, ihr Lichtglanz rief sie aus ihrem dunkeln Alkoven ... Die Besinnung auf ihre Lage kam ihr schnell genug ... Und das Donnergeräusch um sie her hatte wol nur während ihres Schlafes aufgehört ... Schon war wieder die Luft von demselben verwirrenden Geräusch erfüllt , wie gestern ... Schwankend schritt sie aus dem Alkoven hinaus und sah sich in ihrem Gefängnisse um ... Es war ihr , als hätte es gestern Abend anders ausgesehen ... Und bald auch bemerkte sie ein neues Licht ... Auch frisches Wasser stand auf dem Tisch ... Eine ordnende Hand mußte hier schon gewaltet haben , während sie schlief ... Nur der Klingeldraht hing zerrissen wie bisher ... Im Ofen fand sie ihr Frühstück ... Sie ergab sich jetzt ... Ihre Augen , noch geröthet von den gestrigen Thränen , füllten sich aufs neue mit dem Ausbruch ihres Schmerzes ... Sie klagte Hedemann ' s Grausamkeit nicht mehr an ... Sie wollte jetzt dulden ... Blinzelnd sah sie auf den zur Seite liegenden Brief , der jedoch keine Spur trug , daß er gelesen war ... Sie machte sich zu schaffen , so gut es ging ... Das Zimmer war warm ... Die Bibel lud zur Erbauung , zur Zerstreuung ein . Sie las einige Seiten ... Dann ging sie an ihre Kleidung , die sie ordnete ... Zerknittert und zerdrückt war alles . Sie öffnete ihre Tasche , nahm ihr Nacht- , ihr Nähzeug heraus und sagte : Diese Nacht wirst du , wenn man dich nicht befreit , dem Bett vertrauen und dich getrost legen ! ... Sie gedachte der Märtyrer in Indien , die ja so ein ganzes Leben lang im Kerker schmachteten ... Das Brausen der Luft um sie her nahm sie wie bestimmt , ihr das Gehör zu rauben ... Auch darüber lächelte sie seufzend ... Ein Geist der Ergebung war über sie gekommen ... Den Brief Terschka ' s wollte sie lesen , wenn sie die Hoffnung baldiger Freiheit gewann ... Sie ahnte , daß er ihre Bereitwilligkeit zum Dulden aufregen , ihr ergebenes Martyrium stören würde ... Stundenlang saß sie , das Haupt aufstützend und in grübelndes Sinnen verloren ... Sprang sie auch zuweilen auf und rief mit Wildheit : Nein ! Nein ! Ich will nicht länger ! so brach sie sofort wieder zusammen , schlich an die Thür , an der sie still mit den Nägeln kratzte , plötzlich mit den Füßen stieß , allmählich aber schlich sie wieder auf das Sopha zurück und ergab sich ... Die Bibel fing an ihr vertraulicher zu werden ... Sie vermißte zwar die Gottesmutter in ihr und die Heiligen ... Aber sie konnte sich auch an Abraham und die Patriarchen halten ... Kein lebendes Wesen um sie her bemerkte sie , als - einige Fliegen , mit denen sie schon Bekanntschaft machte ... Wie sie gegen Mittag wieder im Ofen rumoren hörte , sprang sie auf und rief Drohungen und Zornausbrüche in die Oeffnung , deren Wand sich wieder geschlossen hatte .... Niemand hatte geantwortet ... Eine halbe Stunde raste sie umher und konnte sich nicht fassen ... Auch die gestrige Mittagsrast der Mühlen fand heute nicht statt ... Ihre Kost war noch besser als gestern ... Ihr Wasservorrath reichte bis über die Nacht hinaus ... Sie beschloß diese Nacht früher zu Bett zu gehen , damit sie den heimlichen Besucher am Morgen nicht verschliefe , sondern aus dem Bett springend ihn überraschen könnte ... Wenn Shakespeare seinen Menenius sagen läßt , nach Tisch wäre der Mensch dem Mitleid zugänglicher als mit leerem Magen , so stumpfen sich in der That mit zunehmendem Behagen des Körpers die heroischen Entschlüsse ab ... Nach ihrer Mahlzeit konnte Armgart dem Verlangen nicht widerstehen ... Endlich las sie den Brief Terschka ' s ... Sie las mit jener Scheu , die bei Oeffnung eines Briefs sich zuvor auf das Gegentheil dessen , was man zu lesen hofft , mit dem ganzen Aufgebot des Entschlusses wappnet , sich dem Schicksal nicht gefangen zu geben ... » Verehrte Freundin ! « war das erste Wort ... Doch nicht : » Geliebte Freundin ! « sagte sie sich und hielt einen Augenblick inne , um neuen Muth zu schöpfen ... Aber nicht zu lange währte die Hoffnung auf einen Ton , der ihr hätte beweisen können , wie voreilig sie urtheilte , wie überflüssig das Opfer war , das sie bringen wollte ... Zu ihrem Entsetzen las sie : » Ich begrüße Sie in einem Augenblick wieder , wo ich den Rath der weisesten Männer der Erde , die Hülfe der mächtigsten Gewalthaber anflehen möchte und wo ich nichts , nichts habe , dem ich vertrauen kann , als Ihr edles , starkes Herz ! Sie , Sie sind die letzte Rettung meines Lebens ! - - Wenn ich mich erinnere , wie mir die gütige Freundschaft der Gräfin Erdmuthe stets so nachsichtig war , wenn ich mich mit Dankbarkeit erinnere , wie oft für mich die Gräfin bei Ihnen und Sie bei der Gräfin gesprochen haben , so schöpf ' ich Muth und denke mir , der Zusammenbruch meines Lebens läßt sich noch aufhalten ! Ich habe in diesen Tagen Schmerzliches gelitten und furchtbar gekämpft . Bedenken Sie zu den innern Erfahrungen , die ich für meine Person allein machte , noch die Schreckenserlebnisse auf dem Schlosse ! Der Brand , der Fund jener Urkunde , die unsern Freund , den Grafen , vollends zum Schattenbilde seines Namens und seiner gesellschaftlichen Würde macht ! Ich weiß es , diese Bekenntnisse meiner Verzweiflung werden Ihnen räthselhaft erscheinen . Sie werden sie auf die Veränderung meiner Stellung zu Hugo und zur Gräfin , zu Ihrer mütterlichen Freundin , beziehen - - Aber das , was in mir vorgeht , liegt tiefer , tiefer - Ich muß ein Ende machen mit dem Elend meines Lebens . Der Wechsel der Religion ist ein leichter Schritt für eine starke Seele , die sich ihre eigene Philosophie gebildet hat ; aber