zu erzählen , ja Anekdoten mit scharfer Spitze wurden nicht verschmäht ; meine Rednergabe kam mir zustatten , und es waren Andeutungen aus meinem eignen Leben , die ich unter der Hülle romantischer Dichtung auf anziehende Weise vorzutragen wußte . So erwarb ich mir die Aufmerksamkeit und den Beifall des Zirkels ; der Fürst liebte aber mehr das Heitre , Humoristische , und darin übertraf niemand den Leibarzt , der in tausend possierlichen Einfällen und Wendungen unerschöpflich war . Diese Art der Unterhaltung erweiterte sich dahin , daß oft dieser oder jener etwas aufgeschrieben hatte , das er in der Gesellschaft vorlas , und so kam es denn , daß das Ganze bald das Ansehen eines wohlorganisierten literarisch-ästhetischen Vereins erhielt , in dem der Fürst präsidierte und in welchem jeder das Fach ergriff , welches ihm am mehrsten zusagte . - Einmal hatte ein Gelehrter , der ein trefflicher tiefdenkender Physiker war , uns mit neuen interessanten Entdeckungen im Gebiet seiner Wissenschaft überrascht , und so sehr dies den Teil der Gesellschaft ansprach , der wissenschaftlich genug war , den Vortrag des Professors zu fassen , so sehr langweilte sich der Teil , dem das alles fremd und unbekannt blieb . Selbst der Fürst schien sich nicht sonderlich in die Ideen des Professors zu finden und auf den Schluß mit herzlicher Sehnsucht zu warten . Endlich hatte der Professor geendet , der Leibarzt war vorzüglich erfreut und brach aus in Lob und Bewunderung , indem er hinzufügte , daß dem tiefen Wissenschaftlichen wohl zur Erheiterung des Gemüts etwas folgen könne , das nun eben auf nichts weiter Anspruch mache als auf Erreichung dieses Zwecks . - Die Schwächlichen , die die Macht der ihnen fremden Wissenschaft gebeugt hatte , richteten sich auf , und selbst des Fürsten Gesicht überflog ein Lächeln , welches bewies , wie sehr ihm die Rückkehr ins Alltagsleben wohltat . » Sie wissen , gnädigster Herr , « hob der Leibarzt an , indem er sich zum Fürsten wandte , » daß ich auf meinen Reisen nicht unterließ , all die lustigen Vorfälle , wie sie das Leben durchkreuzen , vorzüglich aber die possierlichen Originale , die mir aufstießen , treu in meinem Reisejournal zu bewahren , und eben aus diesem Journal bin ich im Begriff etwas mitzuteilen , das , ohne sonderlich bedeutend zu sein , doch mir ergötzlich scheint . - Auf meiner vorjährigen Reise kam ich in später Nacht in das schöne große Dorf vier Stunden von B. ; ich entschloß mich , in den stattlichen Gasthof einzukehren , wo mich ein freundlicher aufgeweckter Wirt empfing . Ermüdet , ja zerschlagen von der weiten Reise , warf ich mich in meinem Zimmer gleich ins Bette , um recht auszuschlafen , aber es mochte eben eins geschlagen haben , als mich eine Flöte , die dicht neben mir geblasen wurde , weckte . In meinem Leben hatt ' ich solch ein Blasen nicht gehört . Der Mensch mußte ungeheure Lungen haben , denn mit einem schneidenden , durchdringenden Ton , der den Charakter des Instruments ganz vernichtete , blies er immer dieselbe Passage hintereinander fort , so daß man sich nichts Abscheulicheres , Unsinnigeres denken konnte . Ich schimpfte und fluchte auf den verdammten tollen Musikanten , der mir den Schlaf raubte und die Ohren zerriß , aber wie ein aufgezogenes Uhrwerk rollte die Passage fort , bis ich endlich einen dumpfen Schlag vernahm , als würde etwas gegen die Wand geschleudert , worauf es still blieb und ich ruhig fortschlafen konnte . Am Morgen hörte ich ein starkes Gezänk unten im Hause . Ich unterschied die Stimme des Wirts und eines Mannes , der unaufhörlich schrie : Verdammt sei Ihr Haus , wäre ich nie über die Schwelle getreten . - Der Teufel hat mich in Ihr Haus geführt , wo man nichts trinken , nichts genießen kann ! - alles ist infam schlecht und hundemäßig teuer . - Da haben Sie Ihr Geld , Adieu , Sie sehn mich nicht wieder in Ihrer vermaladeiten Kneipe . - Damit sprang ein kleiner , winddürrer Mann in einem kaffeebraunen Rocke und fuchsroter runder Perücke , auf die er einen grauen Hut ganz schief und martialisch gestülpt , schnell zum Hause heraus und lief nach dem Stalle , aus dem ich ihn bald auf einem ziemlich steifen Gaule in schwerfälligem Galopp zum Hofe hinausreiten sah . Natürlicherweise hielt ich ihn für einen Fremden , der sich mit dem Wirte entzweit habe und nun abgereiset sei ; eben deshalb nahm es mich nicht wenig wunder , als ich mittags , da ich mich in der Wirtsstube befand , dieselbe komische kaffeebraune Figur mit der fuchsroten Perücke , welche des Morgens hinausritt , eintreten und ohne Umstände an dem gedeckten Tisch Platz nehmen sah . Es war das häßlichste und dabei possierlichste Gesicht , das mir jemals aufstieß . In dem ganzen Wesen des Mannes lag so etwas drollig Ernstes , daß man , ihn betrachtend , sich kaum des Lachens enthalten konnte . Wir aßen miteinander , und ein wortkarges Gespräch schlich zwischen mir und dem Wirt hin , ohne daß der Fremde , der gewaltig aß , daran Anteil nehmen wollte . Offenbar war es , wie ich nachher einsah , Bosheit des Wirts , daß er das Gespräch geschickt auf nationelle Eigentümlichkeiten lenkte und mich geradezu frug , ob ich wohl schon Irländer kennen gelernt und von ihren sogenannten Bulls etwas wisse . Allerdings ! erwiderte ich , indem mir gleich eine ganze Reihe solcher Bulls durch den Kopf ging . Ich erzählte von jenem Irländer , der , als man ihn frug , warum er den Strumpf verkehrt angezogen , ganz treuherzig antwortete : Auf der rechten Seite ist ein Loch ! - Es kam mir ferner der herrliche Bull jenes Irländers in den Sinn , der mit einem jähzornigen Schotten zusammen in einem Bette schlief und den bloßen Fuß unter der Decke hervorgestreckt hatte . Nun bemerkte dies ein Engländer , der