. Hören Sie die Geschichte meiner Bekehrung ; es kommt weder von Heilandskassen noch von Zeichen und Wundern etwas darin vor ; ach , und sie hat mir nichts eingetragen , als Schmerzen und Dornen ! « Zwanzigstes Kapitel Eine Bekehrungsgeschichte » Ich war Protestant , d.h. ich wurde in dieser Konfession eingesegnet . Der Religionsunterricht der Katechumenen hatte sich mehr über Naturgeschichte und Physiologie , als über den Katechismus verbreitet . Der Prediger , welcher diese Stunden abhielt , war der Meinung , daß dieselben auf solche Weise noch immer nützlich zu machen seien . Unser Lehrer galt in der Stadt überaus viel . Er besaß die schönsten geselligen Tugenden , erheiterte wöchentlich einen großen Kreis durch Knittelverse und Gelegenheitsgedichte , und wenn er unter ganz vertrauten Personen war , ging seine Vorurteilslosigkeit so weit , hin und wieder auch ein Tänzchen oder ein Pfänderspiel nicht zu verschmähn . Ich stand den übrigen Knaben an Kenntnissen vor , wurde wegen meiner raschen Antworten sehr gerühmt , und wußte mir viel mit dem erhaltnen Lobe . Auch an verliebten Blicken zu den Mädchen hinüber und von ihnen herüber fehlte es nicht . So war ich zur Ablegung meines Glaubensbekenntnisses vorbereitet worden , und meiner Meinung nach fest in demselben , kam ich nach Rom . Erwarten Sie hier keinen Mortimer . Ich kann wohl sagen , daß der Glanz , das Geflitter und der rauschende Pomp , wovon das Leben der Kirche dort begleitet wird , nicht auf mich eingewirkt haben . Ich freute mich an diesen bunten Dingen , ohne daß sie mich religiös berührten . Aber ein andrer Einfluß begann allmählich mich umzugestalten . Sie waren dort , und wissen , welche Stille über so manchen Plätzen und Winkeln , über Trümmern und Schädelstätten , bei den Gräbern der Märtyrer , in den Hallen der weniger besuchten Kirchen und Kapellen weilt . Wer in Rom nicht fühlt , daß der Mensch ein Nichts ist , und wem nach dieser Empfindung , die zum Nichts führt , kein tröstender Geist , riesenhaft und doch vertraulich zuspricht , der muß ein verwahrlosetes Herz haben . Überall sah ich Geschichte , überall trat ich auf Boden , den vor mir Menschen beschritten hatten , durch welche die Welt verwandelt worden war ; wie kümmerlich kam ich mir mit meinem neuen Sinne , mit meinem aus bunten Läppchen zusammengeflicktem Wesen unter dieser Herrlichkeit des Todes vor ! Ich kann Ihnen die Versichrung geben , daß ich anfangs an nichts weniger dachte , als an eine Religionsverändrung . Ich besah Gemälde , Antiken , Ruinen , Paläste , Kirchen , war ein Reisender , wie es deren Tausende gibt . Aber nach und nach ward mir , als ob aus der Gewalt aller dieser verschiedenartigen Erscheinungen doch nur eine Stimme rede . Ich horchte zu , und siehe , es war die Stimme Gottes . Da wurde ich nachdenkend , und je mehr ich hörte , desto fühlbarer weitete sich mein Innres . Ich wüßte von diesem Zustande keine Beschreibung zu machen . Meine Brust baute sich wie mit granitnen Pfeilern und Bogen himmelanstrebend aus , mein Herz hing und brannte in dem neuen Heiligtume , wie die ewige Leuchte , und ein Choral , ernst , wie das Gespräch der Dreieinigkeit mit sich selbst , durchtönte es . Ich tat nichts zu diesen Sachen ; es wurde etwas in mir , ohne mein Verdienst , ja ohne meinen Willen . Auch fehlten nicht die düstern gramvollen Stunden . Ich sah nicht bloß die Wunder Roms , ich sah auch den Violettstrumpf , den hinterhaltig lächelnden Monsignore , die Schnörkel an der Monstranz , die zerstreuten Blicke sogenannter Andacht ; wie sie dem Volke aus jeder heiligen Handlung eine Komödie zubereiteten . Diesen Wust , diesen Trug , all die Alfanzerei , welche sich darum und daran gehängt hat , willst du mit in den Kauf nehmen ? fragte ich mich erbleichend . Meine Seele spaltete sich , ich hatte verlassen , was mir zugehörte , und konnte das andre noch nicht ergreifen . Die Karwoche kam heran . Ich hatte mich einem alten Priester anvertraut , und ich müßte die Unwahrheit sagen , wenn ich behauptete , jemals Künste der Überredung von ihm erfahren zu haben . Alles , was man in dieser Beziehung in Deutschland über mich verbreitet hat , ist eine Erfindung . Er riet mir , mich in Ruhe und Sammlung zu erhalten , dann werde mir von selbst das Rechte gezeigt werden . Seine Kirche sei zwar die Spenderin der alleinigen Wahrheit , aber auch zur Wahrheit komme man nur vorbereitet . Ich erlangte durch seine Vermittlung während jener Periode Aufnahme im Kloster der Passionisten , wohin sich , wie Sie vielleicht erfahren haben , gegen die Osterzeit fromme Gesellschaften zurückziehn , um sich zum Feste in der tiefsten Stille geistlich zu rüsten . Man wußte , daß ich noch nicht übergetreten war , gewährte mir aber den Aufenthalt unter der Bedingung , daß auch ich mich der Regel des Hauses fügen wolle . Wer jene Lebensweise erwählt , scheidet sich während der Dauer seines Verweilens völlig von der Außenwelt ab . Kein Brief , keine Nachricht darf von jenseit der Klostermauern zu den Genossen der Übungen dringen . Letztre sind fest bestimmt , und nehmen fast den ganzen Tag , auch einen Teil des frühen Morgens ein . Jeder hat seine Zelle , auf welcher er von niemand Besuche empfangen darf . Selbst bei dem Mahle , welches gemeinschaftlich ist , sind weltliche Gespräche untersagt . Das war nun ein Leben , wie man es nirgends wieder findet , ein eigentliches Leben im Geiste . Ich gestehe , daß gerade dort , zwischen den Wänden meiner Zelle , in mir die schwersten Zweifel aufstiegen . Ist diese Absondrung menschlich ? Lauert nicht auch hier die Schlange unter den Blumen ? Werden sich deine Mitgenossen , wirst du selbst dich nicht von solcher Entbehrung in gedoppelter Lust und