was macht man auf dem Schloß ? « - » Gestern , als ich fort ritt , war man eben dabei , sich den priesterlichen Segen geben zu lassen . « - » Wie ? Gestern ? Und wir haben keinen Brief ? Und Sie ritten fort ? « - » Hier ist ein Brief für die Gräfin Clementina , von Eleonoren . « - » Geben Sie her , o geschwind ! Warum gaben Sie den nicht gleich zuerst ? Wie wird die Tante sich freuen ! Nun so geben Sie doch ! « - Er zog den Brief hervor , wollte ihn aber nicht ohne einen Kuß von Betty herausgeben . Mit einer schalkhaft verdrüßlichen Miene , als ob sie ihn nur recht bald loszuwerden wünschte , hielt sie ihm die Wange hin . In demselben Moment ging die Tür auf , und ein junger Offizier trat herein . Betty fuhr zusammen und veränderte die Farbe . Der Offizier begrüßte sie mit einem finstern Blick , und sah nun stumm und störrisch vor sich hin . Halb nur gefaßt , mit unsichrer Miene , stellte sie beide einander vor , den Offizier nannte sie Rittmeister von Walter . Sie gab sich Mühe , ein haltbares Gespräch auf die Bahn zu bringen , es gelang ihr aber schlecht . - » Sie müssen mir erlauben « , fing sie endlich an , » daß ich der Tante nicht länger den ersehnten Brief vorenthalte ; auf morgen also , Florentin . « - » Ich möchte Sie bitten , mir einen Augenblick zu schenken « , sagte der Rittmeister , mehr fordernd , als bittend . - » Jetzt nicht , lieber Walter « , sagte sie so freundlich als möglich ; » aber darf ich nicht hoffen , Sie diesen Abend im Garten zu sehen ? « - » Gut dann « , antwortete er , » diesen Abend ! « - Betty verneigte sich gegen beide und eilte aus dem Saal . Florentin erinnerte sich , von Julianen gehört zu haben , daß Betty nächstens die Braut eines gewissen Walters würde . - Also der Bräutigam ! dachte er im Hinuntergehen , und wie es scheint , wenig geliebt , und noch weit weniger liebenswürdig . Arme Kleine ! Wahrscheinlich wirst du diesen einzigen mutwilligen Augenblick durch eine Reihe von unangenehmen zu büßen haben ! Laß sehen , vielleicht gelingt es mir , sie dir zu ersparen , es gelingt mir vielleicht , diesen Drachen zu zähmen . - Er ging denselben Weg mit ihm und redete ihn einigemal freundlich an , wurde aber mit kurzen Worten abgefertigt , bis er es wie absichtslos fallen ließ , daß er höchstens noch einen Tag in der Stadt zu bleiben gedächte . Sogleich nahm der Rittmeister mehr Anteil an ihm , und erbot sich , ihm noch vor dem Mittagessen einige Merkwürdigkeiten der Stadt zu zeigen : unser Florentin nahm es an . Diese Merkwürdigkeiten bestanden nun in allerlei Dingen , die ( was sich der Rittmeister nicht träumen ließ ) für Florentin weder merkwürdig noch erfreulich waren ; zuletzt wurde dann mit einigen andern jungen Leuten , die zu ihnen kamen , eine sogenannte Partie fine zum Abend verabredet , und Florentin dazu eingeladen . Dieser , dem es beinah leid war , sich mit Walter eingelassen zu haben , versuchte es , von ihren gemeinschaftlichen Bekannten mit ihm zu sprechen ; seine rohen Ansichten traten aber bei dieser Gelegenheit in ein so helles Licht , daß er Florentin je länger , je mehr unerträglich ward . Er schwieg unmutig still , und war froh , als er wieder in seinen Gasthof gelangte , wo er den lästigen Begleiter loszuwerden gedachte ; zu seinem Verdruß ging dieser aber mit hinein und setzte sich nebst noch einigen Hinzugekommenen mit zu Tische . Hier führte er sehr laut das Wort . Durch einige zweideutige Späße , lächerliches Gesichterschneiden , und die Dreistigkeit , durch platte Persiflage , andere in beschämende Verlegenheit zu setzen , war er bei den bekannten Tischgenossen in den Ruf eines witzigen Kopfs , und eines angenehmen Gesellschafters geraten . Man belachte und beklatschte alles , was er vorbrachte ; Florentin , der Langeweile hatte , lachte nicht , und gab sich auch die Mühe nicht aus Gefälligkeit zu lachen . Waltern schien diese Gleichgültigkeit gegen sein anerkanntes Verdienst eine beleidigende Anmaßung , und um sich zu rächen , kehrte er die Spitze seines Witzes , mit nicht zu feinen Anspielungen gegen Florentin , die zur Absicht hatten , den Anwesenden einen Wink zu geben : er hätte sich diesen heute ganz eigentlich zur Tischbelustigung ausersehen . Der Plan war gut , nur nicht genau genug berechnet ; Florentin , der nicht mehr in der Stimmung war , sich etwas gefallen zu lassen , hatte gar bald durch ein paar beißende Antworten das Lachen auf seiner Seite . Dieser Sieg wirkte auf Walters Witz , wie ein Platzregen auf ein Feuerwerk . Pikiert darf ein solcher Spaßmacher nicht sein , oder es ist um ihn geschehen . Von nun an glückte ihm nichts mehr . In seiner Angst ward er ziemlich grob , ohne allen Witz . Währenddem hatte ein Mann , der nicht weit von Florentin saß , diesen mit Aufmerksamkeit zu beobachten geschienen : er ward von den andern Doktor genannt . Zu diesem wandte Florentin sich jetzt , um der Unterredung mit Waltern auszuweichen . Das Gespräch kam bald auf die Musik , die den andern Tag bei der Gräfin Clementina aufgeführt werden sollte . - » Es ist eine geistliche Musik ? « fragte Florentin . - » Ja « , antwortete der Doktor , » es ist ein Requiem von ihrer eignen Komposition , das jährlich auf den bestimmten Tag aufgeführt wird . « - Walter trällerte einen Gassenhauer ; bei den Worten » geistliche Musik « sagte er einem neben ihm sitzenden Offizier etwas ins Ohr , und beide lachten überlaut .