er bat es sich aus , in Stirlings-Bai in der größten Einsamkeit die anberaumte Zeit verleben zu dürfen , indem er die gemachte Bekanntschaft mit dem Geistlichen eingestand , und damit des Grafen Besorgnisse für den Mangel aller Geselligkeit zerstreute , da auch er für Sir Reginald eine große Hochachtung hegte . Keinesweges war die Marschallin von Crecy so schnell zu beruhigen . Sie hatte den Brief ihres Sohnes empfangen , dessen wir bereits gedacht , und augenblicklich erkannt , ihm müsse ein ganz besonderer Eindruck gekommen sein , den sie unmöglich seinen Hausgenossen zuschreiben konnte und daher unter den Gästen suchen mußte , von deren Anwesenheit dieser Brief sie unterrichtete . Noch zögerte sie gegen sich selbst mit dem gefürchteten Geständnisse , dies könne ein Herzenseindruck sein ; denn sicher gemacht durch die bloße galante Neigung ihres Sohnes zu Frauen , hatte sie sich der Hoffnung überlassen , Alles , was er darüber zu erfahren nöthig habe , werde er dereinst auch durch sie empfangen , durch die ihm von ihr bestimmte Gattin . Sie war zu kalt , zu sehr Weltfrau , um großen Werth auf eine mögliche unzeitige Herzensaffektion ihres Sohnes zu legen , im stolzen Selbstvertrauen sich überzeugt haltend , sie würde niemals ihren Plänen für die Zukunft entgegen treten können - aber dennoch berührte es sie unheimlich , als ein neuer Beweis , wie viel Selbstständiges sich in ihm zu entwickeln begönne ; und ihr Antwortschreiben war so eingerichtet , ihm zu genaueren Mittheilungen Veranlassung zu geben , da sie näher kennen wollte , was geschehen , ehe sie einschritte . - Auch gelang ihr dies vollkommen ; denn Leonin , entzückt von dem milden mütterlichen Tone dieses Briefes , legte ihr nun seine Pläne für die Zukunft dar , indem er sich unbefangen über den Werth seiner zu erwartenden Besitzungen freute , und seine Absicht aussprach , auf Ste . Roche fürs Erste zu leben , und dort Wohlthaten und Verbesserungen jeder Art zu häufen . Er fügte mit kindlicher Zärtlichkeit hinzu : wie er dann hoffe , auch sie werde dort gern weilen , wenn er ihr eine Tochter zuführen könnte , ihrer würdig , und mit ihm vereint bemüht , ihr das Leben zu erheitern . Zwar hielt ihn eine ahnungsvolle Scheu zurück hinzuzufügen , wie weit er mit dieser letzten Zusicherung selbst sorgend gekommen war , aber dies war auch für die Fürsten Soubise nicht nöthig , denn sie hatte genug vernommen , um zu wissen , ihr Sohn habe ohne sie eine Lebensgefährtin gewählt , genug , um plötzlich aus ihrer Sicherheit über ihn zu erwachen , genug um die Kräfte ihres intriguanten Geistes herbei zu rufen , denn dieser Mutter konnte nur einfallen , um jeden Preis zu hindern , was sie nicht beschlossen ; Bedenklichkeiten bei solchen Schritten waren ihr fremd , weil sie Niemand so liebte oder achtete , um auf dessen Wünsche oder Ansichten , den geringsten Werth zu legen . Nur auf welche Weise sie hier am zweckmäßigsten einschritte , blieb ihr ungewiß . Doch ihre Unruhe , ihre Ueberraschung und ihr Schrecken sollte noch steigen , als sie sich endlich entschlossen hatte , ganz absichtslos erscheinend , die Veränderung in der Gersey ' schen Familie zu einer schnelleren Zurückberufung ihres Sohnes zu benutzen , ihm ihr Bedauern ausdrückend , daß ihr Wunsch ihn an einen Ort habe fesseln müssen , der so wenig Reiz für ihn haben könne , und wie sie ihm ihr Schloß Moncay bei Paris anböte , wohin sie sich mit seinem Vater zu seinem Empfange begeben wollte , wenn er bis zu seiner Majorennität vorzöge , vom Hofe entfernt zu leben . Leonin ' s Antwort überhüpfte leichten Fußes den ganzen schwerfälligen Inhalt dieses wohlberechneten Briefes , und wie ein Schäfer an seine Geliebte , antwortete er heiter und in glückseliger Laune scherzend , wie Stirlings-Bai nichts Abschreckendes für ihn habe , und die herrlichen Wälder , die reizenden Thäler in der Zauberluft des Herbstes zu durchstreifen , ihm einen Genuß gewährte , womit er nichts zu vergleichen wüßte , und der Gedanke , damit zugleich ihre früheren mütterlichen Wünsche zu erfüllen , ihn entschlossen machte , hier genau so lange zu bleiben , daß ihm blos Zeit bliebe , zu dem nothwendigen Augenblicke seiner Majorennitätserklärung in Paris einzutreffen . » Also , er faßt eigene Entschlüsse ! « rief die Marschallin , als sie diesen leichten , spielenden Brief gelesen hatte - und ganz überwältigt von dieser Vorstellung , blieb sie in ihrem Stuhle sitzen , unfähig sich zu fassen . » Und zurück muß er dennoch ! « fuhr sie , sich emporringend , fort , » zurück muß er , und ich muß erfahren , was ihn dort zu fesseln vermochte ! « - Ihr langes Nachdenken gab ihr , wie immer , die Mittel an die Hand , die sie zu ihren Zwecken bedurfte , und leider ließ es sie jetzt ein zu jeder That bereites Individuum wählen , dessen erprobte Theilnahme in allen Fällen ihr dasselbe zu einem Freunde erkoren hatte , den Begriffen von Freundschaft gemäß , die zwei solche Menschen nähren konnten . In dem Hause der Marschallin von Crecy lebte ein junger Mann , den Alle Marquis de Souvré nannten . Seine Erziehung war in dem Kollegium zu Clermont geleitet worden und jedenfalls auf größere Ansprüche berechtigt gewesen , als der frühe Tod beider Aeltern und ein zerrüttet befundenes Vermögen später zuließen . Diese Täuschung , die er in einem Alter erfuhr , wo er mit dem ganzen Uebermuthe eines hochmüthigen und sinnlichen Charakters dem Leben schon jeden materiellen Genuß abgefragt , und von der Magie des Reichthums eine um so höhere Idee gefaßt hatte , als er gefunden , wie sie am leichtesten die Wege des Lasters verdecke , erfüllte ihn mit der bittersten Empörung gegen ein Loos , das ihm nur noch eine sparsame Revenue und ein dadurch heruntergekommenes Ansehn in seiner ganzen gesellschaftlichen Stellung übrig ließ , Er grollte