s auch Flaschen gewesen - man berechnet das nicht ! die Zeit vergeht so schnell - « » Die Frau Gräfin will heute nichts von Dir wissen . Geh mit meinem Jäger und schlaf Deinen Rausch aus .... aber den Mantel sollst Du nicht mit Dir herum schleppen . « Ernst hing den Mantel über einen Stuhl und ging niedergeschlagen ab . Mario nahm den Mantel und betrachtete ihn so aufmerksam , als ob er ihn hätte taxiren sollen , und so erfreut , als ob ihm ein Wunder der Welt in die Hände gefallen . Er war von dunkelrothem Atlas , mit weißem Tafft gefüttert , warm und leicht , um die Toilette nicht zu chiffonniren ; weich , um sich dennoch fest darein wickeln zu können . Vor Marios Phantasie schwebte Faustinens lieblicher Kopf über dem Purpurstoff , wie ein Stern über der Abendröthe , und ihre graziöse Gestalt hüllte sich in die reichen Falten , und ihre schneeweißen Hände blitzten draus hervor . Er drückte sein glühendes Antlitz fest in den Mantel , der weiche schmiegsame Atlas legte sich sanft wie ein Kuß an seine Wangen , an seine Lippen - mit einer heftigen Bewegung schleuderte Mario den armen Mantel weit von sich , holte tief Athem , strich ganz erschöpft die Locken aus der Stirn und schellte . Der Jäger kam . Er ließ sich entkleiden , doch unfähig schlafen zu gehen , setzte er sich an den Schreibtisch , um einen Brief an den Vater zu beginnen . Kaum saß er , so fiel sein Blick auf den Mantel , der an der Erde lag . Das ist aber kein Platz für etwas , was sie trägt - dachte Mario , stand auf , nahm den Mantel , küßte ihn , als wolle er ihn wegen der schlechten Behandlung um Verzeihung bitten , setzte sich zum Schreiben , behielt ihn dabei auf seinen Knieen , und schrieb nun wirklich so eindringlich und herzlich über Cunigunde , daß er der günstigsten Antwort gewiß sein durfte . » Das war ein guter Tag ! « sprach er halblaut nach Beendigung des Briefes ; ich habe den Engel in seiner Glorie gesehen , und ich habe ihm dienen dürfen . Er suchte die Ruhe , indem er sein Haupt auf den geliebten Mantel bettete , und durch seine Träume gaukelte , weinte und lächelte Faustine . Clemens erwachte früh , unbehaglich , wüst im Kopf , öde in der Seele . Der ganze gestrige Abend war ihm wie Geld unter den Händen weggekommen . Er konnte sich auf nichts besinnen . Er rief seinen Diener , einen stämmigen , untersetzten Burschen , den er aus Oberwalldorf mitgebracht . » Johann , « sagte er , » wer hat mich über Nacht hierher begleitet ? « » Das weiß ich nicht , gnädiger Herr . « » Kam ich allein ? « » Nein , gnädiger Herr ! ein sehr großer , blasser Herr , gewiß so groß wie Ew . Gnaden , aber viel dünner - und ein Jäger , kamen mit herauf . « » War ich denn krank , Johann ? « » Ne , gnäd ' ger Herr , das eben nicht , « sagte Johann mit stupidem Lachen . » Jesus Maria ! « rief Clemens entsetzt , » und ich war bei ihr gewesen ! unmöglich ! bin ich denn an Körper und Seele umgewandelt ? kann ich nicht mehr einen erbärmlichen Tropfen Weins vertragen ! « » Na , gnäd ' ger Herr , « sagte Johann begütigend , » ich sollte meinen , es wäre wol mehr als ein Tropfen gewesen . « » Ich will mich ankleiden ! « rief Clemens . Er that ' s im Fluge und stürmte eben so zu Mengen . Er haßte Mengen ; aber er wollte doch wissen , ob er Faustine auf irgend eine Weise gekränkt , und ob der Gehaßte ihn zum Dank verpflichtet habe . Mengen war noch nicht aufgestanden , doch Clemens ließ sich nicht abweisen . Jener befahl die Vorhänge aufzumachen , Clemens setzte sich vor sein Bett - und starrte ihn sprachlos an , denn der ihm wolbekannte Mantel Faustinens lag auf Marios Bett . Dieser hatte , plötzlich erweckt , den unseligen Mantel vergessen , er wußte nicht Walldorfs ungemessenes Staunen zu deuten , und wartete ruhig auf eine Erklärung desselben und des frühen Besuchs . Als aber Walldorfs Zähne hörbar zusammenschlugen , wähnte er , Clemens werde durch die Erinnerung an sein gestriges Betragen gedrückt , und deshalb sprach er freundlich : » Das kann wol einmal passiren , lieber Walldorf , und - « » O zum Teufel ! « rief Clemens außer sich , » der Mantel gehört - « » Der Gräfin Faustine ! « sagte Mario eiskalt , aber innerlich durchzuckte ihn ein gewaltiger Schreck über seine Unbesonnenheit . » Und das läugnen Sie nicht einmal ? « stammelte Clemens . » Warum sollte ich ? « fragte Mario unbewegt . » O , Faustine ! Faustine ! in welche Hände bist Du gefallen ! « jammerte Clemens und rannte durch das Zimmer . » Herr von Walldorf , Ihr gestriges Benehmen war zu begreifen und daher zu entschuldigen , Ihr gegenwärtiges ist aber weder das eine noch das andre . Haben Sie die Güte , mir Ihr Anliegen so kurz wie möglich vorzutragen , damit ich es so bald wie möglich erfüllen könne . « » Graf Mengen , wie kommt dieser Mantel hieher ? « » Auf diese Frage bin ich nicht Ihnen , sondern der Gräfin Faustine die Antwort schuldig ; daß ich ihr diese Rechenschaft nicht schuldig bleiben werde , davon mögen Sie später Zeuge sein . Uebrigens , Herr von Walldorf , bitte ich Sie , meine Verehrung für diese liebenswürdige , schutzlose Frau niemals nach der Ihren zu beurtheilen , welche für diese letzte Eigenschaft einen empörenden Mangel an Rücksicht an den Tag gelegt . «