, der ihn auch bei seinen jetzigen Beobachtungen unterstützte . Die Gesellschaft , die um einen der großen eichenen Tische saß , bestand aus etwa zehn bis zwölf Männern . Sie unterschieden sich auf den ersten Anblick nicht sehr voneinander ; große Bärte , kurze Haare , runde Mützen , dunkle Wämser gehörten dem einen so gut wie dem anderen an . Doch sonderte ein schärferer Blick bald vorzüglich drei von den übrigen . Der eine , er saß Georg am nächsten , war ein kleiner , fetter freundlicher Mann . Sein Haar war im Nacken etwas länger als das der anderen , er hatte es sorgfältiger gekämmt , auch schien sein dunkler Bart besser gepflegt zu sein . Ein Mantel von feinem schwarzem Tuch , und ein Filzhut mit spitzigem Kopf und breiter Krempe , die hinter ihm an einem Nagel hingen , bezeichneten einen Mann von einigem Gewicht , vielleicht gar einen Ratsherrn . Er mochte auch eine bessere Sorte trinken als die übrigen , denn er schlürfte bedächtig , und wenn er mit dem Deckel an seinem Krug das Zeichen gab , daß er leer sei , tat er dies mit einem gewissen Anstand , und vernehmlicher als die übrigen . Er sah bei allem , was gesprochen wurde , überaus fein und listig aus , als wisse er noch manches , ohne es gerade hier preisgeben zu wollen . Auch hatte er das Vorrecht , das Kellnermädchen in die Wangen zu kneipen oder ihren runden Arm zu » tätscheln « , wenn sie ihm die gefüllte Kanne brachte . Ein anderer Mann , der am entgegengesetzten Ende des Tisches saß , stach nicht minder gegen seine Umgebungen ab , als der Fette ; alles war an ihm länglich und hager . Sein Gesicht , von der Stirne bis zu dem langen , zugespitzten Kinn , maß wohl eine gute Mannesspanne ; seine Finger , mit welchen er auf dem Tische den Takt eines Liedes spielte , das er leise vor sich hin pfiff , hatten etwas Spinnenartiges , und als sich Georg einmal zufällig bückte , gewahrte er zu seinem großen Erstaunen , daß der hagere Mann lange , dünne Beine , beinahe unter dem ganzen Tisch hin , ausgestreckt hatte . Er hatte um seine Nase etwas Hochfahrendes , das sich auch in der Art , wie er allem , was die Bürger vorbrachten , widersprach , ausdrückte ; er sah aus , wie einer der viel mit vornehmen Herren umgegangen ist , ihre Art und Weise angenommen hat , aber doch nicht recht bequem damit zurechtkommt . Er konnte nicht aus dem Städtchen sein , denn er hatte die Wirtin nach seinem Pferd gefragt . Nach Georgs Mutmaßungen war er ein reisender Arzt , wie sie zu jener Zeit im Land umherzogen , um die Menschen künstlich umzubringen . Der dritte Mann , der dem Gast im Erker auffiel , sah etwas zerrissen und zerlumpt aus ; er hatte übrigens etwas Bewegliches , Listiges in seinem Wesen , das ihn von der gutmütigen , behaglichen Ruhe der Spießbürger merklich unterschied . Er hatte über dem einen Auge ein großes Pflaster , das andere aber blickte kühn und offen um sich . Ein großer Reisestock mit eiserner Spitze , der neben ihm lag , und sein lederbesetzter Rücken , worauf er gewöhnlich einen Korb oder eine Kiste tragen mochte , ließen schließen , daß er entweder ein Bote sei , oder wahrscheinlicher noch einer jener herumziehenden Krämer , die auf Märkte und Kirchweihen , nebst wunderbaren Nachrichten aus fernen Landen , für die Weiber wirksame Mittel gegen verhextes Vieh , und für die Mädchen schöne bunte Bänder und Tücher bringen . Diese drei waren es auch , die das Gespräch führten , das nur hin und wieder durch einen Ausruf der Verwunderung oder durch ein Klopfen mit den Krugdeckeln von den übrigen ehrsamen Bürgern unterbrochen wurde . Diese Männer handelten übrigens eine Materie ab , die Georgs Interesse sehr in Anspruch nahm . Sie sprachen über die Unternehmungen des Bundes im württembergischen Unterland . Der Krämer mit dem ledernen Rücken hatte erzählt , daß Meckmühl , worin sich Götz von Berlichingen eingeschlossen , von den Bündischen erstürmt , und jener tapfere Mann gefangen worden sei.23 Der Ratsherr hatte zu dieser Nachricht listig gelächelt , und einen guten Zug von seiner besseren Sorte getrunken ; der Hagere ließ aber den Lederrücken nicht aussprechen , er schlug den Takt mit den langen Fingern etwas vernehmlicher , und sagte mit hohler Stimme : » Das ist erstunken und erlogen , Freund ! seht , das ist gar nit möglich , denn der Berlichingen versteht die schwarze Kunst und ist fest , das muß ich wissen ; und überdies hat er allein mit seiner eisernen Hand in mancher Schlacht zweihundert Mann maustot geschlagen , was wird er sich denn fangen lassen ? « » Mit Verlaub « , unterbrach ihn der fette Herr ; » dem ist nicht also , sondern Götz ist in der Tat gefangen , und sitzt in Heilbronn . Aber nicht weil er erlegen ist , denn sein Schloß in Meckmühl ist nicht erstürmt worden , sondern die Bündischen haben ihm und den Seinigen freien Abzug versprochen ; wie er aber aus dem Tor kam , wurde er überfallen , seine Knechte getötet und er gefangen . Seht , das ist nicht recht , und da hat der Bund schändlich gehandelt . « » Da muß ich doch bitten , Herr « , sprach der Lange , » daß man nicht also von den Bundesobersten spricht ; ich kenne viele Herren davon genau , wie z.B. Herr Truchseß von Waldburg mein geneigter Herr und Freund ist . « Der fette Herr schien etwas erwidern zu wollen , spülte aber das , was ihm auf der Zunge lag , mit einigem Wein hinunter . Jedoch die Bürger brachen bei Erwähnung so vornehmer Bekanntschaften in ein Gemurmel des Staunens aus , und lüfteten ehrerbietig ihre Mützen .