: Woher es komme , daß niemand einen Anstoß an der Erzählung genommen habe , während sie eine andre Frau in gemischter Gesellschaft schwerlich nacherzählen könne . - » Das kommt von der lauten metallenen Stimme unsrer Freundin ; was sich so laut sagen läßt , ist sicher sehr unschuldig gemeint « , sagte der Graf eben so laut , » was in der Welt geschehen , ist auch wieder zu erzählen , nur in der rechten Art , denn wenn sich Gott nicht geschämt hat , es zu dulden , warum wir ? « - Die kleine Runde , statt sich darauf einzulassen , machte allerlei Tierstimmen so geschickt nach , daß mehrere erschraken ; überhaupt wußte sie ihr Wesen mehr durch Unerschütterlichkeit als durch Witz zu behaupten , und die andern mußten sich drein finden . Fräulein Walpurgis , die sich schon während der Geschichte des Mohrenknaben wieder bei der Gesellschaft eingefunden hatte , suchte diese luxurierende Lustigkeit , in der sich ihre Freundin leicht übernehmen konnte , wie eine Parze abzuschneiden ; sie zog aus einer weißatlassenen , mit Zypressen und Urnen gestickten Brieftasche ein Paket Papiere heraus und sagte : Man sollte nicht allein die Übel protestantischer Stifter rügen , wo die Ehelosigkeit freilich kein Verdienst sei , auch die katholische Zeit ihres Klosters habe andre Nachteile gehabt , das allzu hohe Anrechnen dieses Zustandes habe zu leerem Stolz auf eine vorgebliche Heiligung geführt , wo sogar krankhafte Zustände für Heiligung gegolten . - Der katholische Geistliche gab ihr darin recht und machte die Nonnen aller Art lächerlich . Frank verteidigte sie . - Der Graf sagte : » Ich glaube , die Religionssysteme tauschen sich aus . « - Fräulein Walpurgis erzählte nun , daß sie alte Briefe in ihrem Kloster gefunden , welche eine Mohrin angingen , die von einem frommen Einsiedler bekehrt , eine Nonne geworden wäre , und einen recht grellen Gegensatz zu jener Mohrengeschichte darstellten . Der Graf nahm die Papiere und wollte sie vorlesen , aber der Prediger Frank fiel schon nach dem ersten Briefe der Sammlung sehr laut ein , indem er seine ganze Aufmerksamkeit auf die heilige Gewalt richtete , die ein Mann auf ein Mädchen ausüben könnte , das selbst noch keine Anlage zur Heiligkeit habe , und erzählte darüber viele Beispiele von Lavater , den er gekannt hatte ; er führte diese Wirkung auf eine allgemeine Regel zurück , möglichst viel und eigentümlich auf andre zu wirken , um ihnen alle Zeit zur Gegenwirkung abzuschneiden , wenigstens die Besonnenheit dazu ; nun sei aber nichts eigentümlicher im Menschen als die heil ' ge Äußerung , also beschäftige und verwirre diese andre Leute am meisten ; sie habe immer die Wirkung eines Einfalls und lasse am wenigsten einen Plan im Betragen durchscheinen , der jedem Mädchen besonders verhaßt wäre . - Der katholische Geistliche , der sich Xaver nannte , bewunderte den Scharfsinn Franks ; er versicherte ihm , daß er wohl einhundert Kunstgriffe aller Art wisse , um die Leute der Religion zu unterwerfen , und während er ihren innern Glauben schärfe , schaffe er allmählich , wenn auch nur alle fünf Jahre , etwas von den alten törichten Glaubenslehren weg . - » Aber « , fragte der Graf ernsthaft , » ist denn unsre Religion , die so viel auf Erden gewirkt , größtenteils nur eine Sammlung alter Torheiten ? « Die beiden Prediger entwickelten im Wettstreite ihrer Menschlichkeiten so viele Mysterien , daß die kleine runde Stiftsdame das Zeichen gab , zu einem allgemeinen Gelächter , das immer stärker anwuchs , trotz aller List des einen , trotz aller Menschen- und Weiberkenntnis des andern . Sechzehntes Kapitel Schluß von Lorenzos und Rosaliens Hochzeit Zum Glück für die beiden Priester begann der große Kranztanz , der die vornehmere Gesellschaft wieder mit in die Schranken des Tanzbodens rief ; der Graf behielt mit Erlaubnis der Fräulein die Briefe : wir werden ihrer nicht vergessen . Der Tanz begann mit aller seiner Fackelnpracht . Die Braut mußte mit allen Männern , der Bräutigam mit allen Frauen in der Runde tanzen , bis sie beide zusammentrafen und mit einander verschwanden . Der Graf hatte für diesen Augenblick einen neuen Gesang veranstaltet , in welchem die Gräfin die Braut spielte , die beiden andern Stimmen aber von den eingeübten Dorfknaben gesungen wurden . Die Braut Viel schwächer ich mich fühle , Da mir so nah die Freud , Als da ich fern dem Ziele In Leid und Bitterkeit ; Nacht der Nächte , süß und bittre Zeiten , Bald wird seinen Arm der Liebste um mich breiten . Die Jungfrau vergehet , Die Frau dann erstehet . Der Name des Herrn sei gelobt ! Der Myrtenkranz so lose Mir schon im Haare spielt , O Liebesbecher , Rose , Wie mich dein Duft hier kühlt ; Lieb ist stärker , als der Tod erfunden , Wie ein Lamm zum Opfer bin ich bunden . Mein Hemdlein spielt im Winde , Er ruft mir : Kind , geschwinde ; Der Name des Herrn sei gelobt ! Viel schwächer ich mich fühle , Da mir so nah die Lust , Als da ich fern dem Ziele Ans Sterben denken mußt : Nackt bin ich in diese Welt gekommen , Nackt werd ich auch wieder aufgenommen . Der Herr hat ' s gegeben , Der Herr hat ' s genommen , Der Name des Herrn sei gelobt ! Amen . Alle Gäste Ein Engel wird dir decken Die blauen Äugelein , Ein Engel überstrecken Sich um die Ohren dein , Niemand , keiner wird dich mehr erblicken , Löscht die Lichter ; Finden ist der Lieb Beglücken ! Der Geist ist gegeben , Er mehret das Leben , Der Wille des Herrn soll geschehn . Chor der Schlechten , die links fortgehen Ich kann sie nicht mehr stören , So wird es dennoch wahr , Dort gehn die Brunnenröhren Im hellen Mondschein klar ; Ich muß gehen von der reichen Quelle