: » Ihr wißt ja wohl , daß wir oft Gäste haben , und so auch heute . Mein Mann hat bei Bergen ein Geschäft , das ihn bis in den späten Abend vielleicht aufhält . Wenn er heim kommt , wird er hungrig seyn , und die Gesellen nicht weniger . « - » Was gibt ' s heut zu Bergen ? « erkundigte sich der Leuenberger . - » ' S ist dort Tanz und offne Lustbarkeit ; « klang der Bescheid : » Ein reicher Bürgersohn von Friedberg , der vor der Adventzeit die schöne Eva von Bergen geehlicht , hält heute ihren Mahlschatz , und gedenkt , ihn noch gen Friedberg zu schaffen . « - » Er gedenkt , ... « brummte Veit höhnisch ; » so , so ! Dein Alter denkt aber weiter , nicht wahr ? « - » Ach großer Gott ! « seufzte das Weib , die Augen verdrehend : » Man muß freilich sehen , wie man kümmerlich sein Leben durchbringe . « - » Kümmerlich ! « spottete der Gast : » Ihr Lügenvolk ! Nur das Schlechte laßt ihr liegen ; das Beste nehmt Ihr , und heuchelt obendrein Armuth gegen Leute , die Einiges von Euren Kniffen verstehen . « - » Lieber Herr , « erwiederte die Wirthin : » ' s ist lauter Wahrheit . Mit den Kumpanen muß man theilen ; das Kostbarste verscharren , darf das liebe Gut nicht sehen lassen . Oft sagte ich zu meinem Manne : Marten ! sagte ich zu ihm : Wär ' s nicht besser , wir fingen an ehrlich zu arbeiten , und könnten ruhig leben und uns wohl seyn lassen , als von ungerechtem Gut reich seyn , und es verbergen müssen , und zittern müssen vor Entdeckung ? Da lacht er mich aber jedesmal aus , und sagt : Wart nur , Weib , bis wir genug haben , dann wallfahrten wir nach Compostell , opfern dem heiligen Jakob eine silberne Krone , holen uns Ablaß , und kaufen uns alsdann am Rheine an . « - » Ein seines Vorhaben , « lachte Veit : » So habt ihr noch immer die Aussicht als Ehrenleute zu sterben , vielleicht noch selig gesprochen zu werden , wenn ihr auf dem Todbette irgend ein Kloster reichlich bedenkt . « - Die Alte wurde empfindlich . » Warum sollen wir denn etwa nicht des Paradieses theilhaftig werden ? Mein Marten hat noch keinen Pfarrherrn erschlagen . « - » Verfluchte Spötterin ! « fuhr Veit auf , und griff nach dem Dolche . Die Alte rannte schreiend nach der Ecke , in der die Tochter schlief , und weckte diese durch ihr Gejammer . » Was schreit Ihr denn also ? « fragte die Erwachende in schlaftrunknem Gleichmuthe : » Der Herr wird Euch nicht im Ernste erstechen wollen , und in Eurem lüderlichen Gewerbe sollt Ihr blanker Messer schon gewohnt geworden seyn . « - Veit mußte über die faule Predigt lachen , die das häßliche Mägdlein hielt , und steckte den Dolch wieder ein . - » Komm her , Alte , « rief er : » ' s war nur mein Scherz . Und Du , garstige Bußrednerin , lege wieder Dein Haupt zur Ruhe . Unser Gesprächsel würde Dein frommes Ohr ärgern . « » Das würde es auch ; « versetzte die Dirne , wie oben . - » Ich will mich daher lieber draußen im Stalle zur Ruhe legen , als in Eurer Nähe . « - Sie stand auf , und ging . - » Mädel , draußen pfeift der Schneewind ; « rief ihr die Mutter zu . - » Mein Roß steht im Stall , und kann nicht gut Gesellschaft leiden ! « fügte der Junker bei . - » Was thut das ? « fragte die Dirne entgegen : » Schneeluft ist kalt , aber kälter der Schooß einer gottlosen Mutter . Unter den Hufen eines schlagenden Rosses schläft der Gerechte besser , als unter ' m Schirmdache des Bösen . Gute Nacht ! « - Sie verschwand , und bei dem Ernste ihres Abschieds war dem Leuenberger unheimlich um ' s Herz geworden . Unheimlicher noch der Mutter , die trübsinnig beim Feuer sitzend , die Hände faltete , und in die Flamme starrend , die dicken Thränentropfen ungetrocknet ließ , die in ihren grauen Wimpern hingen . - » Die Maid bricht noch mein Herz , ... « seufzte sie endlich : » und ich darf sie nicht schelten , weil sie die einzige Unschuldige im Hause ist . « - » Eine Närrin ist sie ! « brummte Veit mürrisch . - Die Alte versetzte aber eifernd : » Nein , lieber Herr , sie ist verständiger , denn Eine ihres Alters . Die Klostermagd am uralten Stifte der Reuerinnen zu Frankfurt , war der Dirne Taufpathin , und brachte sie , da sie zehn Jahre alt geworden , und ich noch rüstig dem Haushalt vorzustehen vermochte , als ihre Helferin in dasselbe Stift . Daselbst wurde unsre Judith zwanzig Jahre alt , und überlebte ihre Pathin , und trat an deren Stelle , bis ich , vergeßlich werdend und an Kräften abnehmend , sie wieder zu uns forderte . Sie weigerte sich auch keineswegs , und kehrte heim , geschickt und gewandt , und ausgestattet mit Bibel- und Sittensprüchen , die sonst an uns gemeinen Leute nicht kommen . Ihr Verstand merkte bald , wo es leider in unserm Hause hinaus will , und ihre Frömmigkeit spricht oft Donnerworte gegen uns aus , vor denen nicht selten mein Mann selbst erzittert . Im Anfang wollte er die Judith schlagen , aber es war immer , als ob ein Engel seine Hand aufhielte , obgleich die Dirne gelassen Rücken und Wange bot . Und da wir nun sahen , daß sie unverdrossen ihre Arbeit verrichtet , und das vierte Gebot ehrt wie