nun einmal unser Schicksal ist , sich dessen nur mit Mäßigung bedienen ! Aber noch stürmen die Leidenschaften von allen Seiten zu wild , um der Humanität , ja nur der Klugheit , die ihren eigenen Vortheil kaltblütig berechnet , Gehör zu geben . Die Eintracht unsers Triumvirats ist von kurzer Dauer gewesen . Ariston , der freigebigste und popularste unter ihnen , hat ( wie man sich ins Ohr sagt ) Mittel gefunden , seine beiden Collegen mit guter Art auf die Seite zu schaffen . Sie wurden bei einem öffentlichen Opfer von drei seltsam verkleideten Banditen angefallen , und mit einigen Dolchstichen ermordet . Beide waren ihrer Raubgier und Grausamkeit wegen so verhaßt , daß niemand ihr Schicksal bedauerte . Ariston selbst , sagt man , sollte das dritte Schlachtopfer seyn ; er wurde aber glücklicher Weise von deinem Bruder Aristagoras und etlichen andern gerettet , bevor der ihm zugedachte dritte Dolch seine Brust erreichen konnte . Die Mörder , die sich ( nach ihrem eignen freien Geständniß ) aus bloßem Patriotism zu dieser That verschworen hatten , wurden ohne Widerstand in Verhaft genommen , und in die engeste Verwahrung gebracht . Wie es aber auch zugegangen seyn mag , als sie am folgenden Morgen zum Verhör abgeholt werden sollten , fand man das Gefängniß leer , und die Vögel waren sammt dem Kerkermeister ausgeflogen . Du kannst leicht denken , daß verschiedlich über diese Geschichte glossirt wird . Indessen benutzte Ariston die Schwärmerei , womit das Volk an seiner Gefahr und Erhaltung Antheil nahm , und ließ sich unverzüglich , vermöge des Rechts seiner Großmutter , die von einer Seitenlinie der Battiaden abstammt , unter dem wildesten Zujauchzen und Frohlocken des herbeiströmenden Pöbels zum König von Cyrenaika ausrufen . Prächtige Feste und öffentliche Lustbarkeiten bezeichneten die ersten Tage seiner Regierung , und machten mit den Hinrichtungen und Proscriptionen des verhaßten Triumvirats einen sehr auffallenden Contrast . Ariston schien dadurch ( in der raschen Meinung des Volkes wenigstens ) von allem Antheil an jenen Gräueln losgesprochen zu werden , und seinen Mitbürgern unter einer milden Regierung goldne Zeiten zuzusichern . Vermuthlich zu diesem Ende hat er , wie es heißt , die Sorgen der Staatsverwaltung deinem Bruder und einigen andern , die sich damit beladen wollten , überlassen , und er scheint nichts Angelegneres zu haben , als sich mit allen Arten von Genüssen , die ihm die wirkliche Gewalt verschaffen kann , so schnell als möglich zu überfüllen . Wohl mög ' es ihm bekommen , sag ' ich , zweifle aber sehr daß ich wahr gesagt habe . Dein Vater , der an dieser raschen Umkehrung der Dinge kein sonderliches Wohlgefallen haben soll , hat sich , unter dem Schutze seines hohen Alters , auf sein Landgut zurückgezogen , und scheint alle Wünsche , wozu ihn die gegenwärtigen Verhältnisse berechtigen , auf die Freiheit und Ruhe , die in seinen Jahren so wohlthätig sind , oder ( wie er selbst sich ausdrückt ) auf die Erlaubniß im Frieden auszuleben , beschränkt zu haben . Ich besuche ihn öfters ; er scheint mich gern zu sehen , weil ich ihm immer etwas Angenehmes von dir zu erzählen weiß . Ich danke den Göttern , daß ich zu unbedeutend bin , um in diesen gefährlichen Zeitläuften eine Rolle spielen zu müssen , und nicht ehrgeizig oder unruhig genug , um etwas bedeuten zu wollen . Meine Familie ist durch die goldene nie genug gepriesene Mittelmäßigkeit vor Neid und Raubgier gleich gesichert ; und so lange wir uns , wie bisher , des Schutzes deines edeln Bruders erfreuen können , ist der Antheil den wir an der allgemeinen Ruhe des Vaterlandes nehmen , das einzige was die unsrige stören kann . Leider fehlt noch viel , daß wir uns der Hoffnung bess ' rer Zeiten frohen Muthes überlassen dürften . Die demokratische Partei ist noch nicht gedämpft , und unsre dermalige Regierung , zu sehr mit der innern Polizei beschäftigt , scheint den Bewegungen ihrer Feinde mit einer Gleichgültigkeit zuzusehen , die ich mir nicht wohl erklären kann . Gewiß ist , sie muß ihre Ursachen dazu haben ; ungewiß , ob der Ausgang sie rechtfertigen wird . 29. Aristipp an Ariston . Das Glück hat deine Wünsche begünstiget , Ariston ; du hast das höchste Ziel des menschlichen Ehrgeizes erreicht . Unglücklicher Weise sind die Stufen , auf denen du bis zum Thron hinauf gestiegen bist , mit Bürgerblut befleckt . Wenn du ihn nur durch Verbrechen ersteigen konntest , so glaube wenigstens den Schmeichlern nicht , die dich bereden wollen , unter dem Glanz des Thrones würden auch Verbrechen schön . - Doch , das Geschehene kann kein Gott ungeschehen machen : aber das Andenken desselben im Gedächtniß der Menschen auslöschen , kannst du selbst . Je größer die Opfer waren , die deine Erhebung dem Vaterlande kostete , desto größer und ausgebreiteter ist das Gute , das es jetzt aus deiner Hand zu erwarten berechtigt ist , da du alles vermagst . Den Weg haben dir Gelon , Hieron , Pisistratus und Perikles vorgezeichnet . Möge das Volk , das dich mit Jubel zu seinem König ausrief - und nicht wußte was es that - Ursache finden , noch in funfzig Jahren den Tag zu segnen , da es sein Wohl oder Weh in deine Hände legte ; und möge Ariston der König nie vergessen , daß er einst seines Volkes Mitbürger war ! 30. Aristipp an Lais . Nach einer Wanderung von mehr als fünf Monaten bin ich wieder wohlbehalten auf dem » öltriefenden Boden angelangt , den Pallas Athene beschützt ; « in dieser Stadt von welcher der Dichter Lysippus107 sagt : Hast du Athenä nicht gesehn , bist du ein Klotz , Sahst du sie und sie fing dich nicht , ein Stockfisch ; Trennst du dich wohlgemuth von ihr , ein Müllerthier . Ich hoffe dieß letztere werde nicht im strengsten Sinn der Worte zu nehmen seyn ; denn ich sehe wohl