Lieber Graf , Sie werden die Gefälligkeit haben , sich ganz zur Disposition - - dieses Herrn zu stellen . « Er geleitete den Besuch , der seit jener Anrede ein bedeutsames Schweigen beobachtet , mit auffallender Artigkeit bis an die Schwelle des Gemachs . Als er zurückkam , warf er sich auf die Ottomane und bedeckte , tief aufathmend , das Gesicht einige Augenblicke mit der Hand . Als er sie zurückzog und wie an jenem Abend - vor Jahresfrist - vor das Portrait seines Oheims trat , war sein Antlitz marmorfest in den stolzen Zügen und das Auge ruhte mit einem gewissen selbstzufriedenen Hohn auf dem Bilde . - » Die Sühne ist gebracht - meine Schuld an Dich abgetragen und die Beleidigung , die mir selbst geworden . Jetzt kommt die Zeit , die mein allein ist ! « Der Kaiser schritt gedankenvoll einige Male auf und nieder . » Ich bin müde von all ' dem , « sagte er endlich , » und muß zu Ende kommen . Sehen wir , ob Walewski meinen Mann gefunden hat . « Er klatschte in die Hände und sein vertrauter Kammerdiener Andrée trat sogleich durch die entgegengesetzte Thür ein . » Ist der Graf im Salon - allein oder in Begleitung ? « » Seine Excellenz harren seit einer Viertelstunde . Es ist ein alter Herr bei ihm . « » Laß Beide eintreten . « Der Gebieter hatte wieder auf der Causeuse Platz genommen , der große Arbeitstisch trennte ihn von den Eintretenden . Diese waren der Graf Walewski und der Mann , welchen der Kaiser am Triumphbogen getroffen , diesmal in einer seinem Alter entsprechenden vornehmen Civilkleidung , mit dem Kreuz der Ehrenlegion geschmückt . » Ich danke Ihnen , mein Herr , daß Sie Wort gehalten haben , « sagte der Kaiser . » Es ist lange her , daß wir uns nicht gesehen , dennoch erkannte ich Sie sogleich - trotz der Verkleidung . Beabsichtigen Sie auch jetzt noch , Ihr Incognito beizubehalten ? « » Sire - ich bin der Graf Lubomirski , Escadronchef der polnischen Lanziers unter Ihrem Oheim , zuletzt Oberst in der Armee der polnischen Republik . « » Ah ! ich kenne den Namen , einer der Helden von Somosierra mit Niegolewski - wenn ich nicht irre ? « Der Greis verbeugte sich . » Mein Herr , « fuhr Jener fort , » unsere Bekanntschaft ist seltsamer Art und ich gestehe Ihnen offen , daß ich es bedaure , einen Mann Ihres Namens in Verhältnissen und Verbindungen zu treffen , deren Natur nur geheimnißvoll und verbrecherisch sein kann . Dennoch habe ich Vertrauen zu Ihnen und habe Sie unter Verpfändung meines Ehrenworts zu dieser zweiten Zusammenkunft eingeladen , um einige Fragen und eine Mittheilung an Sie zu richten . « » Sire - meine Anwesenheit zeigt Ihnen , daß ich Ihnen antworten werde - so weit es mich betrifft - aber nur , - wenn ich die Ehre einer geheimen Audienz habe . « » Ich bat Sie schon früher , lieber Walewski - - - « » Euer Majestät verzeihen - aber ich muß mich weigern , Sie mit einem Manne allein zu lassen , der zu dem Bunde Ihrer gefährlichsten Feinde gehört . « » Der Herr war Offizier meines Oheims , « sagte der Kaiser ruhig , » Sie hörten es selbst , lieber Graf ; ich entbinde Sie aller Verantwortung und nehme diese auf mich . Bleiben Sie im Nebenzimmer . « Der Minister entfernte sich schweigend , nicht ohne noch einen besorgten Blick auf den Polen geworfen zu haben . Der Gebieter Frankreichs und der Sectionschef der revolutionairen Propaganda waren allein . Erst nach einigen Augenblicken brach der Erstere das Schweigen . » Sie sind ein Mitglied der sogenannten Marianne oder vielmehr des Bundes der Unsichtbaren ? « Ein spöttisches Lächeln zuckte unter dem grauen Schnurrbart des Polen . - » Euer Majestät sind gut unterrichtet durch den Baron Riepéra . « » Sie haben das unbedingte Versprechen Ihrer eigenen Sicherheit in der Hand . Wollen Sie mir deshalb aufrichtig eine sonst gefährliche Frage beantworten ? « » Ich erklärte mich schon bereit dazu - da es ohnehin wohl die letzte Unterredung sein wird , mit der Euer Majestät mich beehren . « » Das wird von Ihnen abhängen , « bemerkte der Kaiser , ohne auf den Doppelsinn zu achten . » Sagen Sie mir offen und ohne Besorgniß : wußten Sie um den heutigen Mordanfall gegin mich ? « » Ja , Sire ! « » Also doch - ein politisches , wohlüberlegtes Attentat , nicht der Wahnsinn eines Einzelnen ! Das ist abscheulich ! « » Sire - Sie sind uns im Wege - Sie haben sich aus unserer Stütze zu unserm Herrn gemacht , Sie , der Republikaner auf dem Throne , sind der bitterste Feind der socialen Republik geworden - Sie müssen sterben , Sire ! « » Alter Thor ! wissen Sie nicht , daß das Leben der Männer , die Gott auf einen Thron gesetzt , vor allen andern unter seinem Schutz steht ? « » Aber die Königsmörder , Sire , sind oft die Rächer in der Hand Gottes . « » Das ist Blasphemie ! Hören Sie , was ich Ihnen zu sagen habe , und hinterbringen Sie es den Häuptern Ihrer Verbindung , wenn Sie nicht , wie ich vermuthe , selbst eines - bitte , « unterbrach er sich , denn der Graf war dem breiten Tisch einen Schritt näher getreten - » bleiben Sie an Ihrem Platz , ich wünsche nicht eine allzu große Nähe . Also hören Sie oder berichten Sie Jenen meinen festen Entschluß . Ich habe nicht Lust , meine Person politischen Fanatikern oder Schurken länger zur Zielscheibe dienen zu lassen , weil ich ihren Plänen unbequem geworden bin . Ich erkenne an , daß die revolutionaire Propaganda so gut eine bestehende Macht ist , wie die legitimen