du immer auf freier Wiese gehest , wo die Sonne so sehr blendet , so hat er dir diese langen Augenschatten wachsen lassen . « Die Gänse drängten sich an ihre weinende Hüterin und zischten mich und die lachenden Kinder an , könnt ich malen , - das gäb ein Bild ! Gut ist ' s , daß ich nicht viel von dem weiß , was in der Welt vorgeht , von Künsten und Wissenschaften nichts versteh , ich könnte leicht in Versuchung geraten , Dir darüber zu sprechen , und meine Phantasie würde alles besser wissen wollen , jetzt nährt sich mein Geist von Inspirationen . - Manches hör ich nennen , anwenden , vergleichen , was ich nicht begreife , was hindert mich , danach zu fragen ? - Was macht mich so gleichgültig dagegen ? Oder warum weiche ich wohl gar aus , etwas Neues zu erfahren ? - Am frühen Morgen Ein Heer von Wolken macht mir heute meine frühe Wanderung zu Wasser , dort drüben die Ufer sind heute wie Schatten der Unterwelt schwankend und schwindend ; die Turmspitzen der nebelbegrabenen Städte und Ortschaften dringen kaum durch , die schöne grüne Au ist verschwunden . - Es ist noch ganz früh - ich merk ' s ! Kaum kann es vier Uhr sein , da schlagen die Hähne an , von Ort zu Ort in die Runde bis Mittelheim , von Nachbar zu Nachbar ; keiner verkümmert dem andern die Ehre des langen Nachhalls , und so geht ' s in die Ferne wie weit ! Die Morgenstille dazwischen wie die Wächter der Moscheen , die das Morgengebet ausrufen . Morgenstund hat Gold im Mund , schon seh ich ' s glänzen und flimmern auf dem Wasser , die Strahlen brechen durch und säen Sterne in den eilenden Strom , der seit zwei Tagen , wo es unaufhörlich gießt , angeschwollen ist . Da hat der Himmel seine Schleier zerrissen ! - Nun ist ' s gewiß , daß wir heute schön Wetter haben , ich bleibe zu Hause und will alle Segel zählen , die vorüberziehen , und allen Betrachtungen Raum geben , die mir die ferne , allmählich erhellende Aussicht zuführt . Du kennst den Fluß des Lebens wohl genau und weißt , wo die Sandbänke und Klippen sind , und die Strudel , die uns in die Tiefe ziehen , und wie weit der jauchzende Schiffer mit gespanntem Segel , mit frischem Wind wohl kommen wird , und was ihn am Ufer erwartet . Wenn Dir ' s gefällt , einen Augenblick nachzudenken über den Eigensinn meiner Neigung und über die Erregbarkeit meines Geistes , so mag Dir ' s wohl anschaulich sein , was mir unmündig Schiffenden noch begegnen wird . O sag mir ' s , daß ich nichts erwarten soll von jenen Luftschlössern , die die Wolken eben im Saffran- und Purpurfeld der aufgehenden Sonne auftürmen , sag mir : dies Lieben und Aufflammen , und dies trotzige Schweigen zwischen mir und der Welt sei nichtig und nichts ! Ach der Regenbogen , der eben auf der Ingelheimer Au seinen diamantnen Fuß aufsetzt und sich übers Haus hinüberschwingt auf den Johannisberg , der ist wohl grad wie der selige Wahn , den ich habe von Dir und mir . Der Rhein , der sein Netz ausspannt , um das Bild seiner paradiesischen Ufer darin aufzufangen , der ist wie diese Lebensflamme , die von Spiegelungen des Unerreichbaren sich nährt . Mag sie denn der Wirklichkeit auch nicht mehr abgewinnen als den Wahn ; - es wird mir eben auch den eigentümlichen Geist geben und den Charakter , der mein Selbst ausspricht wie dem Fluß das Bild , das sich in ihm spiegelt . Am Abend Heute morgen schiffte ich noch mit dem launigen Rheinbegeisterten Niklas Vogt nach der Ingelheimer Au , seine enthusiastischen Erzählungen waren ganz von dem O und Ach vergangner schöner Zeiten durchwebt . Er holte weit aus und fing von da an , ob Adam hier nicht im Paradiese gelebt habe , und dann erzählte er vom Ursprung des Rheins und seinen Windungen durch wilde Schluchten und einengende Felstale , und wie er da nach Norden sich wende und wieder zurückgewiesen werde , links nach Westen , wo er den Bodensee bilde und dann so kräftig sich über die entgegenstellenden Felsen stürze ; ja , sagte der gute Vogt ganz listig und lustig , man kann den Fluß ganz und gar mit Goethe vergleichen . Jetzt geben Sie acht : die drei Bächlein , die von der Höhe des ungeheuren Urfelsen , der so mannigfaltige abwechselnde Bestandteile hat , niederfließen und den Rhein bilden , der als Jünglingskind erst sprudelt , das sind seine Musen , nämlich Wissenschaft , Kunst und Poesie , und wie da noch mehr herrliche Flüsse sind : der Tessin , der Adda und Inn , worunter der Rhein der schönste und berühmteste , so ist Goethe auch der berühmteste und schönste vor Herder , Schiller und Wieland ; und da , wo der Rhein den Bodensee bildet , das ist die liebenswürdige Allgemeinheit Goethes , wo sein Geist von den drei Quellen noch gleichmäßig durchdrungen ist , da , wo er sich über die entgegenstauenden Felsen stürzt : das ist sein trotzig Überwinden der Vorurteile , sein heidnisch Wesen , das braust tüchtig auf und ist tumultarisch begeistert ; da kommen seine Xenien und Epigramme , seine Naturansichten , die den alten Philistern ins Gesicht schlagen , und seine philosophischen und religiösen Richtungen , die sprudeln und toben zwischen dem engen Felsverhack des Widerspruchs und der Vorurteile so fort , und mildern sich dann allmählich ; nun aber kommt noch der beste Vergleich : die Flüsse , die er aufnimmt : die Limmat , die Thur , die Reuß , die Ill , die Lauter , die Queich , lauter weibliche Flüsse , das sind die Liebschaften , so geht ' s immer fort bis zur letzten Station . Die Selz