- So habe ich doch wirklich einen wahren , wirklichen Mann gesehen . « » Im Traum also ? « fragte Don Cesar . » Wie Ihr sprecht ! « rief sie lebhaft ; » gar nicht , wie ein Poet , sondern wie ein Krämer , der alles mit der Elle ausmißt : Euern Don Giuseppe mein ich , oder wie er sich nennen mag . Ich freue mich , ihn wiederzusehn , von ihm zu hören und zu lernen , denn jedes Wort ist gewichtig , das von seinen Lippen fällt . « » Ihr seid begeistert « , erwiderte der Freund sehr ernst ; » wäre der Mann noch jung , aber er ist ohngefähr von meinem Alter so würde ich Wunder was von Euch denken . « » Was Ihr wollt ! « rief sie unwillig : » immer und ewig muß ich das alte , abgedroschene Märchen von Jugend und Alter wieder hören . Wer ist denn jung ? Ist es denn etwa mein uraltes , längst gestorbenes Männchen , dieser Peretti , weil er blonde Haare und rote Wangen hat ? Alle sprechen immerdar von der Unsterblichkeit , von der hohen Würde ihrer Seele , und geben dann doch dem Kleide , dem rohen Überzuge den Vorzug . Jugend ! ist sie nicht eine Einwohnerin des Himmels und der seligen Gefilde ? Läßt sie sich denn in trägen Gefühlen , in albernen Gedanken beherbergen ? - Ich kann es jetzt ahnen , wenn auch noch nicht verstehn , was die Liebe zum Manne sein möchte . Und wenn mir diese Vision , die Gotterscheinung nahe tritt - wer hat ein Recht , sie zurückzuhalten ? Wer ist es , der fordern darf , ich soll mich von dieser Weihe abwenden ? Weshalb ? Wem habe ich es versprochen , mir , oder ihm , oder Gott , daß ich diesen kleinen Francesco lieben will ? Lieben ! als hätte ich nur gewußt , was das Wort zu bedeuten habe . « » Armes Kind ! « sagte Caporale , » jetzt muß ich selbst fürchten , die Vermutung , die im Scherz neulich ausgesprochen wurde , sei eine richtige : daß ich Euch nämlich einen alten Banditen ins Haus gebracht habe . Denkt nur , ich spreche heut bei ihm vor - alles ist verschlossen - endlich , nach vielem Klopfen öffnet ein altes Mütterchen . Er sei schon vor Sonnenaufgang abgereist , kein Mensch wisse , wohin , keiner , ob , oder wenn er wiederkomme : das sei einmal so seine Art und Liebhaberei . Keine Seele könne auch von seiner Hantierung Rechenschaft geben , denn sooft er das Haus betreten , sei er so schweigsam , wie das Grab ; auch dürfe man ihn nicht viel fragen . Kurz , er ist ein Rätsel . Und wohin ? Warum ? Da er Euch , wie er mir so lebhaft versicherte , heut abend wieder besuchen wollte ? Da er von Euch , Euren Gaben , Eurer Schönheit , so entzückt ist ? Da er ebenso schwärmerisch von Euch spricht , wie Ihr von ihm ? Könnt Ihr Euch diese Seltsamkeit erklären ? « » Jetzt erst weiß ich « , sagte sie , » daß ich unglücklich bin , ich weiß es , bis dahin träumte ich es nur . « - Sie lehnte das Haupt auf die Schulter des Alten und weinte heftig - » Ihn nicht wiedersehen ? Er sollte ein Verräter , ein Mörder sein ? - Meinethalb . Und wenn er mir entschwunden ist , wenn er dem Hochgerichte angehört , wenn er ein Bettler ist , meine Seele ist auf ewig mit der seinigen verkettet . - Versteht Ihr mich , Alter ? Ihr , der dieselben Jahre , ebenso viele Sommer hat kommen und schwinden sehn , wie er ? - Ja , wenn Ihr nur auch vom Trank der Unsterblichkeit gekostet hättet ! - Aber Ihr seid nur ein eingefleischter alter Mann , zähe und unwandelbar , aber dabei gut , wie ein Lamm . Ob Euch wohl jemals das Lieben angewandelt ist ? - Ihr seid bei alledem ein komischer Patron . « Sie warf die dunkeln Haare nach hinten , die ihr in das Gesicht gefallen waren , stieß ihn gelinde zurück und lief laut lachend nach einer fernen , dunkeln Laube , in welcher sie sich verbarg . Don Cesar stand wie betäubt , schüttelte das Haupt und sagte halb verdrießlich , indem er den Garten verließ : » Es ist eine unangenehme Sache , der Vertraute von Personen zu sein , die über der Linie der gewöhnlichen Menschen stehen . « Zweites Kapitel Don Giuseppe , der am Abend erfahren hatte , daß Malespina am folgenden Morgen wieder nach Florenz zurückreisen würde , hatte , da ihm ein plötzliches Geschäft zugekommen war , sich schnell entschlossen , mit diesem unterrichteten Manne die Reise gemeinschaftlich zu machen . Noch in der Nacht war die Abrede genommen worden , und sie waren schon früh , vor Anbruch des Tages außerhalb der Tore Roms . Der gesprächige Malespina beantwortete gern , soweit er konnte oder durfte , alle Fragen des wißbegierigen Lombarden und sagte unter anderm : » Es ist gewiß und augenscheinlich , daß unsre Zeit so vieles an das Licht bringt und zur Wirklichkeit macht , was ganz die Gestalt hat , wie es jene Märchen liebende Poeten erzählen . Darum darf man sich auch nicht wundern , wenn vieles , das auf die Dauer bestehen sollte , sich ebenso schnell entwickelt und plötzlich beschließt , wie es unerwartet aufgetreten war . Wie arm und hülfsbedürftig kam diese jetzt allmächtige , kluge Bianca Capello mit dem jungen armseligen Gatten flüchtig von Venedig . Der junge Prinz Francesco sah sie ; bald war sie seine Geliebte : so schlau und verständig ist dieses schöne Wesen , daß er jetzt nach dreizehn Jahren noch ebenso leidenschaftlich ihr ergeben ist , wie in den