! Oft war es ihr , als säße sie , von einem Dämon , von einem höllischen Wesen umschlungen , in entsetzlicher Unmacht festgebannt ; Lust und Unlust empörten sich wechselseitig in ihrem Innern , sie überließ sich seinem Kusse mit einem schneidenden Gefühle von Widerwillen , ja von Ekel , sie empfand es unerträglich , wie elend sie sich verirrt , wie töricht rasend ihre Einbildung sei , als ob sie auf diese Art an jenem Verräter heimlich Rache üben könnte ! Er - ( so rief , so wimmerte es in ihrer Seele ) ja er allein hat es verschuldet , daß Constanze so sich verleugnet , daß ich tue , was ich sonst verabscheut hätte , und doch - wie wird alles werden ? wie soll das enden ? wohl , wohl - mag es , wie es kann ! - Sie rang sich los , drückte den Kopf in die Purpurkissen des Sofa , ihr Schluchzen zerriß dem Herzog das Herz , er berührte sie schüchtern , er bat , er beschwor sie um Fassung ; sie möge sich doch besinnen , warum sie denn eigentlich verzweifle , ob das unfreiwillige Bekenntnis einer Neigung , die ihn auf ewig zu einem guten , mit Welt und Himmel glücklich ausgesöhnten Menschen zu machen bestimmt sei , ob die Furcht , daß dieses schöne Verständnis jemals dem rohen Urteil der Menschen bloßgestellt werden könne , ob ein Zweifel an seiner Verschwiegenheit , an seiner Treue , ein Zweifel an seiner Ehrfurcht vor ihrer Tugend sie quäle ? » Constanze ! Teure ! Geliebte ! blicken Sie auf ! sagen Sie , daß ich für heute , für jetzt , mich entfernen soll , fordern Sie , daß ich Sie mein Leben lang durch nichts , durch kein halbes Wort , mit keiner Miene , keinem leisen Wunsche mehr an diesen Abend mahne ! Mir aber darf er unvergeßlich bleiben , so wie jetzt wird auf ewig dieses Zimmer , wird das Licht dieser Kerze und wovon es Zeuge gewesen , vor meiner Erinnerung stehen - o Gott ! und so , in dieser traurig abgewendeten Lage muß die Gestalt der edelsten Frau vor mir erscheinen , um allen himmlischen Reiz des vorigen Augenblicks wieder auszulöschen ! ich werde vergehen , verzweifeln , wenn Sie sich nicht aufrichten , wenn ich Sie so verlassen muß . « Er faßte sie schonend an beiden Schultern , und sanft rückwärts gebeugt lehnte sie den Kopf an ihn , so daß die offenen schwimmenden Augen unter seinem Kinne aufblickten . Freundlich gedankenlos schaut sie hinan , freundlich senkt er die Lippen auf die klare Stirne nieder . Lang unterbrach die atmende Stille nichts . Endlich sagt er heiter : » Ist ' s nicht ein artig Sprichwort , wenn man bei der eingetretenen Pause eines lange gemütlich fortgesetzten Gesprächs zu sagen pflegt : es geht ein Engel durch die Stube ? « Constanze schüttelte , als wollte sie sagen : der vorige , der gegenwärtige Auftritt habe doch wohl einen so friedsamen Geist nicht herbeilocken können . Abermals versagt ihm ein weiteres Wort ; er sinnt über den Zustand der Gräfin nach , der ihm aufs neue verschiedenes zu bedenken gibt . Nicht ohne Absicht kommt er daher spielend wieder auf Nolten und Larkens zurück . » Nein « , sagt er zuletzt , » es würde mir sehr angenehm sein , wenn Sie , meine Liebe , mir über den bösen Punkt Ihre Ansicht offenbaren wollten . Ganz gewiß sind Sie längst darüber im reinen , zum wenigsten haben Sie eine Meinung . Reden Sie mir , ich bitte recht ernstlich - Halten Sie die beiden für schuldig ? « Die Befragte bedenkt sich eine Weile und sagt mit einer sonderbar zuckenden Bewegung : » Schuldig ? - er ist ' s ! « » Wer doch ? « » Nun , der Nolten - « » Ich erstaune ! - und Larkens ? « » Wohl ebensogut . Ja , mein Herr , darauf verlassen Sie sich . « » Und sind strafbar ? « » So denk ich . « » Nun , auf mein Wort ! so sollen sie ' s bereuen . « Der Herzog stand auf ; Constanze blieb wie angefesselt . Er hatte dies strenge Urteil aus Constanzens Munde am wenigsten erwartet , um so gegründeter mußte es sein . Er fragte einiges , was ihre Ansicht näher bestimmen sollte , sie versicherte , nichts weiter zu wissen : er möge sich damit begnügen und auf keinen Fall sie verraten . Nun erst , da er Gewißheit zu haben glaubte , da selbst diese billig denkende Frau von solcher Ungebühr bewegt , entrüstet schien , erwachte Ärger und Verdruß in ihm , er enthielt sich der empfindlichsten Ausdrücke nicht , wiederholt dankte er der Geliebten ihre Aufrichtigkeit , die er als natürliche Folge einer zärtlich aufgeschlossenen Stimmung auslegte . Ihm ahnte nicht , von welchem Aufruhr widersprechender Gefühle die Gräfin innerlich zerrissen war , seitdem sie das Entscheidende ausgesprochen . Wie versteinert vor sich hinstarrend , blieb sie auf einer Stelle sitzen , war mehr als einmal versucht zu Milderung , zu völliger Widerrufung des Gesagten , aber ein unbegreiflich Etwas band ihr die Zunge . Plötzlich hört man den Wagen des Grafen vor dem Haus anrollen , ein eiliger Kuß , ein schmeichelhaft Wort versiegelt von seiten des Herzogs das Geheimnis dieser Stunde . Ehe wir noch auf die Folgen zu reden kommen , welche diese Vorgänge rasch genug nach sich gezogen , enthalten wir uns nicht , einen allgemeinen Blick auf die Gemüter zu werfen , zwischen denen sich durch die fatalste Verschränkung der Umstände , durch ein doppeltes und dreifaches Mißverständnis eine so ungeheure Kluft gebildet hatte . Indem unser Maler sich den Aussichten eines unbegrenzten Glückes überläßt , mit jedem Tage der völligen Entscheidung desselben entgegenblickt und soeben beschäftigt ist , der Gräfin seine Wünsche , seine Anerbietungen in einem ruhig