, und ich selber mit , hinübergelaufen , um den Skandal anzusehen . Und nun soll ich einen solchen giftigen heidnischen Hund vor meiner Herrschaft und allen Dienern und den Fremden vorstellen . Das überleb ich nicht . « Elsheim nahm den alten Mann , der ganz außer sich schien , beiseit und ging in der Lindenallee lange mit ihm auf und ab , um ihn durch gütliches Zureden zu beschwichtigen . Leonhard beobachtete aus der Ferne ihr lebhaftes Gespräch , und als sich die Freunde am Abend wieder trafen , sagte der Baron : » Nun fängt das Leiden der Komödie auch schon an , daß die Menschen nicht mit ihren Rollen zufrieden sind . « Es vergingen nun mehrere Tage unter mancherlei Zerstreuungen und verschiedenen Arbeiten . Das Theater war unter Anleitung Leonhards und des Barons Mannlich schon bedeutend vorgeschritten ; man hatte die Leseprobe gehalten , zu unendlicher Ergötzlichkeit der kleinen mutwilligen Dorothea . Denn bei Abschrift und Austeilung der Rollen hatte es sich erst erwiesen , daß man eine der hauptsächlichsten bis dahin völlig vergessen hatte , den muntern , herrlichen , treuen Georg nämlich . Nun bat man dringend und freundlich , daß Dorothea diesen , statt ihrer Zigeunerin , übernehmen möge , und sie ließ es sich endlich gefallen , in der Tracht eines Knaben aufzutreten . Beim Lesen ihrer Rolle wendete sie manche Stellen höchst mutwillig so , daß es wie Verspottung der zerstreuten und vergeßlichen Direktoren klang . » Da flog das Meislein auf ein Haus und lacht den dummen Buben aus « , klang , von ihrem Gelächter akzentuiert und durch ihre Blicke kommentiert , für den Baron Mannlich fast etwas zu anzüglich . Indessen ließ sich seine ehrenfeste Haltung von dem kleinen Schadenfroh , wenn auch einige mitlachten , nicht aus der gesetzten künstlerischen Fassung bringen . Leonhard hatte auch schon einen Brief von seiner Frau durch seinen Freund erhalten , nachdem er ihr sogleich nach seiner Ankunft auf dem Gute geschrieben hatte . In seinem Hause stand alles gut , und so war er jeder Sorge enthoben . Ein Teil der Gesellschaft hatte sich bei dem schönen Wetter auf die Reise begeben , um einige theatralische Vorstellungen in einer namhaften Stadt , wo sich derzeit eine gute Schauspielertruppe befand , anzusehen . Der Ort war zwar eine ganze Tagereise entfernt , indessen bestand diese Sommergesellschaft , die sich auf dem Landhause versammelt hatte , aus Menschen , die mit der Zeit etwas großmütig umgehen konnten , weil sie , Leonhard abgerechnet , alle ohne Beruf und Beschäftigung waren . Elsheim vorzüglich betrieb diese Reise , da er sich von der Langeweile und Anstrengung erholen wollte , die ihm die gerichtliche Übergabe des Gutes verursacht hatte , wobei die Förmlichkeiten , die Gerichtspersonen , das Zeremoniell und alles , was zu dergleichen Akten gehört , ihn wirklich sehr verstimmten und ihm in diesen Tagen für sein Theater und die poetischen Ergötzlichkeiten keine Zeit übrigließen . Als die jungen Leute nach vier Tagen etwas ermüdet zurückkamen , so wendeten sie sich wieder zu ihren theatralischen Belustigungen . Es war jetzt auffallend , wie oft man Leonhard mit Charlotten im eifrigen Gespräche sah , und wie die Schweigsame eilig in Fragen und Antworten war . Elsheim beobachtete sie lächelnd aus der Ferne und wendete sich zuweilen an Dorothea , um mit dieser über das Bündnis zu scherzen , welches jene beiden auf dieser Reise geschlossen zu haben schienen . Dorothea selbst aber war unterweges der schwermütigen Albertine viel nähergekommen , und es bildete sich schnell eine vertraute Freundschaft unter den beiden jungen Mädchen , von denen jedermann bisher geurteilt hatte , da ihre Art und Weise so völlig verschieden war daß sie sich niemals einander nähern würden . Unter den Männern verbanden sich , sowie Elsheim den Baron Mannlich mehr vernachlässigte , dieser und Graf Bitterfeld mit jedem Tage inniger . Der Graf bewunderte die ausgebreiteten Kenntnisse seines neuen Freundes , so wie er immerdar von seiner Biederkeit gerührt wurde . Mannlich war gegen diese Anerkennung sehr dankbar , und übersah mit Freundlichkeit die Unwissenheit seines Genossen , dessen edles Herz und Menschenkenntnis er um so höher stellte . Am einsamsten schien sich der Professor Emmrich in diesem bunten Zirkel zu befinden . Er studierte viel in seiner Gartenwohnung , die ihm Elsheim , weil er des Freundes Launen kannte gern eingeräumt hatte . In diesem abgelegenen Pavillon sah die Dienerschaft noch oft Licht , wenn im Schlosse schon längst alles zur Ruhe gegangen war . Emmrich hatte es sich schon früh angewöhnt , in der Nacht fast mehr als am Tage zu leben ; er bedurfte nur wenigen Schlafs und weniger Nahrung und hielt in seiner bizarren Laune das meiste von dem , was andere Menschen Naturbedürfnisse nannten , nur für Angewöhnung und Nachgiebigkeit gegen Schwächen . So konnte er lange fasten , viele Meilen dabei zu Fuß gehen , ohne sich ermattet zu fühlen , und er gestand , daß er fast niemals Hunger oder Durst empfinde und sich ebenso ohne Anreiz , nur mit willkürlichem Vorsatz an die Tafel begebe , wie er sich zum Schlafe endlich niederlege , ohne sich jemals überwacht zu fühlen . Diese seltsame Lebensweise war auch die Ursache , daß sich viele Menschen vor ihm fürchteten , welche unheimliche Furcht sein klarer Verstand und unbestechliches Urteil noch vermehrten . Denn viele Menschen mögen mit sich selbst und ihren sogenannten Freunden nur in einer gewissen Dämmerung leben , wo nichts bestimmt gesehen und unterschieden , wo nichts scharf ausgesprochen wird . Um so schlimmer , wenn diese einmal aus ihrem Schlaf erwachen . Darum erregt es dem Menschenkenner kein Erstaunen , wenn so oft Freundschaften , die innig schienen , sich um eine Kleinigkeit lösen und zuweilen sogar in bittern Haß verwandeln . Am meisten war Emmrich mit der verständigen Tante in Gesellschaft , und es war sichtlich , daß auch er Albertinen , welche von der Tante vorzüglich geliebt wurde , den übrigen jungen