überreichte sie Dankmarn mit einem herzlichen Händedruck , klopfte , wie zum Abschiede und Dank dem Gaul ein paar mal auf den schweißgebadeten Rücken und verschwand dann rasch hinter einem ganz in der Nähe befindlichen Gebüsch , von dem sich nach Plessen zu ein kleiner Fußweg durch die Wiesen schlängelte . Als Dankmar , unendlich glücklich über die vorläufige Beruhigung wegen seines ihm so werthvollen Verlustes , vorzog , nun erst am Fuß des Schlosses Hohenberg über Nacht auszuruhen , bis er zu der ihn jetzt magnetisch wieder zurückziehenden Hauptstadt umkehrte und er dann in leichtem Trabe nach dem unter dem Schlosse Hohenberg friedlich von der Abendsonne beleuchteten Flecken hinabfuhr , las er auf der Karte einen Namen , der ihn nach Allem , was er seither auf dieser Reise selbst erfahren und von Andern erzählt bekommen hatte , auf das angenehmste überraschen mußte . Die Visitenkarte lautete ganz einfach : Le Prince Egon de Hohenberg . 7 Rue d ' Auteuil . Zehntes Capitel Der Gläubiger vom Throne Das Schloß Hohenberg liegt auf dem ersten Vorsprung eines allmälig oberhalb des Fleckens Plessen sich erhebenden , unten mit Wiesen , oben mit Tannenwäldern bedeckten nicht unansehnlichen Bergrückens . In einem etwas schnörkelhaften Stile gebaut , besteht es aus einem dreistöckigen Hauptgebäude mit zwei fast gleich hohen hervorspringenden Seitenflügeln . Beide Flanken sind vorn durch ein etwas verwahrlostes , aber einst kunstvoll aus getriebenem Eisen verfertigtes Gitter verbunden . Das fürstlich Hohenberg ' sche Wappen aus verwittertem Sandstein gehauen , ziert oberhalb des Säulenportals die Spitze der über den Fenstern mit behelmten Römerköpfen gezierten Hauptfront . Im untern Stock gehen die Fenster wie Thüren auf den gepflasterten schattigen Hof , den in schöneren Tagen Orangenbäume zierten in großen buntgestrichenen Kübeln . Nach dieser durch große grüne Holzjalousieen noch gehobenen sehr stattlichen Vorderseite ist der emporgehende Fußweg unmittelbar von der Kirche und dem Pfarrhause zu Plessen her ziemlich steil . Sanfter aber dacht sich nach hinten der Berg so abwärts , daß man von dorther mit einem Umweg , der gleichfalls an der Vorderfront mündet , auch zu Wagen sehr bequem in dies einfache würdige Schloß gelangen kann . In den Zeiten der