, diesen von ihn selbst geschürzten Knoten zu lösen , nur vergrößerte , ja am Ende eine friedliche Lösung desselben gar unmöglich machte , wenn nicht ein Umstand eingetreten wäre , der ihn halb wider Willen dazu zwang , den Versuch der Lösung zu wagen , wenn er der Gefahr eines gewaltsamen Zerreißens vorbeugen wollte . Gegen Ende des Maimonats war ihre Freundin Therese in Begleitung ihres Gemahls von Potsdam zum Besuche herübergekommen , um sich nach langer Trennung persönlich von dem Befinden ihrer Jugendfreundin zu überzeugen . Es war natürlich , daß Lydia jener unglücklichen Fahrt nach Potsdam gegen Niemand , am wenigsten aber gegen die schuldlose Theilnehmerin an jenem Complott , die leiseste Erwähnung gethan hatte , und auch fest entschlossen war , darüber zu schweigen . Indessen konnte sie die tiefe Aufregung , in die sie durch den Anblick Theresens gesetzt wurde , weil ihr plötzlich jene Scene lebendiger in die Erinnerung zurückkehrte , vor den Blicken der Freundin schwer verbergen . Therese deutete aber den halb traurigen , halb forschenden Blick , den Lydia auf sie warf , ganz anders . Sie erwartete in zwei Monaten ihre Niederkunft und glaubte daher den schmerzlichen Ausdruck im Auge Lydiens aus dem Umstande erklären zu müssen , daß sie selbst sich dieser Hoffnung noch nicht hingeben köne . Mit jener offnen , fast rücksichtslosen Herzlichkeit , die bei gutmüthigen Naturen nicht selten mit einem Mangel an Zartgefühl verbunden ist , suchte sie daher , sobald die beiden Frauen allein waren , das Gespräch auf diesen Gegenstand hinzulenken , um einen in ihrem Sinne wohlgemeinten Trost zu spenden . Da Lydia nicht blos von ganz anderen Gedanken erfüllt war , sondern auch jene Veränderung an ihrer Freundin , wie diese mit Bestimmtheit voraussetzte , gar nicht bemerkt hatte , so konnte sie anfangs ihre Andeutungen gar nicht verstehen , trotzdem , daß sie ziemlich unverholen und ungeschminkt waren . Lydiens Erstaunen rief Seitens Theresens eine nicht minder große Veränderung hervor , bis die Letztere endlich , nachdem alle ihre Mühe , sich deutlich zu machen , an der vollkommenen Unwissenheit Lydiens gescheitert war , begriff , daß das , was sie ehemals für bloße » Prüderie « - gehalten hatte , wirkliche baare Wahrheit war . Ihr Schreck , ja ihr Zorn gegen Landsfeld erreichte , als ihr über das eigentliche Verhältniß zwischen den Gatten kein Zweifel mehr übrig blieb , einen so hohen Grad , daß sie , jede Rücksicht vergessend , nicht nur in laute Vorwürfe gegen ihn ausbrach , die Lydia zuerst mit Befremdung anhörte , dann aber mit Entrüstung zurückwies , weil sie sich selbst in der Seele ihres Gemahls beleidigt und gekränkt fühlte , sondern auch , um ihre Heftigkeit selbst zu rechtfertigen , es unternahm , in kurzen , aber nicht mißzuverstehenden Worten den Schleier herabzureißen , der bisher Lydiens kindlichen Sinn bedeckt hatte . Aber Lydia war weit entfernt davon , Alles , was sie eben gehört , für Wahrheit zu halten , theils weil die Weise , in der es ihr vorgestellt wurde , ihr reines Gefühl zu sehr beleidigte , theils weil , wäre es ihr auch in anderer zarterer Weise dargelegt worden , sie nie hätte glauben können , daß Richard , ihr Richard , dem sie sich mit so grenzenlosem Vertrauen hingegeben , wirklich so hätte handeln können , wie es ihre indiskrete Freundin sie glauben machen wollte . Mit vor edlem Zorn hochroth gefärbten Wangen sprang sie von der Bank auf , auf der sie neben Theresen auf dem Balkon gesessen hatte . » Schweige , ich bitte Dich ernstlich und zum letzten Male « - rief sie . » Willst Du , daß unsere Freundschaft bestehen soll , so darf ich nie wieder ein derartiges Wort von Dir hören , Therese ! « » Armes verblendetes Kind « - entgegnete diese , sie mitleidsvoll betrachtend . - » Doch ich will schweigen , wenn Du es verlangst . Denn Du hast vielleicht jetzt mehr als je meine Freundschaft nöthig . Aber - « In diesem Augenblicke kehrten die Männer aus dem Garten zurück . Als Landsfeld näher getreten war , bemerkte er die tiefe Verwirrung in Lydiens Zügen . Wie von einer Ahnung der Wahrheit durchbebt , erbleichte er . Ein zweiter Blick auf Therese sagte ihm deutlich , daß er sich nicht geirrt . Seine eigene Unvorsichtigkeit , die beiden Frauen allein zu lassen , und die indiskrete Schwatzhaftigkeit Theresens verwünschend , ging er auf Lydia zu , die ihn mit starren , fast zweifelnden Blicken ansah . » Was fehlt Dir , Lydia ? « - fragte er , seine Angst niederkämpfend , indem er ihre Hand ergriff , die eiskalt war . » Laß uns hineingehen , Richard « - sagte sie zitternd . » Es wird schon kühl draußen . « Es konnte hierin eine indirekte Mahnung an ihre Gäste liegen , daß es Zeit sei , sich zu entfernen . Wenigstens wurden die Worte Lydiens so verstanden . Denn Therese brach augenblicklich auf , um nach Hause zurückzukehren . Als die beiden Gatten allein waren , herrschte eine lange Pause . Lydia rang vergeblich nach Worten , in denen sie ihr Gefühl hätte ausdrücken können ; und Landsfeld wagte es nicht , diesem Gefühle , dessen Grund und Wesen er wohl kannte , Worte zu geben , aus Furcht , daß dadurch Lydiens Schmerz nur vergrößert werden würde , wenn sie sähe , wie gut sie verstanden werde . Denn wurde sie verstanden , so hatte auch ihre Freundin Recht und dann - sie schwindelte vor dem Abgrunde zurück , der bei dem Gedanken , Landsfeld könnte sich nicht aus Liebe mit ihr verbunden haben , vor ihren Füßen aufgähnte . Um das peinliche Schweigen zu durchbrechen , was wie ein Alp auf ihm lastete , sagte endlich Landsfeld : » Meine theure Lydia , ich glaube , es wird gut sein , wenn Du Dich bald zur Ruhe legst , Du