Widerschein eines innern Bildes , die Befriedigung eines von mir selbst gefühlten Bedürfnisses , ein Gedanke , eine Stufe der Entwickelung , ein Standpunkt zur Anschauung des Lebens . Ach , daß es so ist ! Aber wer kann es leugnen ? Ich war glücklich , bei dir von einem Irrthume , einer Grille auszuruhen . Du nahmst mich ohne Ansprüche . Du wolltest nicht , daß ich glänzte , meinen Ruf wiederherstellte . Du liebtest nur mich , die Person , mein Lachen , mein Weinen , mein Hoffen , mein Klagen , den Menschen , den schwachen , träumenden , bequemen Menschen , der mit der Welt grollte , mit den Seinigen gebrochen hatte und über eine Zukunft philosophirte , die er sich nach den Stimmungen des Augenblicks wechselnd und immer anders ausmalte . Die Flamme brannte und nahm den Docht , wo sie ihn fand . Das Zufälligste machte uns glücklich und Unterhaltung fanden wir in uns selbst . Eine schmerzliche Reue trennte uns . Du weißt , Helene , wie ich mich plötzlich aufgeschreckt fühlte . Ich konnte so , wie sonst , nicht zurückkehren zu dir ! Ich hatte Louis Armand wiedergesehen und fand in ihm noch alle die Keime der Gedanken wieder , die ich in mir selbst erstickt hatte . Ich gab dich nicht auf , Helene ! Das weißt du wohl . Ich floh nicht vor dir , sondern vor mir selbst . Ich floh vor dem Bilde der Trägheit , der zwecklosen Träumerei , das mir von mir selber vorschwebte . Ich floh vor den Jahren , um die ich den Schöpfer betrogen zu haben glaubte . Unschlüssig über mich selbst kam ich hier an . Louis dachte für mich , handelte für mich . Ich folgte seinen weiseren Anordnungen . Die Reise nach Hohenberg , die Krankheit ist dir bekannt , auch unser Wiedersehen , Helene ! Frage den Gott der Liebe , ob es falsche Schwüre waren , die ich in der Seligkeit dieses Wiedersehens gelobte ... sie waren nicht untreu gemeint . Aber ich fühle es , die Art , in der ich allein noch , was ich damals verhieß , ausführen kann , wird dir nimmer genügen . Ich habe angefangen , Alles , was ich seit Genf , seit den deutschen Universitäten , seit Lyon und Paris über die Gesellschaft und das Staatsleben gedacht habe , jetzt in ein System zu bringen . Ich muß den Anfang eines männlichen Berufes machen . Ich bedarf jetzt einer unendlichen Freundschaft , kann aber nur sie , nicht die Liebe , erwidern . Ich fühle mich zur Liebe , zur Hingabe ebenso zerstreut , matt , ohnmächtig , wie glühend ich die uneigennützige , blindeste , treueste Freundschaft bedarf . Es ist mir jetzt , als wenn Männer , die etwas Großes wollen , nicht in der Weise , wie es die Dichter besingen , lieben können . Werf ' ich dir vor , daß du es verschmähst , von meinen Almosen zu leben , von den Blicken zu zehren , die ich in Sturmeseile einen Augenblick innehaltend dir flüchtig zuwerfe ? Wärst du selber ehrgeizig , du begnügtest dich mit ihnen . Aber du bist es nicht . Du willst nur Liebe , das Glück des stillen , ungestörten Besitzes . Du bist eine Lebensdichterin ! Ich bin , wenn ich in allen meinen Hoffnungen und Entwürfen einst scheitern werde , höchstens so glücklich , der Gegenstand eines Dichters zu werden , der mich mit einem Gebet für meine Seele , mit einer Entschuldigung für die Welt , in seiner Darstellung einschaufelt . Du hast dies Leiden gefühlt , Helene , und mir gestern , als ich so grausam , so kalt war , wieder von dem Worte gesprochen , das du schon einmal fallen ließest , du wolltest mein Weib werden ! Helene , daß ein Wort , worin für ein Weib ihre ganze Kraft , ihre ganze Allmacht liegt , hier wie ein Almosen klang , das nicht einmal du gabst , sondern du nahmst ! Mein Weib ! Helene , du mein Weib ! Daß ich verneinend so auffuhr , daß ich so wild stürmte , was war es denn , als daß ich dich für zu hochhalte , um mit dem Bettelpfennig der Ehe die Schuld abzutragen , die du an meiner Liebe zu fordern hast ! Soll die Berechtigung der Ehe harren und warten , bis ich geneigt sein kann , gedrungen mich fühle , die starre Form zu beleben und zu beweisen , daß die Ehe nicht das abfallende Saamenkorn der Blüte , sondern die Blüte in ihrer vollsten Schöne und reichsten Entfaltung sein soll ? In dem Augenblick , Helene , als du von der Ehe sprachst , da sah ich dich mit einem Blatt Papier und einer Feder in der Hand . Schreibe , daß du mich lieben willst oder kraft dieses Blattes mach ' ich dir das Leben zur Hölle ! So klang es mir in ' s Ohr . Mußt ' ich nicht fliehen ? Ich bin nun Minister eines großen Staates . Ein Beruf von unsterblicher Bedeutung ! Ich habe volle Gelegenheit , mich zu tummeln und werde wenig Abende - von Tagen red ' ich nicht - wenig Nächte ganz mein nennen können . Träumen , Helene , wird von dir der erschöpfte Geist . Im Traume von dir werd ' ich Erquickung finden . Diese Furcht vor Dem , was mich binden , mich von meinen Geisteszielen entfernen könnte , geht so weit , daß ich auch von Louis Armand für diesen Winter Abschied genommen habe . Er geht nach meinem väterlichen Schlosse Hohenberg . Auch die jungen Wildungen , die Beide die Residenz verlassen , lass ' ich gern ziehen . Alle Drei sind mir theuer geworden , aber ihre Idealität und träumerische Unbestimmtheit drückt mich . Sie stellen mir Zumuthungen auf den Grund von Voraussetzungen , in denen sie sich irren . Ich