, dessen Erhebung zum » Chevalier « sie durchzusetzen gewußt hatte , machte Unterschleife , floh und wurde verfolgt . Man wurde seiner habhaft , bracht ' ihn vor die Gerichte , und eine strenge Strafe war bereits verhängt , als ein Fußfall der Prinzessin , deren alte Neigung wieder wach geworden war , intervenierte . Die Strafe wurde nun niedergeschlagen und der » Chevalier « , als wäre nichts vorgefallen , zog wieder in allen Ehren in Friedrichsfelde ein . Aber eine Sühne blieb doch zu leisten : die Prinzessin mußte versprechen , von nun ab statt mit sechsen nur noch mit vieren zu fahren . Das geschah denn auch , und alle Teile hatten ihren Frieden . Das Leben in Friedrichsfelde war um diese Zeit das heiterste . Eine ernstere Pflege der Kunst fiel niemandem ein , aber man divertierte sich so oft und so viel möglich . Es gab Schau- und Schäferspiele teils in geschlossenen Räumen , teils im Freien . Das » Theater im Grünen « , ähnlich dem Rheinsberger , ist noch deutlich zu erkennen , trotzdem das Strauchwerk jener Jahre mittlerweile zu stattlichen Weißbuchen aufgewachsen ist . Das Ganze eine wieder freigewordene , aus Zwang und Fesseln erlöste Natur ! Die Dorfbevölkerung nahm teils zuschauend , teils aktiv an diesen Szenen teil , was auf den ersten Blick viel Anheimelndes und Bestechendes hatte . Sehr bald indessen stellte sich ' s heraus , daß Arbeitslust und Sitte zurückgingen und daß dem Dorfe kein Segen daraus erwuchs , als Landschaft und Staffage für das Vergnügen vornehmer Leute gedient zu haben . Harmloser war der alljährlich wiederkehrende » Erntekranz « . Dann wurd ' ein Jahrmarkt abgehalten , unter den Bäumen des Parks gegessen und getanzt , und an den Buden , natürlich ohne Einsatz , gewürfelt und gewonnen . Ein kleines , sehr hübsches Mädchen aus dem Dorfe war das Patchen und der Liebling der Prinzessin , die Puppe , mit der sie spielte . War die Prinzessin bei Tafel allein , so wurd ' an einem kleinen Tische daneben für das Kind gedeckt , und kam Besuch , so war » Patchen « – wie der Kakadu oder der Bologneser – der immer beachtete Gegenstand , an den sich alle Zärtlichkeiten der Gäste richteten . Die Prinzessin galt für sehr reich ; es hieß , daß sie täglich 1500 Taler verausgabe . War dem wirklich so , so war es Baratynskisches Vermögen . Außer Friedrichsfelde besaß sie , in Berlin selbst , ein Haus am Pariser Platz , das jetzige französische Gesandtschaftshotel . Sie starb , wie schon eingangs hervorgehoben , im Winter 1811 auf 1812 und ihre Leiche sollte nach Rußland , entweder auf die Baratynskischen oder die Holstein-Beckschen Güter geschafft werden . Die Friedrichsfelder waren zum Transport um so lieber bereit , als ihnen für die Fahrt bis Memel ( dort wartete russisches Fuhrwerk ) 400 Taler geboten wurden . Es zerschlug sich aber wieder und kam statt dessen zu einem Pakt mit jener moskauastrachanischen Karawane , die damals alljährlich , in den ersten Wintermonaten , Kaviar nach Berlin zu bringen pflegte . Dies waren in der Regel fünfzig Schlitten , jeder mit einem Pferd und am Hals jedes Pferdchen ein Glöckchen . Auf den vordersten dieser Schlitten wurde , bei der Rückfahrt , der Sarg gestellt , und die lange Karawane hinter sich , ging es nun im Schritt bis an die russische Grenze , – die Winterstille nur durch den Ton der Glöckchen unterbrochen . Friedrichsfelde von 1812 bis 1816 König Friedrich August von Sachsen Nach dem Tode der Prinzessin von Holstein-Beck wurde Friedrichsfelde durch einen Bevollmächtigten der Baratynskischen Familie verwaltet . In diese Administrationszeit fällt der Aufenthalt , bzw. die Staatsgefangenschaft des Königs von Sachsen an dieser Stelle . Wir finden darüber folgendes : Der König von Sachsen , nach der Einnahme Leipzigs durch die Verbündeten , war deren Gefangener . Am 23. Oktober 1813 erfolgte seine Abreise nach Berlin ; am 26. , morgens 4 Uhr , traf er in der preußischen Hauptstadt ein und wurde daselbst mit vielen Ehren ( so sagt das Tagebuch eines sächsischen Kavaliers ) empfangen . Von Leipzig aus hatten hundert Kosaken mit drei Offizieren den Wagen des Königs umgeben . Außerdem begleiteten ihn Fürst Galizin und Baron Anstetten . Der König bezog Wohnung im Berliner Schlosse und verblieb daselbst bis zum Sommer 1814 . Um diese Zeit aber wurd ' ihm die preußische Hauptstadt unbequem , denn das » Berliner Volk « zeigte sich wenig respektvoll ; die Tage von Großbeeren und Dennewitz stimmten es zum Groll und die altfränkische Art des sächsischen Hofes zum Spott . Beidem wollte der König entgehn . Er suchte daher nach , das dem russischen Fürsten Baratynski zugehörige Schloß Friedrichsfelde , selbstverständlich gegen eine Miets-oder Entschädigungssumme , beziehen zu dürfen . Dies wurde gewährt . Am 26. Juli 1814 erfolgte der Umzug , wobei ein Unteroffizier und zehn Mann preußischer Garde als Ehrenwache dienten . Diese blieben in Friedrichsfelde und wurden aus der sächsischen Hofküche beköstigt . Bis zum 24. März 1814 hatten Berliner Bürgergardisten die Wache beim Könige gehabt . In den » Denkwürdigkeiten aus dem kriegerischen und politischen Leben eines alten Offiziers « wird erzählt , der König Friedrich August habe von Friedrichsfelde aus fliehen wollen , sei aber eingeholt und zurückgebracht worden . Diese Mitteilung ist mindestens unwahrscheinlich . An Ort und Stelle wird nichts derart berichtet . Der König , während seines Friedrichsfelder Aufenthaltes , empfing viel Besuch und Deputationen aus seinem Lande , darunter den jungen Grafen Hohenthal , den Baron von Houwald ( Vater des Dichters ) und eine Deputation des Freiberger Bergbaues . Unter den Personen von Rang , die ihn dauernd umgaben , haben wir in erster Reihe Generalmajor von Watzdorf zu nennen ; doch war dieser oft monatelang auf Spezialmissionen , z.B. in London , abwesend . Am 13. Oktober 1814 trat Generalleutnant Sahrer von Sahr an Watzdorfs Stelle und blieb beim Könige , bis dieser Friedrichsfelde