Przemysl unser Geschlecht verachtet , und ein arger Feind unserer liebsten Hoffnungen ist , habe ich schon , als unsere hochseelige Fürstin noch lebte , ahnungsvoll in meinem Geist erschaut . Und seinen Sohn , den ihm Libussa geboren , wird er gewißlich dazu anhalten , daß er unserer noch viel weniger achtet . Auf also , auf , ihr Jungfrauen der Libussa ! Es gilt einen Entschluß zu fassen , daß wir und unser Geschlecht nicht schmählicher Dienstbarkeit , die uns droht , anheimfallen ! Das Weib muß frei sein , sonst ist es verachtungswürdig , denn zur Freiheit haben die Alles wohlbedenkenden Götter nicht bloß den Mann erschaffen ! Die Freiheit ist überall und in jedem Herzen , das Flügel hat , um sich über das Gemeine zu erheben ! Hier endete die herrliche Wlasta ihre Rede , und ließ sich mit einem lauten , brustzersprengenden Seufzer unter einen Baum sinken . Dann stützte sie das schöne , gedankenvolle Haupt in die Hand , und saß lange , von einem wunderbaren Tiefsinn umfangen , da . Die Andern schwiegen bange , und es war still und heimlich wie in einer Kirche . Alle blickten nur mit scheuen Augen auf die tiefsinnig gewordene Jungfrau hin , und es war ihnen , als müßten sie noch bedeutsam geheimnißvollen Worten aus ihrem Munde entgegenlauschen . Der Wind flüsterte mit düster raschelnder Zunge über ihnen in den Wipfeln der uralten Eichen , ein großmächtiger Adler flog mit verworrenem Geschrei auf aus einem Spaltenriß des Berges , tiefhängende Wolken verfinsterten die Fernsicht , es wurde eine seltsame magische Dämmerung ringsher um die näher an einander geschmiegten Mädchen . Da rief Stratka , eine liebliche Brünette , plötzlich : Sehet , es ist über Wlasta der Geist Libussas gekommen , der Geist der Weissagung ! Und Wlasta streckte die Hand aus , und das strahlende Gesicht umflog eine dunkle trunkene Röthe . Sie setzte sich hoch aufrecht , es schien Allen , als sei das wunderbare Mädchen größer und ihre ganze Gestalt leuchtender geworden . Dann wies sie mit dem Finger in die Ferne , und sprach : Ich sehe die Zukunft . Dort hinten steigt sie in schwankender Gestaltenreihe aufwärts , und wälzt sich bis zu mir heran , und beginnt mit meinem Geist vertrauliche Gespräche . Die Sterne über mir fangen an golden zu erglänzen , wie in schöner Mainacht , und Libussa sitzt groß in den Wolken , und reicht mit ihrer Hand von oben bis tief in mein Herz . Sie schreibt die Schrift der Sterne eifrig in meine Gedanken ein , und ich halte süßbewegt still , wie wenn ein Gott mich berührte . Und die Schrift der Sterne ist es , die mich lesen läßt , was die hinten schwankende Zukunft bedeutet . Und Wald und Strom , und Vogel und Blume , und Luft und Licht werden lebendig , und reden ein Wort mit , und ich kann Alles verstehen , was ist und kommen wird . Ich sehe und verstehe großes Unheil , immerwährende Kriege , gespaltene Meinungen , himmelstürmende Verzweiflung , philosophischen Jammer und politische Leidenschaft , jedem Jahrhundert seine Seuche und jedem Menschenherzen seinen Todesschmerz . Und bebend frage ich die Geister der Zukunft um unser Geschlecht , ob es frei sein wird ? Und seht , seht , seht , es treten aus dem Nebelglanz der Ferne seltsame Gestalten vor mich hin . Unser eigenes Schicksal kann ich nicht erkennen , denn der Geist darf sich nicht selber schauen , das verwehrt das Verhängniß . Aber ich höre Waffen an mein Ohr schlagen , und die Blüthe meines Busens zwingt sich wie in einen eisernen Kriegspanzer , und eine breite Wunde bohrt sich bis in mein Leben hindurch . Nun sehe ich schönere Jahre herankommen , ein lyrisches Zeitalter der Frauen sprießt auf . Die Poesie schmückt sie , die Minne verherrlicht sie , und das Ritterthum holt seinen Dank aus ihren huldspendenden Händen . Auf dem Söller blinkender Schlösser stehen sie freundlich da , und begeistern durch ihren Anblick zum Sieg in der Schlacht , zur Sitte im Leben , und zur Ehre im Wandel . Aber das Zeitalter der Minne macht das Weib nicht frei . An Haus und Heerd und an die Stille des Zwingers gebannt , überläßt sie des Lebens freie Bewegungen den Männern . Dann sehe ich fromme Gesichter meines Geschlechts , betende Jungfrauen in dunkeln Zellen , verzückte Mädchen , welche die Gewalt eines Gottes ergriffen haben muß . Alles große Versuche des Weibes , sich zu befreien , und über das gemeine Alltagsloos ihrer Bestimmung sich zu erheben zu höherer Erleuchtung des Geistes . Aber auch die Mystik und die beschauliche Klosterzelle macht das Weib nicht frei . Es verliert sich in Gott , und überläßt des Lebens freie Bewegungen den Männern . Und ich sehe eine liebliche Jungfrau , die erst die Lämmer im Thal weidete , dann , vom Geist gerufen , den Helm auf ihr Haupt setzte , und gegen die Feinde des Vaterlandes in die Schlacht zog . Sie will zeigen , daß das Weib auch ein Vaterland habe , und Alle folgen jauchzend dem Mädchen aus Orleans , und siegen unter ihren jungfräulichen Bannern . Aber dann naht das alte schwarze Verhängniß unseres Geschlechts , und es ruht ein Fluch auf der That , weil sie ein Weib vollbracht hat . Sie können es nicht glauben , daß das Weib vom Vaterlandsgeist getrieben wird , und verbrennen die Zauberin . Das Weib hat kein Vaterland , sie können es dem hohen Mädchen aus Orleans nicht glauben . Auch die Vaterlandsbegeisterung macht das Weib nicht frei , und es überläßt die Freiheit der öffentlichen Bewegung den Männern . Jetzt sehe ich eine Kirchenversammlung von großen und gelehrten Männern , wo eigens untersucht und mit den genauesten Gründen und Gegengründen gestritten wird , ob die Frauen Menschen seien ? Dann dringt mein Auge weiter und weiter durch den Schleier der Jahrhunderte , und